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Zahlen & Fakten

Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft

Von Roland Fuß, Cora Vos und Claus Rösemann | 25.05.2022


AK Institut für Agrarklimaschutz

Die Emission von Ammoniak führt durch Reaktion mit anderen Luftschadstoffen zur Bildung von gesundheitsschädlichem Feinstaub und über den Eintrag von Stickstoff zur Eutrophierung naturnaher Ökosysteme. Durch weitere Umsetzungsprozesse trägt sie zur Bodenversauerung, Grundwasserbelastung und zur indirekten Emission von Lachgas bei.

Im Rahmen eines internationalen Abkommens zur Luftreinhaltung (NEC-Richtlinie) hat sich Deutschland dazu verpflichtet, die Emissionen von Ammoniak bis zum Jahr 2030 um 29% gegenüber dem Jahr 2005 zu verringern. Die deutschen Ammoniakemissionen entstehen zum Großteil im Sektor Landwirtschaft. Das landwirtschaftliche Ammoniak-Inventar, berichtet jährlich die Emissionen aus Tierhaltung (Stall, Lagerung von Wirtschaftsdünger) und Böden (Ausbringung von Wirtschaftsdünger, Mineraldünger und Klärschlamm; Weidegang). So emittierte allein die Landwirtschaft im Jahr 2020 rund 512 kt Ammoniak. Im Gegensatz zum Vorjahr ergibt sich eine erhebliche Minderung, die zum Großteil auf die Pflicht zur emissionsärmeren Ausbringung von Harnstoffdüngern seit 2020 zurückzuführen ist. Das Umweltbundesamt berechnet die Ammoniakemissionen der anderen Sektoren und veröffentlicht diese im IIR (Informative Inventory Report).

Emissionen aus der Tierhaltung

Nach den aktuellen Emissionsdaten von 2005 gilt ab 2030 eine Obergrenze von 428 Kilotonnen. Damit steigt der politische Handlungsdruck, Maßnahmen zur Minderung auf den Weg zu bringen. Da in Deutschland derzeit rund 95 Prozent der nationalen Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft stammen, steht dieser Sektor unter einem besonderen Anpassungsdruck.

Die wichtigste NH3-Emissionsquelle in der Landwirtschaft ist Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist, Jauche, aber auch Gärreste aus Biogasanlagen). Wirtschaftsdünger enthält in der Regel hohe Anteile an Ammoniumstickstoff (NH4+), der insbesondere im Kontakt mit der Atmosphäre schnell in gasförmiges Ammoniak umgewandelt werden kann. Dieses entweicht so in die Luft und geht damit den Pflanzen als Nährstoff verloren. Derartige Verluste treten im Stall, im Wirtschaftsdüngerlager und bei der Ausbringung von Wirtschaftsdünger auf und müssen so weit wie möglich reduziert werden.

Am effizientesten und vergleichsweise kostengünstig ist es, Verluste bei der Ausbringung von Wirtschaftsdünger zu vermeiden. Dazu muss der Kontakt mit der Atmosphäre möglichst kurz gehalten werden. Eine bodennahe, bandförmige Ausbringung (Schleppschlauch) mit anschließender schneller Einarbeitung in den Boden oder die Verwendung eines Güllegrubbers (sofortige Einarbeitung) gewährleistet dies bei flüssigen Wirtschaftsdüngern auf unbewachsenen Ackerflächen. Wird der Dünger in den Bestand oder auf Grünland ausgebracht, ist die Einarbeitung in dieser Form nicht möglich. Dafür existieren aber Injektions- bzw. Schlitzverfahren sowie Güllegrubber, die in Deutschland bislang allerdings selten angewendet werden.

Im Lager können Emissionen vermieden werden, indem Gülle- und Gärrestlager möglichst gasdicht abgedeckt werden und die Exkremente nicht im Stall, z.B. unter einem Spaltenboden, gelagert werden. Eine Schwimmfolie beispielsweise reduziert die Emissionen gegenüber einem nicht abgedeckten Lager um 85 Prozent.

In Ställen zur Schweine- und Geflügelhaltung kann Ammoniak mit Abluftreinigungsanlagen aus der Luft ausgefiltert werden. Da Rinder in Deutschland zumeist in frei gelüfteten Laufställen gehalten werden, bliebe hier eine Abluftreinigungsanlage ohne Wirkung.

Auch nach der Ausbringung von Mineraldüngern entsteht NH3. Harnstoff weist dabei ein besonders hohes Emissionspotenzial auf. Eine Emissionsreduktion ließe sich erreichen, wenn statt Harnstoff eine andere Minderaldüngerart, z.B. Kalkammonsalpeter, verwendet würde. Nach der aktuellen Düngeverordnung darf Harnstoff ab Februar 2020 nur noch in Kombination mit emissionsreduzierenden Maßnahmen ausgebracht werden (Zugabe von Ureasehemmstoff oder Einarbeitung innerhalb von vier Stunden).

Service zum Download

  • Thünen Report 91Berechnung von gas- und partikelförmigen Emissionen aus der deutschen Land- wirtschaft 1990–2020: Report zu Methoden und Daten (RMD) Berichterstattung 2021
  • Daten zum Thünen Report 91Die zum Report gehörende Datei mit Eingabedaten und Emissionsergebnissen
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