Expertise
Deutsche Aquakultur im Überblick
Cornelia Kreiß, Johna Barrelet | 05.01.2026
Mehr als 32.000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden im Mittel in Deutschland jährlich in Aquakultur erzeugt. Das klingt zunächst viel, doch wird dadurch nur ein geringer Teil der deutschen Nachfrage bedient.
Die Produktionsmenge der deutschen Aquakulturbetriebe an Fisch und Miesmuscheln (Wattenmeerproduktion) belief sich im Jahr 2024 auf rund 33.000 Tonnen.
Knapp 51 Prozent der Gesamtproduktion wurden im Süßwasser erzeugt, gut 49 Prozent stammten aus marinen Aquakulturen (vor allem Miesmuscheln). Von den Süßwasserfischen waren mehr als die Hälfte (58 Prozent) Salmoniden: größtenteils Regenbogenforellen, gefolgt von Lachsforellen und Elsässer Saibling. Karpfen machten 26 Prozent der Gesamtmenge an Fischen aus (Abb. 1).
Großhandel als bedeutendster Abnehmer
Der Großteil der erzeugten Produkte (69 Prozent) wurde 2023 über den Großhandel vertrieben. Knapp 9 Prozent der Gesamtproduktion wurden direkt an Kundinnen und Kunden verkauft, weitere 9 Prozent gingen an Gastronomie, Angelparks bzw. andere Aquakulturbetriebe, 8 Prozent wurden in den Erzeugungsbetrieben veredelt und lediglich 6 Prozent gingen an den Lebensmitteleinzelhandel. Für das Jahr 2024 liegen keine entsprechenden Daten vor, es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich die Vertriebswege in vergleichbarer Weise zusammensetzen wie im Jahr 2023.
Die Produktion findet hauptsächlich in Becken, Fließkanälen und Teichen statt. Nur 14 Prozent der deutschen Süßwasser-Aquakulturproduktion wird bisher in Kreislaufanlagen erzeugt.
Weitere Informationen zu den Produktionssystemen können dem Steckbrief zur Tierhaltung in Deutschland „Aquakultur“ entnommen werden.
Kleine Betriebe – große Herausforderungen
Kurze Transportwege, nachhaltige Produktion und gute Qualität zeichnen die regionale Aquakultur aus. Der Sektor wird dominiert von vielen kleinen Betrieben:
- 52 Prozent der deutschen Aquakulturbetriebe produzieren eine Tonne pro Jahr oder weniger. Auch wenn diese Betriebsgröße am häufigsten ist, erzeugt sie zusammen lediglich 2 Prozent der Gesamtproduktion des Sektors.
- 21 Prozent der Betriebe produzieren über 5 Tonnen pro Jahr. Von ihnen stammt mit 91 Prozent der weitaus größte Teil der Produktionsmenge.
Während es im Jahr 2015, über alle Sektoren hinweg, noch 3.285 Aquakulturbetriebe gab, waren es 2024 nur noch 1.978 Betriebe (Destatis 2025). Dies entspricht einem Rückgang von 40 Prozent. In Süßwasseraquakultur-Betrieben waren 1.875 Mitarbeitende beschäftigt, in der Meeresaquakultur waren es 165 (BA 2025). Der starke Rückgang von Aquakulturbetrieben ist einer Vielzahl an Herausforderungen geschuldet, mit denen der Sektor konfrontiert ist. Häufig genannte Probleme der Produzent*innen sind unter anderem Verluste durch Prädatoren (Otter, Kormorane, Reiher oder Seesterne, Krebse und Seevögel), Klimawandel (vor allem Wassermangel, Hitze, Starkregenereignisse und allgemeine Wetterextreme), Nachwuchsmangel in den Unternehmen, steigende Produktions- und Personalkosten, und bürokratische Rahmenbedingungen.
Hintergrund: Fischkonsum in Deutschland
Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Meeresfrüchten lag in Deutschland im Jahr 2024 bei 5,4 Kilogramm (Produktgewicht). (FIZ 2025).
Lachs war 2024 der beliebteste Fisch in Deutschland, gefolgt von Alaska-Seelachs, Thunfisch, Hering und Garnelen (FIZ 2025). Die Produkte wurden vor allem als Konserven und Marinaden (26 Prozent) oder tiefgekühlt (26 Prozent) gekauft. Der Konsum an frischem Fisch lag bei 15 Prozent. Der Marktanteil von Räucherfisch betrugt 9 Prozent. (FIZ 2025).
Der Anteil an Fisch und Meeresfrüchten aus der deutschen Fischerei und der hiesigen Aquakultur am Gesamtverbrauch (Selbstversorgungsgrad) lag 2024 bei rund 20 Prozent (BMEL 2025). Um den Großteil der Nachfrage zu bedienen, ist und war Deutschland auf den Import von Fischprodukten angewiesen.
Der Anteil heimischer Fische und Fischereierzeugnisse setzt sich aus den Anlandungen der deutschen Fischereiflotte (83 Prozent), den Fängen aus der erwerbsmäßigen Binnenfischerei (1 Prozent) und der Produktion der deutschen Aquakultur (16 Prozent)zusammen (Anteile für 2024). Von den Anlandungen der deutschen Fischereiflotte werden jedoch 90 Prozent in ausländischen Häfen angelandet und gelten als Export.
Service zum Download
Der Steckbrief zur Tierhaltung in Deutschland „Aquakultur“ gibt Einblick in die Merkmale der Karpfenzucht sowie der Salmoniden- und Forellenwirtschaft. Er enthält außerdem Information zur Miesmuschelproduktion, die in Deutschland die bedeutendste Erzeugungsform in der marinen Aquakultur ist. Darüber hinaus stellt der Steckbrief zur Tierhaltung in Deutschland „Aquakultur“ Preistendenzen für Aquakulturprodukte und die wichtigsten Kostenfaktoren der Aquakulturbetriebe informativ dar. Ebenfalls enthalten sind Informationen zur Beschäftigung innerhalb des Sektors






