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Naturschutz auf ökologischen Vorrangflächen

Projekt

Eingesäte Blühfläche (c) Thünen-Institut/Sarah Baum
Flächennutzung im Umweltinteresse durch ökologische Vorrangsflächen: z. B. eingesäte Blühflächen. (© Thünen-Institut/Sarah Baum)

Naturschutzfachliche Ausgestaltung von ökologischen Vorrangflächen – Praxishandbuch und wissenschaftliche Begleitung

Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik müssen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerland 5% ihrer Flächen im Umweltinteresse nutzen, diese also als ökologische Vorrangflächen ausweisen. Wie wurden diese Flächen vorher genutzt? Wie wirksam sind sie für den Naturschutz?

Hintergrund und Zielsetzung

Die Biodiversität in Agrarlandschaften unterliegt einem deutlichen Rückgang. Im Zentrum der jüngsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU steht die Ökologisierung oder „Begrünung“ der 1. Säule (Direktzahlungen an Landwirte). Landwirte müssen seit 2015 ökologische Vorrangflächen (ÖVF) bereitstellen. Landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 15 Hektar Ackerfläche haben, müssen diese im Umfang von 5% ihrer Ackerfläche ausweisen. Für die nationale Umsetzung konnte Deutschland aus einer umfangreichen Liste unterschiedlicher Flächentypen auswählen. Ein Teil lässt eine landwirtschaftliche Nutzung zu (z.B. Kurzumtriebsplantagen, Zwischenfrüchte), ein anderer Teil dagegen nicht (z.B. Brachflächen, Landschaftselemente).

Aktuell wird die ökologische Wirksamkeit der neuen ÖVF-Regelungen kontrovers diskutiert. Umstritten ist auch, ob der hohe Aufwand für die Verwaltung und Kontrolle dieser Maßnahme verhältnismäßig ist. Die Europäische Kommission wird Ende 2017 ihre Leitlideen zur Weiterentwicklung der GAP darlegen. Ein Schwerpunkt wird dabei sein, wie die GAP mehr zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie dem Wasser-, Klima- und Bodenschutz beitragen kann.

Im Rahmen unseres Projektes wollen wir bewerten, wie wirksam ökologische Vorrangflächen für den Naturschutz in der deutschen Agrarlandschaft sind und daraus praxisnahe Empfehlungen ableiten. Die Ergebnisse geben Anregungen wie die Wirksamkeit der ÖVF gesteigert werden kann.

Foto: Kurzumtriebsplantage (Weide)
Kurzumtriebsplantagen können als ökologische Vorrangflächen angerechnet werden. (© Thünen-Institut/Sarah Baum)
Foto: Blühstreifen entlang eines Getreidefeldes
Ein Beispiel für ökologische Vorrangflächen sind Blühstreifen. (© Thünen-Institut/Sarah Baum)

Zielgruppe

Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt, Landwirte, Beratung, amtlicher Naturschutz, Agrarverwaltung, EU-Kommission

Vorgehensweise

In einem ersten Arbeitsschritt sammeln wir bereits bestehendes Wissen zur ökologischen Qualität von ÖVF und zur Umsetzung in anderen europäischen Ländern und werten es aus; ebenso analysieren wir rechtliche und förderpolitische Hintergründe.

Weiter sind schlagspezifische Felduntersuchungen sowie Befragungen von Landwirten in vier unterschiedlichen Ackerbauregionen Deutschlands vorgesehen, um die ökologische Bedeutung von ÖFV unter verschiedenen Standortbedingungen bewerten zu können. Hieraus wollen wir ein Monitoringsystem für „Greening“-Effekte entwickeln.

Über die Verwaltungsdaten der Bundesländer lässt sich ermitteln, welche ÖVF-Typen ausgewiesen werden und von welchen naturräumlichen und betrieblichen Gegebenheiten diese Auswahl abhängt. Weiterhin wollen wir klären, inwieweit bereits bestehende Landschaftselemente eingebunden oder neue geschaffen werden.

Daten und Methoden

Die Auswertung von Literatur, Studien und Projekten in Verbindung mit schlagspezifischen Felduntersuchungen der Flora und Fauna, die Befragungen von Landwirten in unterschiedlichen Regionen sowie die Analyse statistischer Daten zur ÖVF-Auswahl und -Ausweisung verschaffen uns ein umfassendes Bild darüber, wie ökologische Vorrangflächen umgesetzt werden und wie wirksam sie für den Naturschutz sind. Auf Basis dieser Erkenntnisse können wir Empfehlungen für Praxis und Politik ableiten, die auf eine möglichst günstige Relation von Umweltnutzen und Kosten abzielen.

Unsere Forschungsfragen

Wie setzen die Landwirte die neuen ÖVF-Regelungen um, und wovon hängt ihre Entscheidung ab?

Welche Rolle spielen Beratung und die Wechselwirkungen mit weiteren Instrumenten (Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen, rechtliche Vorgaben)?

Welchen naturschutzfachlichen Mehrwert haben die unter jetzigen Bedingungen etablierten ÖVF?

Welche Monitoring-Ansätze eignen sich zur Bewertung der naturschutzfachlichen

Qualität von ÖVF?

Welche Erfahrungen gibt es bezüglich Verwaltungsaufwand und Rechtssicherheit?

Wie könnte man den Nutzen der ÖVF für den Naturschutz erhöhen?

Wie können für Landwirte betriebswirtschaftlich günstige Optionen aussehen, die gleichzeitig naturschutzfachlichen Mehrwert bringen?

Ergebnisse

Das Projekt soll zeigen, inwiefern neben politischen Vorgaben betriebs- und regionalspezifische Faktoren die Auswahl und Umsetzung von ÖVF und so deren ökologische Wirksamkeit beeinflussen.

Links und Downloads

Dachprojekt Greening: Ökologische Begleitforschung zum Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik

Praxishandbuch zur naturschutzfachlichen Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen

www.thuenen.de/de/lr/projekte/naturschutzfachliche-entwicklung-von-oekologischen-vorrangflaechen-2017-2019/

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

4.2015 - 12.2016

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: FKZ 3514824100
Förderprogramm: BMUB - Umweltforschungsplan
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Milz E, Baum S, Lepp T, Kronenbitter J, Ackermann A, Schramek J (2018) Ökologische Vorrangflächen: Gut gedacht - schlecht gemacht? Natur Landsch 93(6):258-265, DOI:10.17433/6.2018.50153583.258-265
  2. Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Milz E, Baum S, Lepp T, Kronenbitter J, Ackermann A, Schramek J (2017) Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen. Bonn: BfN, 192 p, BfN Skripten 472, DOI:10.19217/skr472
  3. Lakner S, Röder N, Baum S, Ackermann A (2017) The German implementation of Greening - effectiveness, participation & policy integration with the agri-environmental programs : contributed poster to the XV EAAE Congress ; Towards Sustainable Agri-Food Systems: Balancing between Markets and Society ; Munich, Sept., 13th-15th, 2017. München, 12 p
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  4. Lakner S, Röder N, Baum S, Ackermann A (2017) What we can learn from the German implementation of greening - effectiveness, participation and policy integration with the agri-environmental programs ; Vortrag anlässlich der 57. Jahrestagung der GEWISOLA (Gesellschaft für Wirtschafts- uns Sozialwissenschaften des Landbaues e.V.) und der 27. Jahrestagung der ÖGA (Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie) "Agrar- und Ernährungswirtschaft zwischen Ressourceneffizienz und gesellschaftlichen Erwartungen", Weihenstephan, 13. bis 15. September 2017 Weihenstephan, 13. bis 15. September 2017 . GEWISOLA, 13 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 770 KB
  5. Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Baum S, Schmarek J (2016) Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen : Praxishandbuch. Frankfurt am Main: IflS, 17 p