Weiter zum Inhalt
Dossier

Materialeffizienz und Kreislaufwirtschaft

Jan Lüdtke | 06.01.2026


HF Institut für Holzforschung

Holz ist ein bedeutender Baustein für den Weg in die Bioökonomie. Und doch kann die nachhaltige forstliche Produktion nicht endlos gesteigert werden – auch wenn die Nachfrage nach Holz stetig steigt.

Unser bislang gelebtes Modell des linearen Wirtschaftens (take – make – waste) erfordert einen hohen Ressourceneinsatz, weil Rohstoffe der Umwelt entnommen werden müssen, wenn etwas produziert wird. Nach dem Ende der Nutzung wird ein Großteil der Rohstoffe direkt zu Abfall verbrannt oder landet auf der Deponie.

Zukunftsgerichtete Ansätze sehen eine zirkuläre Wertschöpfung vor, in der Ressourcen so effizient in kluge Produkte umgewandelt werden, dass diese während der Nutzung durch neuartige Geschäftsmodelle einen breiten Mehrwert schaffen. Nach dem Ende der Nutzungsphase lassen sich solche Mehrkomponenten-Produkte gut trennen, die Rohstoffe bleiben im Kreislauf und können wieder eingesetzt werden.

Für den Holzbereich besitzt der Ansatz der Circular Economy noch einen weiteren Vorteil: Der während des Wachstums im Baum gebundene Kohlenstoff bleibt während der Nutzung im Holz gespeichert. Je länger das Holz im Stoffkreislauf verbleibt, desto länger ist der Kohlenstoff somit der Atmosphäre entzogen. Allerdings werden derzeit nur etwa 20 Prozent des Altholzes, also des Holzabfalls, stofflich wieder eingesetzt, vornehmlich in Spanplatten.

Für den stofflichen Einsatz sind nach der aktuellen Altholzverordnung die Altholzklassen I und II erlaubt. Diese umfassen sortenreine Althölzer ohne Verunreinigungen, z. B. Bretter oder Paletten, und beschichtete Holzwerkstoffe. Einige Beschichtungen fallen in die Altholzklasse III und dürfen nicht verwendet werden (siehe Tabelle). Altholz wird derzeit aber zu großen Teilen in gemischten Sortimenten erfasst. Beinahe die Hälfte des bereits sortierten Altholzes sind Mischsortimente A I/A II und A I/A II/A III, deren stoffliche Nutzung in Spanplatten nicht erlaubt ist.

Altholzkategorien

Erläuterung

A I

Naturbelassenes oder lediglich mechanisch bearbeitetes Altholz, das bei seiner Verwendung nicht mehr als unerheblich mit holzfremden Stoffen verunreinigt wurde.

A II

Verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Altholz, ohne halogenorganische Verbindungen in der Beschichtung und ohne Holzschutzmittel.

A III

Altholz wie A II, aber mit halogenorganischen Verbindungen in der Beschichtung, ohne Holzschutzmittel.

A IV

Mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz wie Bahnschwellen, Leitungsmasten, Hopfenstangen, Rebpfähle sowie sonstiges Altholz, das aufgrund seiner Schadstoffbelastungnicht den Altholzkategorien A I, A II oder A III zugeordnet werden kann. Ausgenommen PCB-Altholz.

PCB-Altholz

Altholz, das PCB im Sinne der PCB/PCT-Abfallverordnnung ist und nach deren Vorschriften zu entsorgen. Insbesonder Dämm- und Schallschutzplatten, die mit Mitteln behandelt wurden, die polychlorierte Biphenyle enthalten.

Wir erforschen, wie Verunreinigungen die Herstellung und die Eigenschaften der Produkte beeinflussen, um die Optionen für einen stärkeren wiederholten Einsatz des Materials zu bewerten. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Material- und Energieeffizienz haben wir Empfehlungen erarbeitet, die zur Etablierung einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft von Holz in den Bereichen

  • Produktentwicklung,
  • Prozess- und Verarbeitungskette,
  • Wiederverwendung und Verwertung sowie
  • Forschung, Ausbildung und Kommunikation

beitragen können.

Expertise

Mit Holzprodukten das Klima schützen

Holz kann helfen, die Klimaziele zu erreichen: Wird es in Häusern verbaut oder in Bioraffinerien zu Kunststoffen verarbeitet, bleibt der Kohlenstoff darin gespeichert. Forschende aus dem Thünen-Institut haben nun Empfehlungen veröffentlicht, wie Holzprodukte gezielt zum Klimaschutz beitragen können.

Mehr erfahren
Mit Holzprodukten das Klima schützen

Projekte

Circular Economy for Wood

Eine nachhaltige Ressourcennutzung wird unser Wirtschaften und unsere Art zu leben in der Zukunft bestimmen. Eine Transformation der aktuell vorwiegend linear ausgerichteten Wirtschaftsweise setzt voraus, dass das Rohstoffpotenzial von bisherigen Abfallstoffen stärker anerkannt und genutzt wird. Der Circular Economy (CE)-Ansatz geht dabei über den reinen Effizienzgedanken hinaus und besteht in einem systemischen Wandel der Rohstoffnutzung und Wertschöpfung. Je länger der Rohstoff Holz z. B. durch eine intelligente Produktgestaltung und Recyclingverfahren im Stoffkreislauf verbleibt, desto ...

Mehr erfahren
Circular Economy for Wood

Charta für Holz 2.0

Die Charta für Holz 2.0 verfolgt das Ziel, den Beitrag nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Holzverwendung zum Klimaschutz zu stärken. Sie trägt zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung bei. Weitere Kernziele sind die Stärkung der Wertschöpfung im Cluster Forst & Holz und die Schonung endlicher Ressourcen durch eine nachhaltige und effiziente Holznutzung.

Mehr erfahren
Charta für Holz 2.0

Nachhaltiger Konsum durch Zirkularität und Sicherheit bei der Nutzung von recycelten Holzprodukten

Die nachhaltige Nutzung biobasierter Ressourcen ist Gegenstand verschiedener politischer Strategien und Programme auf nationaler sowie auf europäischer Ebene. So hebt unter anderem die Politikstrategie Bioökonomie die besondere Bedeutung der Kreislauf- und Abfallwirtschaft hervor, um „Rest- und Abfallstoffe zu vermeiden bzw. einer möglichst hochwertigen Verwendung zuzuführen.“

Mehr erfahren
Nachhaltiger Konsum durch Zirkularität und Sicherheit bei der Nutzung von recycelten Holzprodukten

Publikationen

  1. 0

    Cakaj A, Hesse L, Krause A, Speth H, Lüdtke J (2025) Barriers and potentials for circular use of waste wood in construction and demolition sector with special focus on Germany. Urban Sci 9(9):367, DOI:10.3390/urbansci9090367

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn070404.pdf

  2. 1

    Iost S, Lüdtke J (2025) Transformation der Holzwirtschaft zu einer zirkulären Bioökonomie : Auswertung eines Workshops im Rahmen der Charta für Holz 2.0 im Dialog 2024 „Holz im Kreislauf - Treiber für Innovation!“. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 40 p, Thünen Working Paper 264, DOI:10.3220/253-2025-9

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn069582.pdf

  3. 2

    Cakaj A, Lüdtke J (2024) Efficient utilization of waste wood in a Circular Bioeconomy: Potentials and barriers. In: Forests & society towards 2050 : 26th IUFRO World Congress, Stockholm, Sweden, 23-29 June 2024 ; Book of abstracts. p 1860

  4. 3

    Lüdtke J, Krause A (2024) Zirkuläre Bioökonomie - Relevanz und Anwendung in der Holzwirtschaft. Forsttechn Inf 76(6):10-12

  5. 4

    Schmitz N, Krause A, Lüdtke J (2023) Critical review on a sustainable circular bio-economy for the forestry sector = Zirkuläre Bioökonomie in der Forst- und Holzwirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung - Eine wissenschaftliche Einordnung. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 88 p, Thünen Rep 109, DOI:10.3220/REP1684154771000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn066339.pdf

  6. 5

    Nguyen DL, Lüdtke J, Nopens M, Krause A (2023) Production of wood-based panel from recycled wood resource: a literature review. Eur J Wood Prod 81(3):557-570, DOI:10.1007/s00107-023-01937-4

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn066025.pdf

  7. 6

    Schmitz N, Lüdtke J (2022) Collective action in Germany’s forestry sector illustrating the potential impact of the transformation towards a forest-based circular economy. In: International Union of Forest Research Organizations (ed) Book of abstracts : ALL IUFRO Conference 2022 : forests in a volatile world - global collaboration in sustain forests and their societal benefits : ALL-IUFRO Conference, 21-23 September 2022, Vienna, Austria. pp 15-16

    Nach oben