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„Gefühle des Abgehängtseins“ in ländlichen Räumen?

Projekt

Schwache Infrastrukturen und ländliche Idylle (c) ArTo/Fotolia
Schwache Infrastrukturen bei ländlicher Idylle - Fühlen sich Menschen auf dem Land abgehängt? (© ArTo/Fotolia)

Fühlt sich die Bevölkerung in ländlichen Räumen „abgehängt“ und wendet sich daher von den etablierten Parteien oder gar der Demokratie im Ganzen ab? In der öffentlichen und politischen Diskussion ist häufig von „Gefühlen des Abgehängtseins“ die Rede. Ob sie tatsächlich existieren und wenn ja, welche Formen und Ursachen sie in ländlichen Räumen haben, soll in diesem Forschungsprojekt untersucht werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Forschungsprojekt „Gefühle des Abgehängtseins“ in ländlichen Räumen? widmet sich dem Thema, ob und inwiefern die wirtschaftliche, infrastrukturelle sowie soziale Situation ländlicher Räume und die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den etablierten Parteien oder der Demokratie an sich zusammenhängen. Auf Basis der Forschungsergebnisse sollen Politikempfehlungen zur Stärkung des demokratischen Systems hergeleitet werden.

Vorgehensweise

In dem Projekt wird zunächst mithilfe einer qualitativen Diskursanalyse die populär-mediale Debatte um die „Gefühle des Abgehängtseins“ aufgearbeitet. Dies dient dazu, ein breites Spektrum potenzieller Erklärungsansätze jener gesellschaftlichen Dynamiken zu erschließen sowie konkrete, theoriegenerierende Forschungsfragen zu entwickeln. Anschließend wird über eine Literaturanalyse der aktuelle Forschungsstand zusammengetragen und synthetisiert.

Auf dieser Basis werden dann in qualitativen Gruppendiskussionen individuelle Meinungen und kollektive Wahrnehmungen der Lebensqualität und der sozialen Teilhabe in ländlichen Räumen erhoben und analysiert, ob bzw. welche „Gefühle des Abgehängtseins“ sich finden lassen. Die Gruppendiskussionen werden in Dörfern und Gemeinden stattfinden, die vier unterschiedlichen Typen ländlicher Räume (Thünen-Typologie) zugeordnet werden können.

Daten und Methoden

Primär qualitative Forschungsverfahren (Diskursanalyse, Gruppeninterviews) in Kombination mit quantitativ-deskriptiven Sekundäranalysen regionalspezifischer Daten

Unsere Forschungsfragen

(1) Sind in ländlichen Regionen „Gefühle des Abgehängtseins“ zu finden, und wenn ja, welche unterschiedlichen Formen von „Gefühlen des Abgehängtseins“ gibt es?

(2) Welche spezifischen Charakteristika spielen für die Entwicklung von „Gefühlen des Abgehängtseins“ in ländlichen Regionen eine Rolle?

Vorläufige Ergebnisse

Gründe dafür, dass sich die Bevölkerung möglicherweise „abgehängt“ fühlt, könnten sein, dass einige ländliche Räume von bestimmten gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen besonders gravierend betroffen sind. So können dort die gesellschaftlichen Trends einer niedrigeren Geburtenrate und einer steigenden Lebenserwartung durch die Abwanderung meist junger, gut gebildeter Bevölkerungsgruppen in die Städte verschärft werden und zu einer Überalterung und Ausdünnung von ländlichen Regionen und ihrer wirtschaftlichen Schwächung führen.

Damit verbunden ist oft der Abbau von ÖPNV oder Gesundheitsvorsorgeeinrichtungen. Schnelles Internet wird aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit gegebenenfalls erst gar nicht eingerichtet. Dies macht die Region für sich potenziell ansiedelnde Unternehmen, die Arbeitsplätze und damit auch Zuwanderung versprechen, unattraktiv.

Strukturschwäche kann sich somit selbst verstärken und soziale Teilhabemöglichkeiten des Alltags der verbliebenen Bevölkerung stark einschränken. Auch die personelle Präsenz staatlicher Institutionen wie der Polizei geht oft zurück. Bei Wahlen wird der lokale Wahlkampf oft weniger intensiv geführt. Aus alldem können Unmut und das Gefühl, von der Politik nicht beachtet zu werden, hervorgehen. Auch Zukunftsängste können vorhanden sein.

Denkbar sind aber auch andere Ursachen, die sich nicht unbedingt auf die Besonderheiten ländlicher Räume, sondern auf tiefer liegende gesellschaftliche Veränderungen zurückführen lassen.

Zwischenergebnisse werden zeitnah, die endgültigen Ergebnisse 2022 veröffentlicht.

Links und Downloads

Projekt: Armut und soziale Teilhabe in ländlichen Räumen

Projekt: Stabilität und Akzeptanz des demokratischen Systems in ländlichen Räumen

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

4.2018 - 3.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 0