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Dossier

Aquakultur – Landwirtschaft unter Wasser

Stefan Reiser, Cornelia Kreiß | 05.01.2026


FI Institut für Fischereiökologie

Weltweit ist die Aquakultur das am schnellsten wachsende Segment der Lebensmittelwirtschaft. Ihre Produktion (ohne aquatische Pflanzen) liegt bereits bei 66 Millionen Tonnen pro Jahr. Schon bald wird sie die Fangfischerei überholen.

Der Ausbau der Aquakultur im Meer und an Land verläuft dabei weltweit sehr ungleich und nicht immer umweltschonend. Der Großteil der aquakulturellen Produktion findet seit langem in Asien statt. Es ist jedoch politischer Wille, die Aquakultur auch in Europa auszubauen. Dies geht  mit einigen Herausforderungen einher:

Vor allem die industrielle Verarbeitung von Wildfängen zu Fischfutter für die Aquakultur ist ökologisch umstritten. Andere Proteinquellen sind als Ersatz für Fischmehl jedoch nur bedingt geeignet, weil die Zusammensetzung ihrer Aminosäuren häufig am Bedarf der Zuchtfische vorbeigeht. Auch ist es in der Aquakultur schwierig, Kriterien für das Tierwohl zu bestimmen. Viele Fische sind beispielsweise Schwarmtiere, sodass eine niedrige Besatzdichte nicht automatisch zu einem gesteigerten Tierwohl führt. Heute werden rund 600 Arten unter anderem in Teichen, Fließkanälen, rezirkulierenden Systemen, Netzgehegen, Leinenkulturen gehalten. Diese Vielfalt an Produktionstechniken geht mit unterschiedlichen und häufig unzureichend bekannten betriebswirtschaftlichen Strukturen einher.  

Das Thünen-Institut für Fischereiökologie testet alternative pflanzliche Proteinquellen für Futtermittel in der Aquakultur, bewertet aquatische Haltungsbedingungen hinsichtlich des Tierwohls und untersucht, welche neuen Arten und innovativen Verfahren sich für die Aquakultur eignen. Zusammen mit dem Thünen-Institut für Seefischerei wird zudem die Wirtschaftlichkeit von Produktionssystemen der Aquakultur und Fischerei international verglichen und das Potenzial mariner Aquakulturen erforscht. Das Thünen-Institut verfolgt mit seiner Forschung so das Ziel, ökologisch verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Formen der Fischwirtschaft zu fördern.  

Landschaftslabor EiLT - Teiche und Wasser

Seit Jahrhunderten werden in Deutschland und Europa Fische in Teichen gezüchtet. Diese Fischteiche sind aber nicht nur Orte der Lebensmittelerzeugung. Sie sind auch Hotspots der Biodiversität und spielen eine bedeutende Rolle für das Klima und den Wasserhaushalt. Was Teiche noch alles können, wurde bisher nur wenig beachtet und erprobt. Im Experimentierfeld Teiche und Wasser wollen wir daher vor allem Co-Nutzungen wie Bewässerungsteichwirtschaft oder Biomasseproduktion erforschen.

Expertise

Öko-Aquakultur in Deutschland – eine ewige Nische?

Die ökologische Aquakultur fristet bisher in Deutschland ein Nischendasein. Weniger als 50 Betriebe wirtschaften ökologisch und mit Ausnahme der Muschelfischer ging die Zahl in den letzten Jahren zurück - obwohl gerade ökologisch und nachhaltig erzeugter Fisch nachgefragt ist. Woran das liegt und welche Maßnahmen der Branche Auftrieb verleihen könnten, haben Forschende am Thünen-Institut für Fischereiökologie und Ökolandbau analysiert.

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Deutsche Aquakultur im Überblick

Mehr als 30.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden in Deutschland pro Jahr in Aquakultur erzeugt. Das klingt zunächst viel, doch wird dadurch nur ein geringer Teil der deutschen Nachfrage bedient.

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Projekte

Wiederherstellung von Riffsystemen der Europäischen Auster

Wie kann die Produktion von Austernsaat in ausreichender Menge und Qualität sichergestellt werden, um die nachhaltige Wiederherstellung der Europäischen Auster in Deutschland zu unterstützen?

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Studie zu den rechtlichen Grundlagen für Genehmigung, Betrieb und Ausbau von Aquakulturanlagen in Deutschland

Deutschland hat das Potential, seinen Selbstversorgungsgrad mit Fischerzeugnissen aus Aquakultur zu erhöhen. Die Erzeugung aus Aquakultur stagniert jedoch seit Jahren. Wie kann ein nachhaltiger Ausbau der Aquakultur in Deutschland gelingen?

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KreAktiv - Fischfutter für Leistung, Nachhaltigkeit und Tierwohl

Für einen nachhaltigen Ausbau der Aquakultur, braucht es nachhaltige Fischfuttermittel und Haltungsbedingungen, die das Tierwohl fördern. Wie beides in der Aufzucht von Forellen vorangetrieben werden kann, erforschen wir im Projekt KreAktiv.

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Erhebung von ökonomischen Daten der Meeres- und Süßwasser-Aquakultur in Deutschland

Wir erheben ökonomische und soziale Daten der deutschen Aquakultur als Teil des Fischerei-Datenerhebungsprogrammss (Data Collection Framework, DCF).

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aqua benchmark

Als „blaue Revolution“ wird das rasante Wachstum der globalen Aquakultur bezeichnet. Nach und nach hat sie die Fischerei als wichtigsten Bereitsteller aquatischer Lebensmittel abgelöst. Was macht den Erfolg von den Betrieben aus, die hinter dieser erstaunlichen Entwicklung stehen?

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Nationales Tierwohl-Monitoring

Im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Nationales Tierwohl-Monitoring“ sollen die Grundlagen für eine Berichterstattung zum Status quo und zur Entwicklung des Tierwohls in der Nutztierhaltung entwickelt werden.

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Nationales Tierwohl-Monitoring

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