Weiter zum Inhalt
Dossier

Emissionen aus der Tierhaltung

Von Jochen Hahne und Marcus Clauß | 30.06.2022


AT Institut für Agrartechnologie

Wenn falsch betriebene Stallanlagen oder unsachgemäß ausgebrachte Gülle sprichwörtlich zum Himmel stinken, reagieren Anwohner häufig alarmiert. Geruchsbelästigungen sind aber nur ein Teil des Problems. 

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist die wichtigste Ursache von Ammoniak-Emissionen in Deutschland. Ammoniak (NH3) ist ein Gas, das sich aus Harnstoff bildet, der über Harn und Kot der Tiere ausgeschieden wird. Die Emissionen treten entlang der gesamten Wirtschaftsdüngerkette auf: aus den Stallanlagen, den Gülle- und Mistlagerplätzen sowie auf Feldern und Wiesen, auf denen Wirtschaftsdünger ausgebracht wurde. 

Die Tierhaltung ist auch der größte Emittent des Treibhausgases Methan (CH4) in Deutschland. Die Emissionen stammen in erster Linie aus der Verdauung der Wiederkäuer. Auch die Lagerung von Tierexkrementen unter sauerstofffreien Bedingungen, zum Beispiel im Güllelager, fördert Methan-Emissionen. Indem Landwirte Gülle und Mist in Biogasanlagen verwerten, kann die Methanbildung gezielt im Sinne des Klimaschutzes für die Energieerzeugung genutzt werden.

In der Öffentlichkeit diskutiert werden immer stärker auch Emissionen von Bioaerosolen. Insbesondere luftgetragene Mikroorganismen wie Bakterien oder Schimmelpilze aus Stallanlagen stehen in Verdacht, die menschliche Gesundheit zu beeinträchtigen. Hier ist die Wissenschaft gefordert, denn das Gefährdungspotenzial für den Menschen ist bisher nur unzureichend erforscht.

Das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz berichtet im Rahmen internationaler Verpflichtung zum Klimaschutz und der Luftreinhaltung jährlich unter anderem über die Höhe der Methan- und Ammoniakemissionen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Deutschland. Das Thünen-Institut für Agrartechnologie untersucht und bewertet technische Verfahren und betriebliche Maßnahmen zur Minderung der Emissionen von Ammoniak, Treibhausgasen,  Gerüchen und Bioaerosolen und entwickelt innovative Techniken für die Erfassung von Bioaerosolen.

Zahlen & Fakten

Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft

Die Emission von Ammoniak führt durch Reaktion mit anderen Luftschadstoffen zur Bildung von gesundheitsschädlichem Feinstaub und über den Eintrag von Stickstoff zur Eutrophierung naturnaher Ökosysteme. Durch weitere Umsetzungsprozesse trägt sie zur Bodenversauerung, Grundwasserbelastung und zur indirekten Emission von Lachgas bei.

Mehr erfahren
Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft

Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft

Im Jahr 2020 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 56,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 7,7 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen. Wesentliche Quellen sind Methan-Emissionen aus der Tierhaltung und Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden.

Mehr erfahren
Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft

Expertise

Bioaerosole: Kleine Sache, große Wirkung

In der Nutztierhaltung werden neben gasförmigen Emissionen auch luftgetragene Mikroorganismen wie Bakterien oder Schimmelpilze freigesetzt. Diese Bioaerosole stehen im Verdacht, die Gesundheit von Anwohnern im nahen Umfeld von Ställen zu beeinträchtigen. Dafür gibt es jedoch keine hinreichenden Belege, aber viele offene Fragen.

Mehr erfahren
Bioaerosole: Kleine Sache, große Wirkung

Die Situation in der Schweinehaltung

Mit Biofiltern lassen sich Gerüche und Stäube aus Tierställen wirksam beseitigen. Problematisch ist jedoch die Abscheidung von Ammoniak. Viele Schweinehaltungsbetriebe verfügen mittlerweile über Abluftreinigungsanlagen.

Mehr erfahren
Die Situation in der Schweinehaltung

Die Situation in der Geflügelhaltung

Bei der Abluftreinigung aus Geflügelställen haben wir es mit großen Volumenstrümen und hohen Staubbelastungen zu tun. Staub führt zu Störungen bei der Abluftwäsche, daher wird eine gezielte Vorentstaubung angestrebt. Wegen der hohen Kosten haben erst wenige Geflügelbetriebe Anlagen zur Abluftreinigung.

Mehr erfahren
Die Situation in der Geflügelhaltung

Nach oben