Braunschweig (14. März 2026). Der Landnutzungssektor in Deutschland bleibt deutlich hinter den gesteckten Klimaschutzzielen zurück: Zwar sind die Treibhausgas-Emissionen aus Wäldern, organischen Böden und landwirtschaftlichen Nutzflächen im Jahr 2025 um mehr als 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente auf 26,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente gesunken. Die geforderten Zielemissionen werden allerdings deutlich verfehlt. Im Klimaschutzgesetz war vorgesehen, dass in Wald und Böden im Mittel der Jahre 2027 bis 2030 mindestens 25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr dauerhaft eingebunden werden. Nun zeigen die aktuellen Berechnungen des Thünen-Instituts, dass diese Menge stattdessen freigesetzt wird. Die Landwirtschaft wird die vorgegebenen Minderungsziele aller Voraussicht nach bis 2030 hingegen übererfüllen.
Das Thünen-Institut liefert die Daten für die nationale Treibhausgas-Berichterstattung für den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst (Landuse, Landuse Change and Forestry, LULUCF) sowie für die Landwirtschaft. Die Emissionen aus dem Brenn- und Kraftstoffverbrauch der Landwirtschaft ermittelt das Umweltbundesamt. Die Emissionsinventare decken immer den Zeitraum vom international vereinbarten Basisjahr 1990 bis zwei Jahre vor dem aktuellen Berichtsjahr ab. Das im Jahr 2026 veröffentlichte Inventar erfasst dementsprechend die Emissionen der Jahre von 1990 bis einschließlich 2024. Zusätzlich wird eine vorläufige Schätzung für das Vorjahr, also 2025, erstellt.
Basierend auf den Nettoemissionsdaten wird jährlich eine sogenannte Projektion erarbeitet, die einen modellierten Blick in die Zukunft wirft. Diese Projektion 2026 zeigt nun, dass der LULUCF-Sektor mindestens bis zum Jahr 2030 eine erhebliche Treibhausgas-Quelle bleibt – selbst dann, wenn alle beschlossenen Minderungsmaßnahmen umgesetzt werden und keine unvorhersehbaren Ereignisse die Entwicklung stören. „Die Unsicherheiten nehmen durch den Klimawandel zu. Ihre Auswirkungen auf den Sektor sind weit größer als die kombinierte Wirkung aller bisher eingeleiteten Minderungsmaßnahmen“, sagt Bernhard Osterburg, Leiter der Stabsstelle Klima, Boden, Biodiversität am Thünen-Institut.
Sektor hat Klimaschutzziele noch nie erreicht
Der LULUCF-Sektor Deutschlands ist seit dem Jahr 2000 überwiegend eine mehr oder weniger starke Nettoquelle für Treibhausgase. Besonders ausgeprägt war diese Quellenwirkung im Dürrejahr 2003 und erneut in den Trockenjahren seit 2018. Im Berichtsjahr 2024 haben alle Landnutzungskategorien Treibhausgase freigesetzt. Die meisten Emissionen stammen nach wie vor aus organischen Böden, also vor allem aus trockengelegten Mooren. Die Wiedervernässung von Mooren ist deshalb nach wie vor das Mittel der Wahl, um die Treibhausgas-Emissionen im LULUCF-Sektor erheblich zu senken.
Wälder erholen sich leicht
Nach den für die Wälder katastrophalen Jahren seit 2018 beobachten die Forschenden ab 2023 eine leichte Erholung. Der Schadholzeinschlag, insbesondere von abgestorbenen und geschädigten Fichten, ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Die Zuwachsraten im Holzvorrat bleiben jedoch weiterhin niedriger als vor 2018. Gleiches gilt damit für die Senkenleistung der Wälder: 2025 wurden zwar 19 Millionen Tonnen mehr Kohlendioxid im Wald gebunden als abgegeben. Das Niveau der Jahre vor 2018 wird allerdings nicht erreicht.
Landwirtschaft erfüllt Ziele bis 2030
Die Projektion 2026 für den Landwirtschaftssektor fällt positiver aus. Bis 2030 werden die Treibhausgas-Emissionen laut Projektion auf 58,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sinken, bis 2040 auf 55,6 und bis 2050 auf 54,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Insgesamt wird der Sektor damit die im Klimaschutzgesetz genannten Einsparziele für den Zeitraum 2021 bis 2030 um voraussichtlich 14,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente übererfüllen. Diese Entwicklung basiert sowohl auf tatsächlichen Minderungen als auch auf methodischen Anpassungen. Zu den wirksamen Maßnahmen zählen etwa der effizientere Einsatz von Stickstoff und die Einsparung fossiler Energie. Auch die in den vergangenen Jahren gesunkenen Tierzahlen tragen dazu bei. Nach 2030 erwarten die Forschenden allerdings nur noch einen leichten Rückgang der Emissionen. Damit auch in diesem Zeitraum anspruchsvolle Klimaschutzziele erreicht werden können, wären weitere Minderungsmaßnahmen notwendig.






