Federführendes Institut
Themenfelder

STELlnetzfischerei-LösungsAnsätze (STELLA)

Projekt

Stellnetze im Greifswalder Bodden (c) Thuenen-Institut/ Daniel Stepputtis
Stellnetze im Greifswalder Bodden (© Thuenen-Institut/ Daniel Stepputtis)

Entwicklung von alternativen Managementansätzen und Fangtechniken zur Minimierung der Konflikte zwischen der Stellnetzfischerei und Naturschutzzielen und Schutzgütern in der deutschen AWZ der Ostsee (STELLA)

Bisherige Ansätze zur Mitigation des potentiellen Konfliktes zwischen passiver Fischerei und den Schutzzielen beschränken sich auf die Entwicklung und Erprobung von möglichen Maßnahmen. Zu diesen Maßnahmen gehört auch der diskutierte Ausschluss der Fischerei aus bestimmten Gebieten bzw. die Reduzierung des Aufwandes. Da der tatsächliche Aufwand derzeit nicht bekannt ist, lässt sich auch der Erfolg solcher Maßnahmen kaum belastbar abschätzen. Ganzjährige Schließungen größerer Gebiete hätten erhebliche sozioökonomische Auswirkungen für die Fischerei, aber auch auf davon unmittelbar (Verarbeitung, Instandhaltung, Hafenwirtschaft) oder mittelbar (Tourismus) abhängige Wirtschaftszweige. Untersuchungen zur Erhöhung der Akzeptanz der Schutzmaßnahmen in der Fischerei wurden bislang kaum durchgeführt, sind für die erfolgreiche Einführung aber essentiell. Diese Untersuchungen könnten sich z.B. auf die Verbesserung der Datenlage wie auf die Antriebe für die Verwendung modifizierter oder alternativer Fanggeräte beziehen.

Hintergrund und Zielsetzung

Gesamtziel dieses Vorhabens ist es, signifikante Fortschritte auf dem Weg zur Lösung der bestehenden oder potentiellen Konflikte zwischen den fischereilichen Aktivitäten der passiven Fischerei (v.a. der Stellnetzfischerei) und dem Schutz von Seevögeln und Meeressäugern in der deutschen AWZ der Ostsee zu erreichen.

Bisherige Arbeiten konzentrierten sich dabei vor Allem auf einzelne Fragestellungen im weiteren Umfeld der Problematik von unerwünschten Beifängen von Seevögeln und Meeressäugern, wie z.B. Untersuchung fangtechnischer Möglichkeiten oder die Erhebung von Daten zur aktuellen Beifangsituation. Diese thematisch enge Betrachtung hat bisher weder zu einem besseren Verständnis der Ursachen und Mechanismen der Beifang-Problematik, noch zu den gewünschten technischen Lösungen geführt. Aus diesem Grund sollen in diesem Projekt verschiedene Aspekte zur Datenerhebung, zu fangtechnischen Lösungen und zum Verhalten der Fischer untersucht und entsprechende Konzepte und Methoden erarbeitet werden. Hierbei wird es insbesondere durch die enge Verknüpfung der einzelnen Themenschwerpunkte und dem daraus resultierenden Gesamtverständnis möglich, ganzheitliche Konzepte und Lösungen zu erarbeiten.

Konkret sollen zunächst verbesserte Aufwands- und Beifangdaten der Stellnetzfischerei erhoben werden. Aus der heterogenen Flotte der passiven Fischereien werden homogene(re) Fischereifahrzeugcluster identifiziert. Für diese Flotteneinheiten sollen dann geeignete Alternativen zur bisherigen Fangpraxis entwickelt werden. Dafür werden einerseits Strategien zur Vermeidung von Phasen mit hohen Beifängen identifiziert, andererseits Fanggeräte weiterentwickelt und getestet, die je nach Zielart in Zeit und Raum alternativ zu Stellnetzen eingesetzt werden können. Um die Effektivität bei der Umsetzung möglicher Maßnahmen zu steigern, soll die Bereitschaft der Fischer zur Anwendung der Lösungsvorschläge ermittelt werden. Die Szenarien können dann sogar spezifisch für einzelne Fischereisegmente empfohlen werden.

Vorgehensweise

Um unerwünschte Beifänge zu reduzieren, fanden in der Vergangenheit Versuche zu verschiedenen Modifikationen der Stellnetze oder sogar zu Alternativen zum Stellnetzeinsatz statt. Zur Reduzierung des Beifangs von Schweinswalen wurde z.B. die „akustischen Sichtbarkeit“ des Netzmaterials erhöht, was zur besseren Detektion der Netze mithilfe des Biosonars der Schweinswale führen soll. Eine weitere Methode ist der Einsatz von sogenannten Pingern („Vergrämern“), die für den Schweinswal unangenehme Signale aussenden und ihn somit von Stellnetzen fernhalten sollen. In einigen Gebieten der Ostsee ist der Einsatz von Pingern gesetzlich vorgeschrieben, allerdings nicht für alle Fischereisegmente. Die langfristige Wirksamkeit der bisher verwendeten Pinger ist allerdings nicht sichergestellt. Es kann zu unkontrolliertem Ausfall der Geräte kommen und Tiere können so in die „stummen“ Netzbereiche geleitet werden. Gleichzeitig wird diskutiert, ob es zu Gewöhnungseffekten kommen kann. Zusätzlich könnte eine Vergrämung auch den verfügbaren Lebensraum weiter einschränken, und somit dem Schutzziel widersprechen. Daher wird zurzeit an einem alternativen Pinger-Konzept gearbeitet, bei dem die Schweinswale durch artspezifische Signale gewarnt werden (PAL, aktuelle Studie unter Leitung des Thünen-Institut für Ostseefischerei). Betrachtet man die heimischen und wandernden Seevögel, für die die Küstengebiete der Ostsee ein sehr wichtiges Mauser-, Rast- und Brutgebiet darstellen, gibt es bisher keine differenzierten Konzepte zur Verminderung der Beifänge, die sich in der kommerziellen passiven Fischerei als praktikabel erwiesen hätten – außer einem pauschalen Ausschluss der Fischerei.

Bisherige Ansätze zur Mitigation des potentiellen Konfliktes zwischen passiver Fischerei und den Schutzzielen beschränken sich auf die Entwicklung und Erprobung von möglichen Maßnahmen. Zu diesen Maßnahmen gehört auch der diskutierte Ausschluss der Fischerei aus bestimmten Gebieten bzw. die Reduzierung des Aufwandes. Da der tatsächliche Aufwand derzeit nicht bekannt ist, lässt sich auch der Erfolg solcher Maßnahmen kaum belastbar abschätzen. Ganzjährige Schließungen größerer Gebiete hätten erhebliche sozioökonomische Auswirkungen für die Fischerei, aber auch auf davon unmittelbar (Verarbeitung, Instandhaltung, Hafenwirtschaft) oder mittelbar (Tourismus) abhängige Wirtschaftszweige. Untersuchungen zur Erhöhung der Akzeptanz der Schutzmaßnahmen in der Fischerei wurden bislang kaum durchgeführt, sind für die erfolgreiche Einführung aber essentiell. Diese Untersuchungen könnten sich z.B. auf die Verbesserung der Datenlage wie auf die Antriebe für die Verwendung modifizierter oder alternativer Fanggeräte beziehen.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

11.2016 - 10.2019

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 3516 82 1300
Förderprogramm: BMUB - Umweltforschungsplan
Projektstatus: läuft