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Institut für

OL Ökologischen Landbau

Projekt

Behandelte Saatwickenkörner für Monogastrier


Federführendes Institut OL Institut für Ökologischen Landbau

© Thünen-Institut/Lisa Baldinger

Einsatz von behandelten Saatwickenkörnern (Vicia sativa L.) als eiweißreiches Futtermittel für Monogastrier im ökologischen Landbau

Die eiweißreichen Körner der Saatwicke enthalten neben wertvollen Nährstoffen auch verdauungsstörende Stoffe, sogenannte antinutritive Faktoren. Auf diese reagieren vor allem Geflügel und Schweine empfindlich. In diesem Projekt haben wir untersucht, ob die Behandlungen Keimung oder Silierung diese negativen Effekte verringern und den Futterwert verbessern.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Saatwicke (Vicia sativa L.) hat als Leguminose eine positive Wirkung auf die Bodenfruchtbarkeit und kann daher wertvoller Bestandteil einer Fruchtfolge im ökologischen Landbau sein. Aufgrund ihres hohen Gehaltes an Rohprotein liefern die Körner der Saatwicke gleichzeitig ein eiweißreiches Futtermittel. Anders als Wiederkäuer reagieren Monogastrier wie Geflügel und Schweine aber empfindlich auf die in den Saatwickenkörnern enthaltenen antinutritiven Faktoren (ANF). Gestützt auf frühere Untersuchungen mit verwandten Körnerleguminosen vermuteten wir, dass eine Behandlung der Saatwickenkörner ihren Gehalt an antinutritiven Faktoren reduziert und ihre Akzeptanz sowie die Verdaulichkeit wichtiger Aminosäuren verbessert.

Vorgehensweise

Von 2017-2019 wurde ein Feldversuch auf dem Versuchsbetrieb des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst-Wulmenau durchgeführt. Es wurden fünf verschiedene Saatwickensorten im Gemenge mit Sommerweizen (2017-2019), Sommerroggen (2017) und Sommertriticale (2018-2019) angebaut. Der Fokus lag dabei auf dem optimalen Saatstärkenverhältnis, den Korn- und Rohproteinerträgen und der Unkrautunterdrückung.

Proben aus den Anbauversuchen wurden für Keimungsversuche und zur Herstellung von Modellsilagen genutzt, um Rückschlüsse auf das Potential der Behandlungsmethoden zu ziehen. Die Analyse umfasste sowohl die Nährstoffe (Rohnährstoffe, Aminosäuren) als auch die ANF Vicin und Convicin, die Gesamttannine sowie β-Cyanoalanin und γ-Glutamyl-β-Cyanoanalin. Die Analytik der letztgenannten Cyanoalanintoxine wurde im Rahmen des Projekts in Trenthorst etabliert.

Mit der aufgrund stabiler Erträge ausgewählten Sorte Slovena wurden ebenfalls am Versuchsbetrieb des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst-Wulmenau Fütterungsversuche mit Masthühnern (Isa Hubbard JA 757, Lebenswoche 5-10), Legehennen (LB+, Lebenswoche 22-36) und Vormastschweinen ((DL x DE) x Pi, Gewicht 28-50 kg) durchgeführt. In allen Versuchen wurden rohe, gekeimte oder silierte Saatwickenkörner separat vorgelegt und mit einer wickenfreien Kontrolle verglichen. Bei der Rationsberechnung wurde mit einem Anteil von 15 % Wicken kalkuliert. In einem zweiten Fütterungsversuch mit Masthühnern wurden rohe Saatwickenkörner in Anteilen von 7,5, 10,0 und 12,5 % in die pelletierte Ration eingemischt.

Die Verdaulichkeiten der rohen, gekeimten und silierten Saatwickenkörner wurden von den Projektpartnern Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierernährung (Mastschweine) und Universität Hohenheim, Institut für Nutztierwissenschaften (Masthühner) erhoben.

Ergebnisse

Die Korn- und Rohproteinerträge der Gemenge aus Wicken und Sommergetreide wurden stark durch die Witterung im Vegetationsverlauf und maßgeblich vom Wickenanteil im Erntegut beeinflusst. In den niederschlagsreicheren Jahren erreichte dabei die langwüchsige Wickensorte Slovena mit einem Wickenanteil in der Aussaatmischung von 30-35 % und 65-70 % Weizen den höchsten Kornertrag. Die Unkrautbiomasse nahm mit steigendem Wicken- bzw. abnehmendem Getreideanteil in der Aussaatmischung zu. Gleichzeitig wurde durch die Unkräuter deutlich mehr Stickstoff entzogen. Gemenge mit langwüchsigen Wickensorten unterdrückten das Unkraut besser als Kurzwüchsige. Sommerweizen und ‑triticale zeigten eine ähnlich gute Stützleistung, während sich Sommerroggen durch eine hohe Lagerneigung und eine zu frühe Abreife nicht bewährte.

Die Saatwickenkörner wiesen einen hohen Rohproteingehaltvon 32-34 % auf. Die Summe der für Hühner erstlimitierenden Aminosäuren Methionin und Cystein variierte in Abhängigkeit der Sorte von 5,2-5,8 g kg-1. Für den antinutritiven Faktor Vicin wurden nur geringe Sortenunterschiede analysiert, die Convicingehalte dagegen waren in hellsamigen Sorten deutlich geringer als in Dunkelsamigen. Die Cyanoalanintoxingehalte zeigten keine Abhängigkeit von der Samenfarbe. Die Tanningehalte hingegen waren in hellsamigen Wicken deutlich geringer als in Dunkelsamigen. Die Keimung führte zu einer leichten Erhöhung des Rohproteingehalts und einem deutlichen Stärkeabbau; durch die Silierung kam es zu keinen Änderungen. Beide Behandlungen führten zu einem Vicin-Abbau, aber nur die Silierung verringerte die Gehalte an Convicin und γ-Glutamyl-ß-Cyanoalanin.

Masthühner, Legehennen und Vormastschweine zeigten durchweg eine Präferenz für behandelte Saatwickenkörner. Von den Legehennen wurde dabei am meisten Keimgut verzehrt, und von den Vormastschweinen am meisten Silage. Die höchste freiwillige Aufnahme von Saatwickenkörnern wurde mit 13,2 % Keimgut bei den Masthühnern erzielt, während die Aufnahme an rohen Wicken mit 4,6-8,0 % über alle Versuche gering blieb. Der einzige signifikante Unterschied in den tierischen Leistungen betraf das Mastendgewicht der Masthühner im ersten Versuch, welches bei Wickenfütterung höher war als ohne. Im zweiten Fütterungsversuch mit Masthühnern konnten bis zu 12,5 % rohe Saatwickenkörner ohne negative Effekte in pelletiertes Futter eingemischt werden.

Die praecaecale Verdaulichkeit des Rohproteins in Saatwickenkörnern der Sorte Slovena beim Masthuhn lag bereits in rohem Zustand auf einem hohen Niveau und wurde durch die Keimung nochmals leicht erhöht. Die Silierung hingegen führte zu einer deutlichen Reduktion der Verdaulichkeit. Im Verdaulichkeitsversuch mit Vormastschweinen zeigte die Silage zwar die besten Werte für die Gesamtverdaulichkeit der Nährstoffe, die praecaecalen Verdaulichkeiten des Rohproteins und der Aminosäuren hingegen waren bei den behandelten Saatwickenkörnern deutlich niedriger als bei der Rohen. Der errechnete Energiegehalt der Saatwickenkörner lag mit 14,6-15,0 MJ kg-1 in der Größenordnung von Erbsen und Ackerbohnen. Die Gesamtverdaulichkeit der Rohnährstoffe lag dabei etwas unter denen von Erbsen und Ackerbohnen.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse kann der Einsatz von Saatwickenkörnern in der Fütterung ökologisch gehaltener monogastrischer Nutztiere bei moderaten Rationsanteilen empfohlen werden. Die Keimung oder Silierung vor der Verfütterung ergab zwar interessante Veränderungen in Verdaulichkeit und Gehalten antinutritiver Faktoren, die geringe freiwillige Aufnahme rechtfertigen den Aufwand nach aktuellem Erkenntnisstand aber nicht.

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

3.2017 - 12.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2815OE038
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

  1. 0

    Baldinger L, Aulrich K, Böhm H, Bussemas R, Höhne A, Rinke N (2022) Behandelte Saatwickenkörner als eiweißreiches Futter für Hühner und Schweine im Ökolandbau. Trenthorst: Thünen-Institut für ökologischen Landbau, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2022/21, DOI:10.3220/PB1653378705000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064892.pdf

  2. 1

    Baldinger L, Aulrich K, Böhm H, Bussemas R, Höhne A, Rinke N (2022) Treated common vetch seeds as high-protein feed for chickens and pigs in organic agriculture. Trenthorst: Thünen Institute of Organic Farming, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2022/21a, DOI:10.3220/PB1653379019000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064893.pdf

  3. 2

    Höhne A (2021) Schweine mögen es zubereitet. Landfreund(2):52-53

  4. 3

    Höhne A (2020) Schweine mögen´s zubereitet : Gekeimte und silierte Wicken zur Vormast. Bio Land(11):14-15

  5. 4

    Kemper R, Rinke N, Gerhards R, Böhm H (2020) Weed suppression and crop yield performance in sole and intercrops of common vetch and spring wheat depending on seed density ratio in organic farming. J Kulturpfl 72(1):12-24, DOI:10.5073/JfK.2020.01.02

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061848.pdf

  6. 5

    Höhne A, Bussemas R, Baldinger L (2019) Einsatz von Saatwickenkörnern (Vicia sativa L.) in der Monogastrierfütterung: Masthühner. In: Mühlrath D, Albrecht J, Finckh M, Hamm U, Heß J, Knierim U, Möller D (eds) Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft : Beiträge zur 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ; Kassel, 5. bis 8. März 2019. Berlin: Köster

  7. 6

    Höhne A, Bussemas R, Baldinger L (2019) Einsatz von Saatwickenkörnern (Vicia sativa L.) in der Monogastrierfütterung: Vormastschweine. In: Mühlrath D, Albrecht J, Finckh M, Hamm U, Heß J, Knierim U, Möller D (eds) Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft : Beiträge zur 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ; Kassel, 5. bis 8. März 2019. Berlin: Köster

  8. 7

    Rinke N, Böhm H (2019) Höhere Erträge durch den Gemengeanbau von Wicken mit Sommerweizen und Sommerroggen. In: Mühlrath D, Albrecht J, Finckh M, Hamm U, Heß J, Knierim U, Möller D (eds) Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft : Beiträge zur 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ; Kassel, 5. bis 8. März 2019. Berlin: Köster, pp 50-51

  9. 8

    Höhne A, Baldinger L (2018) Saatwickenkörner in der Masthuhnfütterung : ist die Zubereitung entscheidend? Bio Nachr(10):36-37

  10. 9

    Böhm H (2017) Saatwicke: Unterschätzte Körnerleguminose : Wickengemenge erzielen gute bis sehr gute Rohproteinerträge und unterdrücken Beikraut erfolgreich. Bio Land(2):8-10

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