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Dossier

Lokale Märkte fördern, globalen Handel verstehen

Von Aida González-Mellado und Daniela Weible | 29.06.2022


MA Institut für Marktanalyse

Hunger und Mangelernährung sind vor allem in den armen Regionen der Welt immer noch traurige Realität. Ein Angelpunkt ist die oft schlechte und unstete Nahrungsversorgung in vielen Entwicklungsländern.

Die für eine gesunde Ernährung notwendigen Nahrungsmittel sind nicht verfügbar oder schlicht unbezahlbar. Um die schwersten Probleme zu lösen und die Versorgung dauerhaft zu verbessern, muss die Rolle von Märkten verstanden werden. Auf der einen Seite spielt beim Kauf der Nahrungsmittel nicht nur der Bedarf des menschlichen Körpers eine Rolle, sondern auch der Geschmack und die Gewohnheiten des Käufers. Auf der anderen Seite speist sich das Nahrungsangebot nicht nur aus der heimischen Produktion, sondern hängt in der Regel auch von importierten Nahrungsmitteln ab. In welchem Verhältnis sollten also Nahrungsproduktion und -importe stehen, um den Ernährungsbedarf der armen Regionen bestmöglich decken zu können?

Landwirtschaftliche Produktion vor Ort hat unmittelbare Vorteile: Die erzeugte Nahrung ist lokal verfügbar und auf die Kundschaft mit ihren heimischen Ernährungsgewohnheiten ausgerichtet. Allerdings ist es nicht immer möglich, durch lokal bzw. regional erzeugte Nahrung ausreichende Mengen an Protein, Vitaminen und Mineralien bereitzustellen. Ohne internationalen Warenaustausch werden sich landwirtschaftliche Erzeuger kaum auf Produkte spezialisieren, die sich bei ihren klimatischen und ökonomischen Bedingungen am besten eignen. Dadurch wird – global gesehen – weniger Nahrung erzeugt als möglich wäre.

Katastrophen wie Dürren oder Überschwemmungen können schwerwiegende Versorgungsengpässe herbeiführen. Genau hier zeigt sich der wesentliche Vorteil des Lebensmittelhandels: Nahrungsimporte aus Überschussregionen können Lücken im Angebot ausgleichen. Im Gegenzug ermöglicht es der Export von Nahrung oder anderen landwirtschaftlichen Produkten, die Einkommen in armen Regionen zu steigern. Eine stärkere Anbindung an regionale und internationale Märkte birgt jedoch auch das Risiko, dass Kleinbauern und Fischer deutlicher von internationalen Preisbewegungen betroffen sind, die sie nur schwer abschätzen können. Die Auswirkungen der lokalen Produktionssysteme und des Handels auf Angebot und Nachfrage, lokale Einkommen und den Ernährungszustand der Bevölkerung sind noch längst nicht abschließend erforscht. Dies macht die Untersuchung von Märkten/Handel zu einem spannenden Forschungsfeld.

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