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Annette Pontillo
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Einschätzung der Eutergesundheit bei Milchziegen

Projekt

 (c) Thünen-Institut/OL

Eutergesundheitsmonitoring als präventive Maßnahme zur Verbesserung der Eutergesundheit bei Milchziegen

Milchziegen leiden – ähnlich wie Milchkühe – nicht selten unter entzündetem Euter; die Krankheit verläuft meist subklinisch. Anders als bei Kühen gibt es aber bisher keine geprüften Kriterien dafür, ob und wann das Euter einer Milchziege gesund ist.

Hintergrund und Zielsetzung

Euterinfektionen werden bei Milchziegen am häufigsten durch koagulase-negative Staphylokokken hervorgerufen. Die Folge können Ertragsverluste sein, aber auch Veränderungen der Produktqualität und der Verarbeitungseigenschaften der Rohmilch.

Im Gegensatz zu Milchkühen ist es bei Ziegen allerdings problematisch, die Eutergesundheit einzuschätzen. Die Standarddiagnostik, die auf Zellzahl und bakteriologischem Befund beruht, kann für Ziegen nicht kritiklos übernommen werden. Während man bei gesunden Eutervierteln von Kühen von einer Zellzahl bis maximal 100.000 pro ml ausgeht, schwanken die Angaben zur Ziegenmilch von 200.000 Zellen/ml bis zu einer Million Zellen/ml, ohne dass eine Euterinfektion vorliegt. Dies liegt an der physiologisch bedingt großen Variabilität der Zellzahl. So haben infektionsunabhängige Faktoren wie das Laktationsstadium (Aulrich & Barth, 2008), die Laktationsnummer oder die Brunst (Barth & Aulrich, 2007) großen Einfluss auf die Zellzahl. Ungeachtet dieser Besonderheiten bei der Ziege gelten in einigen Ländern (z. B. USA, Frankreich) bereits Grenzwerte für die Zellgehalte von Liefermilch, die zwischen 750.000 bis 1 Mio Zellen je ml Milch liegen.

Aufgrund dieser Tatsachen ist es erforderlich, Indikatoren zur Einschätzung der Eutergesundheit bei Milchziegen zu identifizieren, die einfach anzuwenden sind und damit der Aufrechterhaltung der Tiergesundheit, dem vorbeugenden Verbraucherschutz und der Sicherung der Einkommen ziegenhaltender Betriebe dienen.

In unserem Projekt wollten wir physiologische Indikatoren prüfen, die durch Euterinfektionen beeinflusst werden: Eignen sie sich zur Früherkennung? Dazu zählen Laktoferrin, Laktatdehydrogenase, ß-Glucuronidase, N-acetyl-ß-D-glucosaminidase, aber auch die Milchinhaltsstoffe Fett, Protein und Laktose.

Vorgehensweise

Wir haben die Milchziegenherde des Institutes (63 Tiere) über eine gesamte Laktation wöchentlich beprobt und die Milchproben umfassend analysiert auf: Zellzahl, bakteriologischen Befund, elektrische Leitfähigkeit, Milchinhaltsstoffe (Fett, Protein, Laktose), Laktoferrin, Laktatdehydrogenase, ß-Glucuronidase, N-acetyl-ß-D-glucosaminidase. Den Eutergesundheitsstatus schätzten wir auf Grundlage der Ergebnisse der bakteriologischen Untersuchung („Goldstandard“) ein. In bakteriologisch positiven Proben differenzierten wir mittels molekularbiologischer Techniken (PCR: Polymerase Kettenreaktion) die Erreger.

Mit Hilfe der „Linearen Gemischten Effekte Modelle“ wurde geprüft, welche Einflussfaktoren auf die analysierten Indikatoren wirken. Geprüft wurde der Einfluss des Laktationsstadiums, der Laktationsnummer, der mittleren Milchmenge und des jeweiligen Infektionsstatus. Vom Laktationsstadium unbeeinflusst zeigte sich nur der Indikator ?-Glucuronidase. Von der Laktationsnummer unbeeinflusst waren LDH und NAGase.

Da bisher Schwellenwerte für die untersuchten Indikatoren fehlen, mit denen Eutererkrankungen erkannt werden können, haben wir auf Grundlage der eutergesunden Tiere in der untersuchten Milchziegenherde erste Grenzwerte definiert. Diese Grenzwerte sollten dann in Praxisherden darauf getestet werden, ob sie sich zur Einschätzung des Eutergesundheitsstatus eignen. Dazu entnahmen wir auf zwei Betrieben über jeweils 3 Wochen Milchproben und analysierten sie genauso umfassend wie die Proben des Versuchsbetriebes. Die Betriebsbeprobung erfolgte einmal zu Beginn der Laktation und auf dem 2. Betrieb zum Ende der Laktation. Da das Laktationsstadium für die Mehrzahl der Indikatoren bedeutsam ist, definierten wir Grenzwerte für den Beginn der Laktation und für das Ende der Laktation. Diese Grenzwerte zogen wir heran um zu prüfen, ob die analysierten Indikatoren der Praxisbetriebe geeignet sind, den Eutergesundheitsstatus einzuschätzen.

Ergebnisse

Die Infektionsrate der Ziegenherde des Versuchsbetriebes lag bei 33,3 % und damit auf dem in der Literatur beschriebenen Niveau. Die häufigsten nachgewiesenen Erreger gehörten der Gruppe der koagulase-negativen Staphylokokken an, wobei Staphylococcus epidermidis der häufigste innerhalb dieser Gruppe war, gefolgt von S. warneri. Auf den Praxisbetrieben wurden auf Betrieb 1 S. simulans und auf Betrieb 2 S. aureus am häufigsten nachgewiesen.

Die im Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung als eutergesund einzustufenden 22 Tiere der Herde des Versuchsbetriebes bildeten die Grundlage für alle weiteren Auswertungen und Tests. Wir zogen sie für die Beschreibung des eutergesunden Zustandes heran und leiteten Grenzwerte für die einzelnen Indikatoren ab, einmal für den Beginn der Laktation und zum Ende. Die Prüfung dieser Grenzwerte an den Praxisbetrieben zeigte, dass gesunde Tiere am Ende der Laktation zu 90 % auch als gesund erkannt werden können. Zu Beginn der Laktation konnten gesunde Tiere nur durch den Indikator NAGase als gesund erkannt werden. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Gesundheitsniveau auf beiden Betrieben sehr hoch war, so dass für die Auswertung zu wenig infizierte Tiere zur Verfügung standen, um die Indikatoren umfassend zu bewerten. Die ß-Glucuronidase-Aktivität und der Laktoferringehalt stellten sich als interessante Indikatoren heraus, die in weiteren Untersuchungen unter Einbeziehung größerer Tierzahlen geprüft werden sollten. Es deutete sich weiterhin an, dass die einzelnen Erreger zu unterschiedlichen Reaktionen am Tier führen und damit zu differenzierten Gehaltsveränderungen der geprüften Indikatoren. Auch hier sind weitere Untersuchungen notwendig.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

11.2009 - 2.2013

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2808OE178
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: abgeschlossen

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Aulrich K, Barth K, Stuhr T, Knappstein K, Larsen T (2013) Einfluss von Euterinfektionen auf Enzymaktivitäten in Ziegenmilch in der Frühlaktation. In: Neuhoff D, Stumm C, Ziegler S, Rahmann G, Hamm U, Köpke U (eds) Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Ideal und Wirklichkeit: Perspektiven ökologischer Landbewirtschaftung . Berlin: Köster, pp 572-573
  2. Stuhr T, Aulrich K, Barth K, Knappstein K, Larsen T (2013) Influence of udder infection status on milk enzyme activities and somatic cell count throughout early lactation in goats. Small Ruminant Res 111(1-3):139-146, doi:10.1016/j.smallrumres.2012.09.004
  3. Larsen T, Aulrich K (2012) Optimizing the flourometric ß-glucuronidase assay in ruminant milk for a more precise determination of mastitis. J Dairy Res 79(1):7-15, doi:10.1017/S0022029911000720
  4. Barth K, Aulrich K (2007) Influence of oestrus on somatic cell count in milk of goats. In: Book of Abstracts : International Symposium ; The Quality of Goat Products, 24-26 May 2007 Bella, Italy. Bella: Consiglio per la Ricerca e sperimentazione in Agricoltura - Unità di Zootecnia Estensiva, p 40
  5. Aulrich K, Barth K (2005) Detection of coagulase-negative staphylococci in goat milk by PCR-based methods. In: Hogeveen H (ed) Mastitis in dairy production : current knowledge and future solutions ; [4th IDF International Dairy Conference]. Wageningen: Wageningen Academic Publ