Federführendes Institut
Themenfelder

Mit Fischen besser rechnen

Projekt

Fang und Beifang vergleichend in Kisten sortiert (c) Thuenen-Institut/ Daniel Stepputtis
Fang und Beifang vergleichend in Kisten sortiert (© Thuenen-Institut/ Daniel Stepputtis)

Bestandserforschung: Weiterentwicklung von Modellen und Methoden zur Bestandserfassung und Bestandsberechnung

Jeder Fischbestand ist anders. Für einen Bestand haben wir mehr Informationen, für den anderen weniger. Wir versuchen, die Populationsmodelle entsprechend anzupassen, um die Fangvorhersagen immer weiter zu verbessern

Hintergrund und Zielsetzung

Der Zustand der kommerziell genutzten Fischbestände der Ostsee wird mit international anerkannten Populationsmodellen abgeschätzt. Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Ostseefischerei (OF) bereiten die deutschen Fangdaten auf und berechnen zusammen mit Wissenschaftlern aus anderen Ostseeanrainerstaaten in sogenannten Assessment-Arbeitsgruppen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) jeweils im Frühjahr die Fangmöglichkeiten für das nächste Jahr – zum Beispiel in der Herring Assessment Working Group (HAWG) oder in der Baltic Fisheries Assessment Working Group (WGBFAS). Die Datenlage variiert von Fischbestand zu Fischbestand – zum Beispiel, wenn Daten zur Entnahme durch die Freizeitfischerei vorliegen. Benachbarte Fischbestände können sich sehr unterschiedlich entwickeln, sodass für einen Bestand ein Erholungsplan erforderlich wird während sich der benachbarte Bestand in gutem Zustand befindet. Die Heterogenität unter den Fischbeständen verlangt nach geeigneten Methoden der Datenerhebung und maßgeschneiderten Modellen, um belastbare Bestandsvorhersagen errechnen zu können. Dieses Vorhaben ist Teil der Aktivitäten, die wir im Rahmen des Data Collection Framework (DCF), EU-Verordnung 199/2008, am OF durchführen.

Vorgehensweise

Wir erheben fischereiunabhängige Daten auf unseren Forschungsreisen und fischereiabhängige Daten im Rahmen der Beprobung der kommerziellen Fischerei. Die Forschungsreisen führen wir nach international abgestimmten Standards durch – zum Beispiel den Baltic International Trawl Survey (BITS) oder den Baltic International Acoustic Survey (BIAS). National führen wir den Rügen Heringslarven-Survey durch. Dabei beproben wir das Hauptlaichgebiet des Herings der westlichen Ostsee nach bester wissenschaftlicher und statistisch valider Praxis. Im Gegensatz dazu ist die Beprobung der kommerziellen Fischereien der Ostsee deutlich komplexer. Unwägbarkeiten aller Art sind das tägliche Geschäft der Fischerei und der Kutterkapitäne und damit auch von uns, wenn wir versuchen, die Fangaktivitäten der Fischer zu beproben. Dies stellt einige praktische und theoretische Herausforderungen an die Implementierung eines robusten Beprobungsplans.

Vorläufige Ergebnisse

Eine ganze Reihe an Fortschritten haben wir in der letzten Zeit erzielt. Dazu gehört die methodische Weiterentwicklung der akustischen Forschungsreisen, die die Schwarmfische Hering und Sprotte fischereiunabhängig erfassen. Auch bei den Bodenfisch-Forschungsreisen (BITS) wurden Verbesserungen eingeführt, zum Beispiel Zusatzstationen und Plastikmüll-Monitoring. An zentraler Stelle haben wir den ICES bei der Weiterentwicklung der Algorithmen zur automatisierten Analyse der BITS-Daten in der öffentlich zugänglichen Datenbank DATRAS mit unserer Expertise unterstützt.

Die Entnahmen an Dorsch aus der westlichen Ostsee durch die deutsche Freizeitfischerei wurden in die Bestandsberechnung mit aufgenommen. Das ist bislang einmalig in Europa.

Seit 2012 findet eine zufallsbasierte Beprobung der kommerziellen Fischereien der Ostsee statt. Dies hat neben einer ganzen Reihe von kleineren und größeren Fortschritten insbesondere die Qualität der Daten weiter deutlich verbessert, die wir für die jährlichen Bestandsprognosen liefern.

Wir erfassen unsere Altdatenbestände zu Beprobungsdaten von Plattfischen. Sie reichen teilweise bis in DDR-Zeiten zurück. Die Weiterentwicklung der Bestandsberechnungen der Plattfische der Ostsee hat beim ICES hohe Priorität. Wir liefern mit unseren Daten die Grundlage für die Berechnungen und sind selbst an der Weiterentwicklung der Bestandsmodelle der für Deutschland wichtigen Plattfischbestände federführend beteiligt.

Um den Mehrarten-Ansatz (multi-species approach) weiterzuentwickeln, sind Informationen zu den Räuber-Beutebeziehungen innerhalb der Nahrungsnetze erforderlich. Auf unseren Forschungsreisen sammeln wir Mägen von Dorsch und Wittling und liefern sie zur weiteren Analyse an unsere Partner. Zusätzlich führen wir eigene Mageninhaltsanalysen an Dorschen durch.

In verschiedenen Arbeitsgruppen arbeiten wir daran mit, verlässliche Referenzpunkte für Fischbestände zu ermitteln. Die Definition von Referenzpunkten und ihre Berechnung sind bedeutsam, um die Bestandssituation nach den bestehenden Standards einzuschätzen.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

Daueraufgabe 1.2001

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 14

  1. Oeberst R, Gröhsler T, Schaber M, Larson N (2013) Applicability of the Separation Function (SF) in 2011 and 2012. In: Report of the Baltic International Fish Survey Working Group (WGBIFS) : 20-25 March 2013. Copenhagen: ICES, pp 399-405
  2. Oeberst R, Gröhsler T, Schaber M (2013) Applicability of the Stock Separation Function (SF) on the first period of GERAS in 1994-2004. Working Document WKPELA2. Benchmark Workshop on on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, 4 p
  3. Oeberst R, Böttcher U (2013) Comparison of stock indices based on BASS estimated with standard procedure and new proposed method. Working Document WKPELA. Benchmark Workshop on on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, 4 p
  4. Oeberst R, Gröhsler T (2013) Comparison of stock indices based on GERAS estimated with the standard procedure and by the new proposed method : Working document Baltic International Fish Survey Working Group (WGBIFS) 20-25 March 2013. Copenhagen: ICES, 9 p
  5. Gröhsler T, Oeberst R, Schaber M, Larson N, Kornilovs G (2013) Discrimination of western Baltic spring-spawning and central Baltic herring (Clupea harengus L.) based on growth vs. natural tag information. ICES J Mar Sci 70(6):1108-1117, doi:19.1093/icesjms/fst064
  6. Gröhsler T, Oeberst R, Schaber M (2013) Implementation of the Stock Separation Function (SF) on German commercial landings. In: Report of the Benchmark Workshop on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, pp 379-386
  7. Gröhsler T, Oeberst R, Schaber M (2013) Implementation of the Stock Separation Function (SF) within GERAS in 2005-2011. Working Document WKPELA 1. Benchmark Workshop on on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, 6 p
  8. Oeberst R, Gröhsler T, Schaber M (2013) Investigations on quality of Stock Separation Function (SF). Working Document WKPELA4. Benchmark Workshop on on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, 22 p
  9. Bartolino V, Gröhsler T, Vitale F, Krischansson B, Johansson M (2013) Maturity at age in the WBSSH herring : motivation of the study and background. In: Report of the Benchmark Workshop on Pelagic Stocks (WKPELA): 4-8 February 2013. Copenhagen: ICES, pp 470-475
  10. Oeberst R (2012) Consistency of cod stock indices based on BITS : Working paper WKBALT, 20 – 22 November 2012. 12 p
  11. Oeberst R (2012) Conversion factors used in DATRAS for BITS : Working paper WKBALT, 20 – 22 November 2012. 22 p
  12. Oeberst R (2012) DATRAS data used for evaluating the quality of ageing of western Baltic cod : Working paper WKBALT, 20 – 22 March 2012. 18 p
  13. Oeberst R, Gröhsler T (2012) Development of growth of WBSSH between 1994 and 2011 : working paper Benchmark WKPELA, 22 – 23 November 2012. 4 p
  14. Oeberst R, Böttcher U (2012) Indices of sprat and herring based on German acoustic survey in May (BASS) – estimated with different methods for combining the results of fishing stations : working paper Working group of Baltic International Fish Survey, 26 – 30 March 2012. Copenhagen: ICES, 14 p

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