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Modellprojekt: Einkommenssicherung durch Dorftourismus

Projekt

Hinweis auf Museum für Landwirtschaft in Glaisin (c) Thünen-Institut/Stefan Neumeier
Hinweis auf Museum für Landwirtschaft in Glaisin (© Thünen-Institut/Stefan Neumeier)

Nachhaltigkeit von Modellprojekten zur ländlichen Entwicklung am Beispiel des Vorhabens Einkommenssicherung durch Dorftourismus

Kann Dorftourismus helfen, ländliche Räume zu entwickeln? Diese Frage stellt sich ein Modellprojekt, das 1993 bis 1995 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in den fünf neuen Bundesländern initiiert wurde. Anhand des Dorftourismus sollten beispielhaft nachhaltige Konzepte zur ländlichen Entwicklung erprobt werden. Rund zehn Jahre nach Abschluss des Modellvorhabens wurde seine Nachhaltigkeit evaluiert.

Hintergrund und Zielsetzung

Ziele des Projekts:

  • Die Nachhaltigkeit des Modells „Einkommenssicherung durch Dorftourismus“ in den beteiligten Regionen „Glaisin“ in Mecklenburg-Vorpommern, „Schlieben“ in Brandenburg, „Lawalde“ in Sachsen, „Kläden“ in Sachsen-Anhalt und „Brunnhartshausen“ in Thüringen überprüfen
  • Die Ergebnisse mit den Erfahrungen aus anderen akteursorientierten Programmen – insbesondere „Regionen Aktiv“ und LEADER – vergleichen und verknüpfen,
  • Auf der Grundlage der Ergebnisse Schlussfolgerungen ziehen, wie zukünftig entsprechende Maßnahmen konzipiert und durchgeführt werden sollten.

Vorgehensweise

Ziele des Modellprojektes "Einkommenssicherung durch Dorftourismus" waren insbesondere, den Tourismus zu stärken, "Bottom-up-Prozesse" zu initiieren und Hinweise zu geben, wie Fördermittel beantragt und genutzt werden können. Entsprechend  wurde mit folgenden Arbeitsschritten untersucht,  wie nachhaltig das Modellvorhaben zur Entwicklung in diesen drei Bereichen beitrug:
1. Eine Einschätzung des Erfolgs des Modellvorhabens gemessen an dessen inhaltlichen und methodischen Zielen.
2. Überlegungen zur Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf andere Vorhaben  innerhalb der Modellregionen sowie auf andere Regionen.

Daten und Methoden

Wir haben Daten in zwei Phasen erhoben: In der ersten Phase der Felderschließung baten wir in allen fünf Modellregionen Schlüsselpersonen aus der Ortsverwaltung mittels leitfadengestützter Interviews, ihre Sichtweise der Ortsentwicklung zu schildern. Dabei sollten sie Tourismusentwicklung, Bürgerbeteiligung sowie Akquise von Fördergeldern besonders berücksichtigen. Parallel werteten wir für die Fragestellung relevante Statistiken und Dokumente aus und führten in allen Modellregionen standardisierte Interviews mit einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe. Um Ergebnisse zu integrieren und Hypothesen zu bilden, veranstalteten wir innerhalb der Phase I abschließend einen Workshop mit ausgewählten Akteuren aller Modellregionen.
Für die zweite Phase wählten wir auf Grundlage der in der Phase I gewonnenen Erkenntnisse mittels theoretischem Sampling die Gemeinde Glaisin und die Verwaltungsgemeinschaft Kläden für eine weitere, in die Tiefe gehende Betrachtung aus. In dieser Vertiefungsphase untersuchten wir mithilfe narrativer Interviews in den ausgewählten Regionen das Wider- und Zusammenspiel der Akteure in Staat, Gesellschaft, Unternehmen und Wissenschaft. Dabei wurden auch organisatorische, technische, soziale und kulturelle Einflussgrößen erhgoben, welche die konkrete Entwicklung vor Ort beeinflusst haben.

Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projekts zur Nachhaltigkeit des Modellprojekts „Einkommenssicherung durch Dorftourismus“ sind ambivalent: Einerseits hat das Modellprojekt in den Regionen nachhaltige Entwicklungsimpulse ausgelöst, insbesondere  in der Dorfentwicklung. Es hat die raumbezogene Identität gestärkt und die Zusammenarbeit der Akteure forciert und wirkt insofern immer noch positiv nach. In vier von fünf Regionen wurde eine attraktive Naherholungsinfrastruktur geschaffen, mit der sich die Bevölkerung auch identifiziert.
Andererseits  sind ziwschen den Regionen deutliche Unterschiede in der Wirkung des Modellvorhabens erkennbar. Eine positive Entwicklung ist insbesondere in den Regionen zu beobachten, in denen Schlüsselakteure in Eigeninitiative die Entwicklung vorangetrieben und die Bevölkerung zur Mitarbeit motiviert haben (Glaisin, Kläden, Schlieben). In den als erfolgreich identifizierten Modellregionen ist es zudem gelungen, die raumbezogene Identität zu steigern. Allerdings ist es in keiner Region gelungen, wie im Modellvorhaben ursprünglich beabsichtigt, über den Dorftourismus Einkommen in signifikantem Ausmaß zu sichern.

Thünen-Ansprechpartner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

8.2006 - 6.2009

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 4

  1. Neumeier S, Pollermann K (2014) Rural tourism as promoter of rural development - prospects and limitations: case study findings from a pilot projectpromoting village tourism. Eur Countryside 6(4):270-296, DOI:10.2478/euco-2014-0015
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1129 KB
  2. Neumeier S, Pollermann K (2011) 15 Jahre später : Wirkungen eines Modellprojekts zur partizipativen Regionalentwicklung. DISP Planning Rev 47(1):29-42
  3. Neumeier S, Pollermann K (2011) Ländlicher Tourismus als Chance? : Möglichkeiten und Grenzen der Förderung von ländlichem Tourismus am Beispiel eines Modellvorhabens. Landbauforsch 61(3):161-174
    PDF Dokument 358 KB
  4. Neumeier S, Pollermann K, Jäger R (2011) Überprüfung der Nachhaltigkeit des Modellprojektes Einkommenssicherung durch Dorftourismus. Braunschweig: vTI, XIV,311 p, Landbauforsch SH 351
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 15404 KB