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Institut für

FI Fischereiökologie

Projekt

Fische als Schadstoff-Kontrolleure: Wie belastet ist das Meer?


Federführendes Institut FI Institut für Fischereiökologie

© Thünen-Institut/Beate Büttner

Überwachung der Kontamination mariner Fische mit Umweltschadstoffen

Wie hoch sind die aktuellen Konzentrationen von Umweltschadstoffen im Meeresfisch?  Sinken oder steigen die Konzentrationen mit den Jahren? Was sind die Konsequenzen für die Umwelt und für den Verbraucher? Diesen und anderen Fragen widmet sich das Thünen-Institut mit seinem regelmäßgen Umwelt-Monitoring.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) fordert die Erreichung des "guten Umweltzustands" in den Meeren Europas. Dazu gehören unter MSRL Deskriptor 8 Schadstoffe, deren Gehalte in Fischen regelmäßig überwacht werden sollen.
Das Thünen-Institut für Fischereiökologie nimmt mit eigenen Forschungsschiffen jährlich Proben in Nord- und Ostsee und untersucht eine Reihe von Schadstoffen in Kliesche, Dorsch und Hering. Diese Untersuchungen laufen teilweise bereits seit 25 Jahren, so dass wir aus Zeitreihen eine Entwicklung der Belastung der verschiedenen Schadstoffe in den Meeresregionen ableiten können. Ziel ist eine regionale und zeitliche Beschreibung sowie eine Bewertung der Belastung u.a. in Bezug auf den nach MSRL geforderten "guten Umweltzustand".

Vorgehensweise

Die Forschungsreisen finden jedes Jahr etwa zur gleichen Zeit im Spätsommer statt, wenn die Unterschiede in der Biologie und den Umweltbedingungen zwischen den Jahren am geringsten sind. Die Fische werden im Labor auf ausgewählte organische Schadstoffe und Schwermetalle untersucht. Wir untersuchen ebenfalls biologische Faktoren wie das Alter, die Kondition und den Gesundheitszustand der Fische.

Daten und Methoden

Die verwendeten Methoden sind für jeden untersuchten Schadtsoff anders. Sie orientieren sich am Stand der Technik und sind typisch für ein modernes rückstandsanalytisches Labor. Wir verwenden unter anderem Flüssigchromatographie mit Fluoreszenz-Detektion und Atom-Absorbtions-Spektroskopie. Analytische Qualitätssicherung ist uns dabei immer ein Anliegen. Wir verwenden regelmäßig zertifizierte Referenzmaterialien und nehmen an Labor-Vergleichsuntersuchungen teil.
Die Ergebnisse fließen über nationale und internationale Datenbanken wie die MUDAB in aktuelle Umweltbewertungen ein.

Unsere Forschungsfragen

  • In welchem Ausmaß sind Meeresfische aus Nord- und Ostsee mit bestimmten Schadstoffen kontaminiert?
  • Gibt es regionale Unterschiede in Kontaminationshöhe und Verteilung der Substanzen?
  • Bestehen zeitliche Trends bezüglich der Kontaminationshöhe?
  • Welche biologischen Faktoren spielen eine Rolle bei der Interpretation der Daten?
  • Können Quellen identifiziert werden?
  • Wie ist der Umweltzustand zu bewerten?
  • Ergeben sich aus der Kontamination Gefahren für Fische oder für den Menschen als Konsumenten?

 

Vorläufige Ergebnisse

Im Folgenden werden beispielhaft Ergebnisse für das Schwermetall Quecksilber (Hg) im Muskel vorgestellt:

In welchem Ausmaß sind Meeresorganismen aus Nord- und Ostsee mit bestimmten Schadstoffen kontaminiert? Hier Hg im Zeitraum 2010-2020.

  • Klieschen aus der deutschen AWZ (Stationen N01, GB1, GB3, GB4) sind im Mittel mit 128 µg Hg/kg Frischgewicht belastet.
  • Klieschen aus der westlichen Ostsee (Station B01) sind im Mittel mit 43 µg Hg/kg Frischgewicht belastet.
  • Heringe aus der Ostsee (Stationen B10 und B11) sind im Mittel mit 20 µg Hg/kg Frischgewicht belastet.
  • Dorsche aus der Ostsee (Stationen B10 und B11) zeigen einen mittleren Hg-Gehalt von 32 µg/kg Frischgewicht.

Gibt es regionale Unterschiede in Kontaminationshöhe und Verteilung der Substanzen?
Ja, Fische aus den Küstenregionen der Nordsee sind höher mit Hg belastet als Fische aus der zentralen Nordsee.

Bestehen zeitliche Trends bezüglich der Kontaminationshöhe?
Das ist regional unterschiedlich: Während in manchen küstenfernen Gebieten der Nordsee kein Trend oder fallenden Konzentrationen zu erkennen sind, nehmen die Hg Gehalte in Klieschen aus der Deutschen Bucht in den letzten 25 Jahren signifikant zu.

Welche biologischen Faktoren spielen eine Rolle bei der Interpretation der Daten?
Die Fischart und das Alter der Tiere spielen eine Rolle. Hg reichert sich im Fisch mit dem Alter an, so dass ältere Fische derselben Art höher kontaminiert sind, als jüngere (Bioakkumulation).

Können Quellen identifiziert werden?
In einer Untersuchung (Kammann et al., 2021) konnte festgestellt werden, dass versenkte Munition mit Hg-haltigen Zündern in der Ostsee keine Quelle für Hg in Fischen darstellt, die dort leben.

Wie ist der Umweltzustand zu bewerten?
Der Gute Umweltzustand in der Nordsee für Hg in Biota ist noch nicht erreicht.

Ergeben sich aus der Kontamination Gefahren für Fische oder für den Menschen als Konsumenten?
Eine Gefährdung für den Verbraucher liegt nicht vor, da Hg-Grenzwerte für Fisch als Lebensmittel (500µg/kg Frischgewicht) in der Regel nicht überschritten werden. Das gilt für alle untersuchten Fischarten und Regionen.

Weitere Ergebnisse zu verschiedenen Schadstoffen finden Sie hier.

Links und Downloads

 

www.ospar.com

www.helcom.fi

www.ices.dk

Monitoring-Stationen

Publikationen

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