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Annette Pontillo
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Weniger Antibiotika - höheres Risiko für Mastitis?

Projekt

Korrekte Milchprobenahme (c) Thünen-Institut/Dagmar Schaub
(© Thünen-Institut/Dagmar Schaub)

Minimierung des Einsatzes antibiotikahaltiger Trockenstellpräparate

Jeder Einsatz von Antibiotika birgt das Risiko, dass Krankheitserreger resistent werden, oder dass resistente Keime einen Vorteil bei der Selektion gewinnen. In der Nutztierhaltung muss er deshalb kritisch geprüft werden. Die antibiotische Trockenstelltherapie beim Milchvieh ist eine wesentliche Maßnahme, die Infektion der Milchdrüsen (Mastitis) als Herdenproblem zu bekämpfen. In der Regel werden, wenn sie auftritt, alle vier Euterviertel ohne Berücksichtigung des Infektionsstatus behandelt. Es stellt sich aber die Frage, ob eine euterviertelspezifische Anwendung den Antibiotikaeinsatz minimieren kann, ohne das Infektionsrisiko an unbehandelten Vierteln zu erhöhen.

Hintergrund und Zielsetzung

Im September 2012 wurden in Deutschland erstmals Daten zum Verbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung publiziert (Pressemitteilung BVL vom 11.09.12). Gegenüber den wenige Jahre zuvor geschätzten Zahlen lag der Verbrauch mit insgesamt 1734 Tonnen erschreckend hoch. Zudem wird in den letzten Jahren der Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung stark diskutiert, da resistente Keime, deren Ursprung in der Nutztierhaltung vermutet oder nachgewiesen wurde zu schwerwiegenden, schlecht therapierbaren Infektionen beim Menschen geführt haben. In der Milchviehhaltung ist die antibiotische Trockenstelltherapie eine wesentliche Maßnahme zur Bekämpfung der Mastitis als Herdenproblem und wird gemäß Antibiotika-Leitlinien der Bundestierärztekammer (2010) bei einem Milch-Zellgehalt von mehr als 200.000 Zellen/ml sowie in Problembetrieben empfohlen. In der Regel werden bei Vorliegen einer entsprechenden Indikation alle vier Euterviertel ohne Berücksichtigung des Infektionsstatus behandelt. Ziel ist, bestehende Infektionen zu heilen und gleichzeitig nicht infizierte Viertel vor einer Erkrankung zu schützen (Metaphylaxe). Durch eine Beschränkung der Therapie auf infizierte Viertel ließe sich der Antibiotika-Einsatz bei dieser Anwendung erheblich reduzieren. Allerdings gibt es bisher nur wenige und nicht einfach übertragbare Publikationen zum viertelindividuellen Trockenstellen. Ziel unserer Pilotstudie ist es, zu untersuchen ob der Einsatz von antibiotischen Trockenstellpräparaten in der Milchviehhaltung reduziert werden kann, ohne die Wirksamkeit der Behandlung infizierter Viertel zu beeinträchtigen und das Infektionsrisiko für die Tiere in der Trockenperiode zu erhöhen. Damit zielt das Projekt auf die gesellschaftliche Forderung, durch einen reduzierten Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung auch das Risiko für die Entwicklung antibiotikaresistenter Erreger zu minimieren.

Vorgehensweise

Das Projekt führen wir gemeinsam mit dem Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch des Max Rubner-Instituts (MRI), Standort Kiel, durch. Die beiden Milchviehherden der Institute (MRI: Schädtbek, ca. 100 Deutsche Holstein, konventionell bewirtschaftet; TI: Trenthorst, insgesamt ca. 90 Milchkühe (Deutsche Holstein sowie Deutsche Rotbunte DN) entsprechend der Richtlinien des Ökologischen Landbaus bewirtschaftet) bilden die Versuchsbasis. Von allen klinisch gesunden, trocken zu stellenden Tieren werden in den drei Wochen vor dem geplanten Trockenstellzeitpunkt wöchentlich Viertelanfangsmelkproben gewonnen und im Labor des MRI in Kiel zyto-bakteriologisch untersucht. Entsprechend den Untersuchungsergebnissen und dem angewandten Trockenstellverfahren werden die Tiere vier Versuchsgruppen zugeordnet:

  1. keines der Viertel weist eine Infektion auf und das Tier wird unbehandelt trockengestellt,
  2. mindestens eines der Viertel ist nachweislich infiziert und nur dieses Viertel wird mit einem antibiotischen Trockenstellpräparat versorgt,
  3. mindestens eines der Viertel ist nachweislich infiziert und alle Euterviertel der Kuh werden unter Antibiotikaschutz trockengestellt und
  4. mindestens eines der Viertel ist nachweislich infiziert, aber die Kuh wird ohne Antibiotikaschutz trocken gestellt.

Die vierte Gruppe wurde eingerichtet, da z. B. die Standards des US-amerikanischen National Organic Programs (NOP) einen kompletten Verzicht auf den Antibiotikaeinsatz im Ökologischen Landbau festschreiben. Unmittelbar nach dem Abkalben und in den drei darauffolgenden Wochen werden wiederum Viertelanfangsmelkproben gewonnen und zyto-bakteriologisch untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen vor dem Trockenstellen und nach dem Abkalben stellen wir gegenüber und untersuchen den Effekt des Antibiotikaeinsatzes.

Daten und Methoden

Neben den Ergebnissen der zyto-bakteriologischen Untersuchung der Milchproben, die vor dem Trockenstellen und nach dem Abkalben gewonnen werden, werden weitere tierbezogene Daten, wie Milchleistung und Laktationsnummer in der Auswertung berücksichtigt.

Vorläufige Ergebnisse

Bisher liegen noch keine Ergebnisse vor. Von der Studie werden aber Aussagen bezüglich eines gezielten Einsatzes antiobiotikahaltiger Trockenstellpräparate und dessen Wirksamkeit erwartet.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Zeitraum

9.2013 - 12.2018

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 2

  1. Barth K, Knappstein K (2017) Selektives Trockenstellen von Eutervierteln - ein Ansatz zum gezielten Einsatz von Antibiotika. In: Wolfrum S, Heuwinkel H, Reents HJ, Hülsbergen KJ (eds) Ökologischen Landbau weiterdenken - Verantwortung übernehmen, Vertrauen stärken : Beiträge zur 14. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Freising-Weihenstephan, 7. bis 10. März 2017. Berlin: Köster, pp 468-470
  2. Barth K, Knappstein K (2016) Viertelspezifischer Antibiotikaeinsatz - selektives Trockenstellen konsequent zu Ende gedacht. In: Tagungsband / 17. Jahrestagung der WGM : 18. - 20. Oktober 2016 an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf. Potsdam: WGM, pp 26-28