FAQ
Darum werden die Minderungsziele für die Landnutzung verfehlt
Bernhard Osterburg, Roland Fuß | 14.03.2026
Die aktuellen Projektionsdaten zu den Treibhausgasemissionen zeigen, dass der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) langfristig Kohlendioxid freisetzt statt als Senke zu wirken. Fragen und Antworten dazu in unserem FAQ.
Im Klimaschutzgesetz wird dem Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) eine besondere Rolle zugewiesen:
Als einziger Sektor enthält er nicht nur Quellen, sondern auch Senken von Treibhausgasen. Daher sollen zukünftig unvermeidbare Emissionen in anderen Sektoren durch eine gesetzlich als Ziel verankerte Nettosenke des LULUCF-Sektors ausgeglichen werden. Die Projektionen des Thünen-Instituts im Auftrag der Bundesregierung haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass dieses Ziel voraussichtlich weit verfehlt wird. Nach erfolgreichen Klagen der Deutschen Umwelthilfe ist die Bundesregierung verpflichtet, Maßnahmen einzuleiten, die eine Zielerfüllung ermöglichen.
In Deutschland wurden in der Vergangenheit die hohen Emissionen aus entwässerten organischen Böden durch Einbindung von Kohlendioxid in Waldökosystemen ausgeglichen. Derzeit kann der durch den Klimawandel stark geschädigte Wald dies aber nicht mehr leisten, so dass auch der LULUCF-Sektor in Summe große Mengen CO₂ freisetzt, was im Widerspruch zu den gesetzlichen Zielen steht.
Durch die im Sektor mögliche Senkenleistung sollen Emissionen in anderen Sektoren wie u.a. der Landwirtschaft, deren Emissionen zum Teil unvermeidbar sind, kompensiert werden. Im Klimaschutzgesetz ist für den Sektor LULUCF festgelegt, dass im Mittelwert der Jahre 2027 bis 2030 im Saldo 25 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent (CO₂-Äquivalent) pro Jahr eingebunden werden sollen. Im Mittelwert der Jahre 2037 bis 2040 liegt der Zielwert für die Netto-Einbindung bei 35 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr, für den Zeitraum von 2042 bis 2045 bei 40 Millionen Tonnen.
Die Projektionsdaten 2026 zeigen, dass sich der Wald zwar gerade erholt, der LULUCF-Sektor aber auch künftig eine erhebliche Treibhausgasquelle bleibt. Bei Umsetzung beschlossener Maßnahmen wird in den Jahren von 2027 bis 2030 eine Emission von etwa 24,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr erwartet. Das Ziel einer Netto-Einbindung von 25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten wird damit dramatisch verfehlt.
Zudem zeigen die Modellierungsergebnisse, dass sich die Unsicherheiten durch den Klimawandel und insbesondere die dadurch zunehmend wahrscheinlicher werdenden Extremwetterereignisse deutlich auf die Emissionsbilanz des LULUCF-Sektors auswirken. Diese Unsicherheiten sind weit größer als die kombinierte Wirkung aller bisher eingeleiteten Minderungsmaßnahmen.
- Die Dürre in den vergangenen Jahren hat großflächig Wald absterben lassen. Seit Oktober 2024 liegen die Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur vor. Diese quantifizieren die Waldschäden durch Dürre und Borkenkäferbefall ab 2018, die dazu geführt haben, dass der Wald keine Senke mehr war, auch wenn die Waldböden einen Teil des Verlustes ausgeglichen haben. Es hat zwar inzwischen eine Erholung eingesetzt, aber die Senkenleistung vor der Dürre wird wahrscheinlich nicht wieder erreicht.
- Die Emissionen aus den drainierten Moorböden sind unvermindert hoch. Bisher umgesetzte und geplante Wiedervernässungsmaßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um diese Emissionen substanziell zu verrringern.
- Daten und Modellierungsergebnisse zeigen, dass Mineralböden unter ackerbaulicher Nutzung langfristig Kohlenstoff verlieren. Dieser Verlust schwankt jedoch stark wetterabhängig. Bei günstigen Wetterbedingungen können Ackerböden in Einzeljahren sogar als Senke wirken.
Die aktuelle Entwicklung im Sektor LULUCF steht im Widerspruch zu den Klimazielen. Die Ziele für 2030 werden selbst bei Ausbleiben von Extremereignissen deutlich verfehlt. Hinzu kommt, dass für einige bereits beschlossene Klimaschutzmaßnahmen die konkrete Umsetzung fehlt. Selbst wenn die Maßnahmen nun beschleunigt umgesetzt werden, hätten sie bis 2030 nur eine geringe Wirkung. Der Grund: viele Maßnahmen im Bereich Landnutzung und Wald zeigen erst langfristig Erfolge. Im LULUCF-Sektor muss der Fokus deshalb auf langfristige Maßnahmen gerichtet werden. Ihre Umsetzung muss jedoch schneller und in größerem Maßstab erfolgen als bisher.
Solche Studien sind Potenzialstudien, die theoretisch mögliche Minderungspfade betrachten. Sie zeigen also, was man machen müsste, um die Ziele zu erreichen. Anders als die Projektionsdaten berücksichtigen sie jedoch die realen politischen, juristischen, ökonomischen und technischen Umsetzungshindernisse nicht. Dadurch beinhalten sie z.B. Wiedervernässung in einer unrealistischen Geschwindigkeit: Das im Auftrag des Umweltbundesamts entwickelte CARESupreme-Szenario geht davon aus, dass bis 2030 40 % der drainierten Moorböden vollständig wiedervernässt werden. Auch für den Wald werden, wie in der Anfang 2026 vorgestellten Studie von Agora Agrar, unrealistische Annahmen zur Waldbewirtschaftung und Holzverwendung getroffen. Gesetzlich vorgeschrieben würde dies einen erheblichen Eingriff in Eigentumsrechte der Waldbesitzer bedeuten und langfristig den möglichen Zuwachs der Waldbäume einschränken – was wiederum die Erreichung der zukünftigen Klimaziele zusätzlich erschwert.
- Entwässerte Moore wiederzuvernässen ist die wirksamste Maßnahme, um Emissionen zu vermeiden. Fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent sollen so bis 2030 jährlich eingespart werden. Das legen die Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz und die Nationale Moorschutzstrategie fest. Die Wiedervernässung von Mooren ist eine komplexe und langwierige Aufgabe, doch das Potenzial zur Bindung von Kohlenstoff liegt deutlich höher als die bisher avisierten fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Die gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen für Wiedervernässung müssen konsequent und schnell verbessert werden.
- Mit dem Ausstieg aus dem Torfabbau und aus der Torfverwendung in Blumenerden und Kultursubstraten werden erhebliche Mengen an CO₂-Emissionen vermieden.
- Die Wälder, die durch Dürre und den damit zusammenhängenden Borkenkäferbefall geschädigt wurden, müssen zügig wieder aufgeforstet werden. Es sollten schnell wachsende, standortangepasste und gegen den Klimawandel resiliente Baumarten verwendet werden. So kann die Senkenleistung der Wälder langfristig verbessert werden.
- Wo möglich, sollte zusätzlicher Wald neu angelegt werden. Auch in neu gepflanzten Hecken und anderen Agrargehölzen kann schnell eine erhebliche Menge Kohlenstoff aus Kohlendioxid eingebunden werden.
- Die Potenziale zur Erhöhung des Holzproduktespeichers sollten ausgenutzt werden, z.B. durch die Umsetzung der Holzbauinitiative.
- Darüber hinaus müssen weitere Optionen zur langfristigen Kohlenstofffestlegung untersucht und entwickelt werden, beispielsweise durch Pflanzenkohle.
- Selbst bei sehr optimistischer Betrachtung werden die Ziele des Klimaschutzgesetzes für den Sektor LULUCF nicht erreicht werden können, ohne bestehende Leistungen für die Gesellschaft drastisch zu verringern. Daher sollte überlegt werden, ob nicht die Ziele der anderen Sektoren nachjustiert werden müssten, um das Gesamtziel zu erreichen.
Weiterführende Links
Treibhausgas-Projektionen 2025 – Ergebnisse kompakt | Umweltbundesamt








