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Dossier

Leguminosenanbau stärken

Von Herwart Böhm | 31.07.2020


BW Institut für Betriebswirtschaft
AT Institut für Agrartechnologie BD Institut für Biodiversität AK Institut für Agrarklimaschutz OL Institut für Ökologischen Landbau

Für den Ökolandbau sind Leguminosen essenziell: Sie fördern die Bodenfruchtbarkeit, binden Luft-Stickstoff als wichtige N-Quelle für Ackerbau und Grünland, steigern die Fruchtfolgevielfalt und sind der wichtigste Futtereiweißträger in der Ökotierhaltung. Auch im konventionellen Anbau könnten Leguminosen positiv wirken, doch ist ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Kulturen hier nochmals geringer.

Am Thünen-Institut entwickeln wir daher Anbaukonzepte für Leguminosen und prüfen dabei auch bislang wenig genutzte Arten – zum Beispiel Wicken. Wir testen derzeit vor allem Mischfruchtsysteme und bauen Leguminosen zumeist gemeinsam mit einem Getreidepartner an. Vorteile: höhere Ertragsleistung und -sicherheit, bessere Unkrautunterdrückung, geringerer Krankheits- und Schädlingsbefall.

In Zusammenarbeit mit dem Julius Kühn-Institut haben wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten zehn Jahre zum Anbau von Hülsenfrüchten in der folgenden Meta-Studie zusammengefasst:

Böhm H, Dauber J, Dehler M, Amthauer Gallardo DA, de Witte T, Fuß R, Höppner F, Langhof M, Rinke N, Rodemann B, Rühl G, Schittenhelm S (2020): Fruchtfolgen mit und ohne Leguminosen: ein Review. Journal für Kulturpflanzen 72(10-11):489-509. https://doi.org/10.5073/JfK.2020.10-11.01

Ökologische Dienste der Leguminosen

Hülsenfrüchtler ­– so nennt man Leguminosen in der Umgangssprache – sind mit weltweit fast 20.000 Kultur- und Wildarten eine der artenreichsten Familien. Zu ihr gehören Bäume wie die Robinie, Sträucher wie der Besenginster, Lianen und dazu zahllose, prächtig blühende ein- und mehrjährige krautige Pflanzen. Für die Landwirtschaft sind sie beinahe Alleskönner, sie

  • schonen Ressourcen wie Boden, Wasser, fossile Rohstoffe
  • haben günstige Vorfrucht- und Fruchtfolgeeffekte
  • stärken die Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft
  • passen sich gut an den Klimawandel an
  • reduzieren Treibhausgasemissionen
  • eignen sich zur gesunden und nachhaltigen Humanernährung
  • sind wertvoller Rohstoff für vielfältige Zwecke.

Was Leguminosen auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, Luftstickstoff im Boden zu binden. Der ökologische Landbau nutzt sie, um ohne mineralische Stickstoffdünger auszukommen. Blaue Lupine und Luzerne etwa haben  ausgedehntes Wurzelwerk, es mobilisiert sehr gut Nährstoffe im Boden und lockert ihn obendrein.

Ratgeber

Optimaler Anbau von Körnerleguminosen

Von Standortwahl bis Blattlausbefall – viele Faktoren entscheiden, ob Leguminosen blühen und gedeihen. Hier finden Sie Praxistipps für den Leguminosenanbau.

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Optimaler Anbau von Körnerleguminosen

Video

Mais-Bohne – Öko-Raufutter mit Mehrwert?

Wie gut sich Mais und Bohne im Gemenge anbauen lassen und deren Silagen als Futtermittel für Milchvieh und Mastschweine geeignet sind, untersuchen unsere Wissenschaftler in Trenthorst. (Video 5:12 min)

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Mais-Bohne – Öko-Raufutter mit Mehrwert?

Projekte

Winterwicken als Ganzpflanzensilage

Die Winterwicke ist ein Allrounder: Als Winterzwischenfrucht kann sie Erosion verhindern und Stickstoff im Boden anreichern und als Futtermittel kann sie wertvolle Nährstoffe für Nutztiere liefern. In diesem Projekt prüfen wir die Vorfruchtwirkung auf Mais und den Einsatz von Winterwickensilage in der Mastschweinefütterung.

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Winterwicken als Ganzpflanzensilage

Optimierung des Gemengeanbaus für die Biomasseproduktion

Der Gemengeanbau trägt zur Biodiversifizierung von Anbausystemen bei und erhöht oftmals die Ertragsleistungen, da Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen an Ressourcen kombiniert werden. Wir entwickeln neue Gemengeanbauverfahren für die Andenlupinen mit Mais sowie für Weiße Lupinen und Hafer für die Biomasseproduktion.

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Optimierung des Gemengeanbaus für die Biomasseproduktion

Grünleguminosen in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung

Grünleguminosen (Luzerne, Rotklee) als „Gesamtpflanzen-Silage aus früher Nutzung“ sowie als „Trockenblatt“ (getrocknete Blattmasse) werden als hochwertiges Futtermittel in der ökologischen Schweine- und Geflügelfütterung geprüft.

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Grünleguminosen in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung

Blaue Lupine konkurrenzstärker machen

Blaue Lupinen besitzen wegen ihrer langsamen Jugendentwicklung nur wenig Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Lupinensorten mit höherer Konkurrenzkraft könnten helfen, die Unkrautregulierung zu erleichtern. Wir wollen ein Prüfsystem erarbeiten, das die Unkraut unterdrückende Wirkung für Blaue Lupinen erfasst, bewertet und konkurrenzstarke Zuchtlinien identifizieren hilft.

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Blaue Lupine konkurrenzstärker machen

RELEVANT

RELEVANT quantifiziert und bewerten die Wirkungen diversifizierter Fruchtfolgen mit Ackerbohne und Erbse auf die Diversität von Bestäubern und Raubarthropoden und die von diesen erbrachten regulierenden Ökosystemleistungen.

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RELEVANT

Die Zukunft der Hülsenfrüchte

Trotz der zahlreichen positiven Effekte des Anbaus von Leguminosen gehen seit mehreren Jahren die Anbauflächen in vielen europäischen Ländern stark zurück. Gegenüber anderen Kulturarten sind sie meist nicht konkurrenzfähig. Daher müssen Anbausysteme mit Leguminosen bewertet und weiterentwickelt werden.

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Die Zukunft der Hülsenfrüchte

Mais und Bohnen im Gemenge

Zukünftig sollen landwirtschaftliche Nutztiere nachhaltig mit Proteinen aus betrieblich oder regional erzeugten Futtermitteln versorgt werden. In unserem Projektvorhaben untersuchen wir deshalb das Potential des Gemengeanbaus von Mais mit Stangen- bzw. Feuerbohnen.

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Mais und Bohnen im Gemenge

Erbsen, Lupinen & Co im Feldversuch

Leguminosen sind eine der tragenden Säulen im Ökologischen Landbau, da sie Stickstoff fixieren und so zur Nährstoffversorgung beitragen. Sie fördern die Bodenfruchtbarkeit und liefern zudem für die Tierhaltung proteinreiche Futtermittel. In Feldversuchen zum Mischfruchtanbau mit Körnerleguminosen, speziell zum Anbau von Blauen Lupinen und Körnererbsen haben wir untersucht, wie sich der Ertrag optimieren und Unkraut regulieren lässt. Zudem haben wir die Futterqualität und deren Beitrag zur Proteinversorgung in der ökologischen Tierhaltung bewertet.

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Erbsen, Lupinen & Co im Feldversuch

Optimierung des Sommer- und Wintererbsenanbaues durch Mischkultur und reduzierte Bodenbearbeitung

Die pflanzenbaulichen Vorteile des Mischfruchtanbaus in Low-Input-Systemen hinsichtlich einer höheren Ertragsstabilität, einer besseren Unkrautunterdrückung sowie einer effizienteren Ausnutzung der Wachstumsfaktoren Licht, Wasser und Nährstoffen sind oft nachgewiesen worden. Wir wollten im System des Ökologischen Landbaus den Mischfruchtanbau speziell unter dem Aspekt einer gleichzeitig reduzierten Intensität der Bodenbearbeitung in verengten Früchtefolgen mit Körnerleguminosen bewerten.

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Optimierung des Sommer- und Wintererbsenanbaues durch Mischkultur und reduzierte Bodenbearbeitung

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