Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Annette Pontillo
Institut für Ökologischen Landbau

Trenthorst 32
23847 Westerau
Telefon: +49 4539 8880 0
ol@thuenen.de



Tierwohl in der Ziegenhaltung

Projekt

 (c) Thünen-Institut/OL

Verbesserungen in der tiergerechten Haltung von Ziegen im Stall und auf der Weide

Die tiergerechte Haltung von Ziegen ist ein Hauptziel im Ökologischen Landbau. Der Stall und die Weide für Ziegen müssen so gestaltet sein, dass a) die Tiere alle Verhaltensweisen ausleben können, gesundheitliche Beeinträchtigungen und Verletzungen vermieden werden, b) das Versorgen und Nutzen der Tiere wirtschaftlich und einfach ist und c) auch keine Gefährdung der Umwelt bedeutet. Das ist in der Praxis nicht leicht.

Hintergrund und Zielsetzung

Tiergerechte Ziegenhaltung ist nicht selbstverständlich, auch nicht im Ökolandbau. Ziegen haben häufig keinen Weidegang im Sommer, werden in zu engen Ställen gehalten: ohne Kletter- und Spielmöglichkeiten sowie Rückzugsräume. Die Fress- und Tränkemöglichkeiten, die Luftqualität und das Licht sind vielfach nicht tiergerecht und verursachen Stress. Auch auf der Weide ist die Ziege nicht immer glücklich: keine Gehölze, keine Klettermöglichkeiten, keinen Witterungsschutz, Krankheiten oder Verletzungsgefahren sind nur einige Probleme.

Um die Verletzungsgefahren zu reduzieren, werden die Hörner schon bei den Lämmern weggebrannt. Die Lämmer werden meistens schnell nach der Geburt von der Mutter getrennt, nicht immer sachgerecht aufgezogen und früh geschlachtet.

Die Mortalitätsraten und viele Krankheiten sind weit verbreitet und zu hoch. Die schlechte Tierhaltungsqualität reduziert auch die Wirtschaftlichkeit des Systems.

Das Verbessern der tiergerechten Ziegenhaltung ist Ziel der Forschung des Instituts für Ökologischen Landbau: sowohl auf der Versuchsstation als auch in der Praxis auf Betrieben. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung des Tierwohls sondern auch um die verbesserte Wirtschaftlichkeit der Betriebe. 

Vorgehensweise

Die Verbesserungen der Tiergerechtheit in der Ziegenhaltung wurden von 2001 bis 2014 auf der Versuchsstation des Institutes in Trenthorst umfassend erarbeitet. In der Zeit wurden Konzepte für die Übertragbarkeit in die Praxis entwickelt. Die gewonnen Erkenntnisse werden parallel auf Betrieben implementiert - sowohl auf Bio- als auch konventionellen Betrieben. Seit 2015 ist dieser Transfer Schwerpunkt der Ziegenforschung. Dazu werden Methoden der "stable schools" als auch "online Entscheidungsbäume" verwendet und wissenschaftlich auf ihre Wirkung getestet.

Vorläufige Ergebnisse

  • Ziegen benötigen mehr Platz im Stall als durch die EU-Öko-Verordung als Mindestfläche vorgegeben ist (1,5 qm). 2,5 qm sind ausreichend. 
  • Der Auslauf mit vorgeschrieben 2,5 qm ist dagegen eher zu groß und 1,5 würden reichen, besonders wenn im Sommer Weidegang gewährt wird.
  • Weidewirtschaft benötigt gutes Tierhaltungs- und Weidemanagement. Dann kann die Leistung / Wirtschaftlichkeit angemessen sein und die Parasiten kontrolliert werden.  
  • Futterhecken steigern das Wohlbefinden und Nährstoffversorgung verbessern, reduzieren aber nicht die Milchmenge, so fern nicht mehr als 10% der täglichen Futtermenge aus Gehölzteilen besteht.
  • Lämmeraufzucht an der Mutter (45 Tage) kann das Tierwohl steigern, die Mortalität der Lämmer reduzieren und trotzdem arbeitswirtschaftlich und ökonomisch vorteilhaft sein. 
  • Enthornungen von Ziegen sind bei genügend Platz, angepasste Stall- und Weideausstattungen und gutem Management der Herde nicht erforderlich.
  • Liegenischen erhöhen den Stallplatz und befriedigen das Kletter- sowie Ruhebedürfnis.
  • Fressplätze müssen so angelegt sein, dass die Tiere sich nicht gegenseitig am fressen hindern können, keine Hunde das Fressen stören und sie gut selektieren können.
  • Selektieren von Futter gehört zu den Grundbedürfnissen und ist durch reichhaltige und abwechslungsreiche Futtermittel zu gewährleisten.
  • Ohrmarken sind so anzubringen, dass sie nicht ausgerissen werden können. 
  • Weidezäune sollten so sein, dass sich die Tiere dort nicht verfangen können.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

4.2001 - 12.2016

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 27

  1. Rahmann G (2014) Organic sheep and goat farming. In: Mehdipour M (ed) 2nd International Conference on Trade and Market Development of Organic Products : May-11-2014 ; Tehran, Iran. Tehran: Iran Organic Association, pp 42-54
  2. Georg H, Bender S, Ude G (2013) Anwendung eines Systems zur automatischen Verhaltenserfassung von Ziegenlämmern bei der "Beweidung" von Futtergehölzen. In: Neuhoff D, Stumm C, Ziegler S, Rahmann G, Hamm U, Köpke U (eds) Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Ideal und Wirklichkeit: Perspektiven ökologischer Landbewirtschaftung . Berlin: Köster, pp 560-563
  3. Börner W, Ude G, Bender S, Georg H (2013) Beweidung von Futterhecken mit Ziegenlämmern. Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 63(1):69-78, DOI:10.3220/LBF_2013_69-78
    PDF Dokument 315 KB
  4. Rahmann G, Kühne S (2013) Ökolandbau 2013 : die Tierhaltung ist das schwächste Glied. Forschungsrep Spezial Ökol Landbau(2):2
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1976 KB
  5. Rahmann G (2013) Organic animal husbandry still needs a lot of scientific support: the example of Germany. In: Dogu Karadeniz Kalkinma Ajansi (ed) Dogu Karadeniz 1. Organik Tarim Kongresi. Trabzon, pp 51-54
  6. Georg H, Ude G, Bender S (2012) Automatisierte Erfassung des Weideverhaltens von Ziegenlämmern mithilfe eines Echtzeit-Positionierungssystems. KTBL Schr 496:225-226
  7. Aschenbach F, Rahmann G (2011) Bedeutung der Raufutterselektionsfähigkeit von Ziegen für ihre Ernährung. Landbauforsch SH 346:91-98
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 340 KB
  8. Aschenbach F, Rahmann G (2011) Body Condition Scoring bei Milchziegen. Landbauforsch SH 346:111-118
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 102 KB
  9. Ude G, Georg H, Schwalm A (2011) Fiebermessen bei Ziegen durch elektronische Tierkennzeichnung - geht das? In: Leithold G, Becker K, Brock C (eds) Beiträge zur 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Es geht ums Ganze: Forschen im Dialog von Wissenschaft und Praxis : Bd. 2, Tierproduktion und Sozioökonomie. Berlin: Köster
  10. Rübeling S, Möller D, Rahmann G (2011) Sozioökonomische Analyse des Betriebsaufbaus von Milchschaf- und Milchziegenbetrieben. Landbauforsch SH 354:85-98
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 122 KB
  11. Ude G, Georg H, Schwalm A (2011) Untersuchung mit Thermo-Injektaten bei Ziegen zur Eignung von zwei Applikationsorten, zum Vergleich von zwei Messsystemen sowie bei unterschiedlicher Umgebungstemperatur. In: 10. Tagung: Bau, Technik und Umwelt 2011 in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Darmstadt: KTBL, pp 431-438
  12. Ude G, Bender S, Georg H (2011) Untersuchung zur elektronischen Tierkennzeichnung bei Ziegen. Landbauforsch SH 346:99-110
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1100 KB
  13. Bender S, Ude G, Georg H (2011) Untersuchung zur Verträglichkeit der elektronischen Tierkennzeichnung bei Ziegenlämmern ab der Geburt. In: Leithold G, Becker K, Brock C (eds) Beiträge zur 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Es geht ums Ganze: Forschen im Dialog von Wissenschaft und Praxis : Bd. 2, Tierproduktion und Sozioökonomie. Berlin: Köster, pp 228-231
  14. Rahmann G (2009) Goat milk production under organic farming standards [online]. Trop Subtrop Agroecosyst 11(1):105-108, zu finden in <http://www.veterinaria.uady.mx/ojs/index.php/TSA/article/view/23/217> [zitiert am 25.05.2010]
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 223 KB
  15. Rahmann G (2009) Ökologische Schaf- und Ziegenhaltung : 100 Fragen und Antworten für die Praxis. 2., überarb. Aufl. Braunschweig: FAL, 261 p
  16. Zenke S, Rahmann G, Hamm U, Euen S (2009) Ökologische Ziegenfleischproduktion : eine Situationsanalyse. Landbauforsch SH 326:21-30
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 236 KB
  17. Rahmann G, Koopmann R, Seip H (2008) Alternative strategies to prevent and control endoparasite diseases in goat farming. In: Proceedings of the 9th International Conference on Goats : "Sustainable Goat Production: Challenges and Opportunities of Small and Large Enterprises" ; Querétaro, México, August 31st - September 4th, 2008. p 266
  18. Barth K, Aulrich K (2008) Hohe Zellzahl und trotzdem gesund. Bio Land(4):25
  19. Barth K, Horvat E, Kern A, Maurer V, Muntwyler J, Simantke C, Stöger E, Reinmuth B (2008) Milchziegenhaltung im Biobetrieb : ein Managementleitfaden für Einsteiger und Bioprofis. Mainz: Bioland Verl, 28 p
  20. Szabó S, Waiblinger S, Barth K, Winckler C (2008) Verhalten von Milchziegen im Wartebereich - Einfluss von Platzangebot und Form. KTBL Schr 471:239-240
  21. Rahmann G (2007) Extensive Standorte : Grenzen, Möglichkeiten und Gefahren. In: Rahmann G, Schumacher U, Reinmuth B (eds) 2. Internationale Bioland Schaf- und Ziegentagung - Schlüssel zum Erfolg, 27.-28. November 2007 in Herrsching : Tagungsreader. pp 21-33
  22. Mayer C, Barth K, Kjær JB (2006) Liegeflächenqualität in Liegenischen für Milchziegen: Strohmatratze oder Holzboden. KTBL Schr 448:241-245
  23. Barth K (2006) Untersuchungen zur Aufzucht von Schaf- und Ziegenlämmern mit arteigener und artfremder Milch. Landbauforsch Völkenrode SH 298:145-146
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 45 KB
  24. Koopmann R, Fischer P (2005) Künstliche Besamung bei Ziegen. Bio Land(6):14-15
  25. Barth K, Ordolff D, Mayer C (2005) Untersuchungen zu Liegenischen für Milchziegen. In: Hess J, Rahmann G (eds) Beiträge zur 8. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau "Ende der Nische" : Kassel, 1.-4. März 2005. Kassel: Kassel Univ Pr, pp 357-358
  26. Rahmann G (2004) Ökologische Tierhaltung. Stuttgart: Ulmer, 135 p
  27. Koopmann R, Barth K (2004) The relationship between worm burden and milk quality in goats. In: Hovi M, Sundrum A (eds) Organic livestock farming : potential and limitations of husbandry practice to secure animal health and welfare and food quality : proceedings of the 2nd SAFO Workshop 25-27 March 2004, Witzenhausen, Germany. Reading: Univ, pp 77-86