Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Anna Frerck
Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie

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ReWaLe

Projekt

 (c) Thünen-Institut/Peter Elsasser/Nils Ermisch

Quantifizierung und Regionalisierung der Werte von Waldökosystemleistungen in Deutschland

Die „Waldstrategie 2020“ (BMELV 2011) stellt fest, dass steigende Ansprüche an den Wald aus nahezu allen Bereichen (Nutzung, Schutz und Erholung) zukünftig Zielkonflikte in regional unterschiedlicher Ausprägung erwarten lassen. Um die verschiedenen Ansprüche in einer Gesamtabwägung bewerten, Rahmenbedingungen für eine bessere Ausschöpfung des Holzproduktionspotentials in Deutschland setzen und gleichzeitig den Nutzen von Schutz- und Erholungsleistungen sichern und ggf. erhöhen zu können, nennt die „Waldstrategie 2020“ u.a. als Lösungsansatz, die ökonomischen Bewertungsansätze der „TEEB-Studie“ auf die Ökosystemleistungen (ÖSL) des heimischen Waldes und der Biologischen Vielfalt anzuwenden, deren Werte zu quantifizieren sowie schließlich in Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Hintergrund und Zielsetzung

 Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des Projektes, den ökonomischen Wert von ÖSL des Waldes in Deutschland sowie seine räumliche Variabilität zu quantifizieren, d.h. den monetären Nutzen der Bereitstellung von Rohholz, Schutz- und Erholungsleistungen des Waldes zu bestimmen, deren regional unterschiedliche Wechselwirkungen zu analysieren und zu einem konsistenten Gesamtmodell zusammenzuführen.

Vorgehensweise

Mit dem im Rahmen von ReWaLe entwickelten Modell werden räumliche Optimierungspotentiale identifiziert, welche im Rahmen einer integrativen, nachhaltigen und multifunktionalen Forstwirtschaft eine effizientere Nutzung der Wälder sowohl hinsichtlich ihrer Rohholzproduktion als auch ihrer Schutz- und Erholungsleistungen ermöglichen. Zur Umsetzung solcher Optimierungspotentiale werden geeignete Politikinstrumente für die Forstpolitik auf Bundesebene aufgezeigt; der Fokus liegt dabei auf der Prüfung von „Payments for Ecosystem Services“ (PES) im Rahmen privatwirtschaftlicher Initiativen wie auch im Rahmen der öffentlichen Förderung.

Daten und Methoden

ReWaLe benötigt eine Vielzahl ökonomischer und ökologischer Daten für die monetäre Bewertung von Waldleistungen sowie für die Modellierung und die Szenarienanalysen. Teile dieser Daten müssen durch Bevölkerungsbefragungen eigens für das Projekt erhoben werden. Überwiegend aber kann ReWaLe auf bereits vorhandene Forschungsergebnisse des Instituts sowie auf externe Ergebnisse von Marktstudien, Waldinventuren, Waldzustandserhebungen und ökologischen Monitoringprogrammen zurückgreifen. Ein im Rahmen des Projektes entwickeltes Geografisches Informationssystem (GIS) dient der Zusammenführung und Analyse der Daten. Es unterstützt die Bewertungsstudien und die Interpretation ihrer Ergebnisse. Eine zweite Datenbank enthält in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlichte Ergebnisse relevanter Bewertungsstudien. Sie ist im Internet zugänglich.

Die aus den Daten abgeleiteten Zusammenhänge zwischen den sozioökonomischen und den ökologischen Rahmenbedingungen einerseits und den monetären Werten der betrachteten Waldleistungen andererseits werden mit Hilfe mathematischer Gleichungen beschrieben. Diese Gleichungen bilden den Kern des im Aufbau befindlichen Models. In Szenarienanalysen werden für jeden Landkreis in Deutschland die dort gegebenen Eingangsvariablen der Gleichungen entsprechend denkbarer politischer Entscheidungen verändert und die resultierenden ökonomischen Werte der verschiedenen Waldleistungen kartiert.

Vorläufige Ergebnisse

Erste Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Waldflächenprozent eines Landkreises und der individuellen Zahlungsbereitschaft seiner Bewohner für eine Erhöhung dieses Waldanteils um einen Prozentpunkt. Ein augenfälliges Beispiel sind die Landkreise entlang der Nord- und Ostseeküste. Sie zählen zu den waldärmsten Regionen Deutschlands, und die dort befragten Bewohner wären bereit, pro Jahr mehr als 10 Euro für einen zusätzlichen Prozentpunkt am Waldanteil zu zahlen. Eine vergleichbar hohe Zahlungsbereitschaft besteht – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur noch in den waldarmen Regionen zwischen Magdeburg und Chemnitz. Entsprechend ist die aggregierte – also auf die Bevölkerungszahl jedes Kreises hochgerechnete – Zahlungsbereitschaft in den waldarmen Ballungsgebieten am höchsten. So erreichen z.B. einige Kreise im Rhein-Ruhrgebiet aggregierte Zahlungsbereitschaft von über zwei Millionen Euro pro Jahr für einen weiteren Prozentpunkt am Waldanteil. Umgekehrt liegen die entsprechenden Beträge in waldreichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte am niedrigsten. Dies gilt z.B. für die meisten Kreise der Eifel, des Hunsrücks, des Taunus, des Westerwaldes und des Rothaargebirges mit Werten zwischen null und 500.000 Euro.

Zugleich beherbergen die waldarmen Ballungsgebiete diejenigen Kreise, in denen die höchsten aggregierten Zahlungsbereitschaften für Waldbesuche bestehen. In vielen Kreisen des Rhein-Ruhrgebietes ergeben sich aggregierte Zahlungsbereitschaften von über 110 Millionen Euro für ein einjähriges Waldbetretungssrecht. Umgekehrt liegen die entsprechenden Beträge z.B. im Thüringer Wald unter zweieinhalb Millionen Euro.

Die individuelle Zahlungsbereitschaft für eine leichte Erhöhung der Artenvielfalt im Wald liegt bundesweit bei geringer regionaler Variation zwischen 42 und 54 Euro und damit um ein Mehrfaches über derjenigen für eine Erhöhung des Waldflächenanteils.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

1.2016 - 12.2018

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 22022614
Förderprogramm: FNR
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 2

  1. Elsasser P (2017) Monetäre Bewertung von Ökosystemleistungen: eine kritische Sicht auf einige Kritiken (Essay). Schweiz Z Forstwesen 168(1):14-20, DOI:10.3188/szf.2017.0014
  2. Elsasser P, Meyerhoff J, Weller P (2016) An updated bibliography and database on forest ecosystem service valuation studies in Austria, Germany and Switzerland. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 20 p, Thünen Working Paper 65, DOI:10.3220/WP1479222082000
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