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Expertise

ICES-Fangempfehlungen: Was steckt dahinter?

Von Alexander Kempf, Holger Haslob, Jens Ulleweit, Norbert Rohlf, Matthias Bernreuther, Christoph Stransky, Karl-Michael Werner, Uwe Krumme, Christopher Zimmermann, Sven Stötera, Stefanie Haase | 18.08.2022


SF Institut für Seefischerei
OF Institut für Ostseefischerei

Der ICES gibt in seinen alljährlichen Gutachten einen Überblick über den Zustand der genutzten Fischbestände im Nordostatlantik und spricht Fangempfehlungen aus. Wir erläutern, was die Empfehlungen für die deutschen Fischereien bedeuten und warum sie in einer bestimmten Höhe ausfallen.

Jedes Jahr veröffentlicht der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) den wissenschaftlichen Ratschlag zum Zustand der Fischbestände im Nordostatlantik (ICES Advice) und schlägt nachhaltige Fangquoten für das nächste Jahr vor. Im Folgenden erläutern wir den Zustand der für deutsche Fischereien wichtigsten Fischbestände der Nord- und Ostsee und des Nordostatlantiks und die darauf aufbauenden wissenschaftlichen Fangquoten-Empfehlungen.

Der Status vieler Fischbestände im Nordostatlantik und angrenzender Gebiete hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren verbessert. Durch das Absenken der Fangquoten und den daraus resultierenden Beschränkungen der Fischerei zeigt die Biomasse von vielen Beständen einen positiven Trend. Von 2003 bis 2020 nahm die Biomasse von Beständen mit analytischem Assessment im Nordostatlantik um durchschnittlich 33 % zu. Die Spannbreite bei der Entwicklung einzelner Bestände ist jedoch groß und für einige Bestände auch negativ (z.B. Kabeljau in der Nordsee).

Viele Bestände werden in EU-Gewässern nachhaltig nach dem Prinzip des maximalen Dauerertrages (MSY) bewirtschaftet, auch wenn das MSY-Ziel nicht für alle Bestände erreicht ist. Im Jahr 2020 hatten 54 von 75 Beständen, für die entsprechende Referenzwerte vorliegen, das MSY-Kriterium erreicht. Dies entspricht 72 % der bewerteten Bestände, während es 2003 nur 29 % waren. Die durchschnittliche fischereiliche Sterblichkeit, gemittelt über alle Bestände, lag 2020 erstmals unterhalb der MSY-Zielwerte, während 2003 der Zielwert im Mittel um 67 % überschritten wurde. Dies zeigt an, dass der Grad der Überfischung deutlich abgenommen hat. 

Unter dem höchst möglichen Dauerertrag (englisch: Maximum Sustainable Yield, MSY) versteht man die optimale Fangmenge, die einem Fischbestand unter Ausschöpfung seines maximalen Wachstumspotenzials entnommen werden kann, ohne dass seine Fortpflanzungsfähigkeit in der Zukunft gefährdet ist.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg 2002 wurde eine Bewirtschaftung der Fischbestände auf Basis von MSY als globales Ziel definiert. Gemeinsam mit vielen anderen Ländern haben die EU-Mitgliedstaaten dieses politische Ziel übernommen und es in der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) verankert. Ein Hauptziel der GFP ist es somit, bis 2020 alle Bestände mit Fangbeschränkungen so zu bewirtschaften, dass sie den maximalen Dauerertrag liefern können. FMSY bezeichnet dabei die optimale Fischereiintensität, die den maximalen Dauerertrag ermöglicht. Werden Bestände über FMSY befischt, so wird ihr Wachstumspotenzial nicht mehr optimal ausgeschöpft und die Fischereien verlieren langfristig Ertrag.

Eine Gefährdung des Bestandes tritt aber erst ein, wenn über einen längeren Zeitraum mehr Fische entnommen werden als nachwachsen und eine kritische Elternbestands-Biomasse unterschritten wird, unterhalb derer das Risiko einer verminderten Nachwuchsproduktion rapide steigt. Der Bestand befindet sich dann außerhalb sicherer biologischer Grenzen.

Somit ist eine Überfischung in Bezug auf den maximalen Dauerertrag (Verlust an Ertrag) von einer Überfischung in Bezug auf sichere biologische Grenzen (verminderte Nachwuchsproduktion) zu unterscheiden.

Die fischereiliche Sterblichkeit ist ein Maß für die Menge an Fisch oder anderen Meerestieren, die über einen bestimmten Zeitraum durch Fang vom fischereilich nutzbaren Anteil eines Bestandes entnommen wird.

Die Erholung der Bestände hat auch positive ökonomische Effekte. In die Bilanz spielen allerdings auch andere Faktoren hinein. So verzeichnete die EU-Fangflotte im Jahr 2020 Nettogewinne in Höhe von 800 Millionen EUR – ein Rückgang um 29 % im Vergleich zu 2019, was auf Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Es wird erwartet, dass steigende Treibstoffkosten die Profitabilität weiter reduzieren.

Erläuterungen zu den einzelnen Empfehlungen für 2023

Für diesen Bestand nahm die fischereiliche Sterblichkeit zwischen 2000 und 2016 ab, stieg ab 2016 wieder stark an und ist nun innerhalb eines Jahres stark gesunken und liegt in 2021 erstmalig seit Beginn des Assessments in 1963 unterhalb des Zielwertes FMSY.  Eine mögliche Erholung der Laicherbestands-Biomasse aufgrund des gesunkenen Fischereidrucks dauert mehrere Jahre. Die Laicherbestands-Biomasse lag Anfang 2022 unter dem Bestandslimit (Blim) und somit außerhalb sicherer biologischer Grenzen.

Eine zwischen 2004 und 2015 beobachtete Erholung beschränkte sich außerdem fast ausschließlich auf den nördlichen Bereich der Nordsee. Im südlichen Teil ist der Bestand seit Jahrzehnten auf einem sehr niedrigen Niveau und ist weiterhin abnehmend.

Klimatische Veränderungen spielen hier neben der Fischerei eine Rolle, da die Nordsee die südliche Grenze des Verbreitungsgebietes von Kabeljau darstellt. Somit ist eine mögliche Erholung aufgrund eines gesunkenen Fischereidrucks auch zukünftig hauptsächlich im Norden der Nordsee zu erwarten. Insgesamt ist die Produktivität von Kabeljau in der Nordsee nach 1998 sehr niedrig im Vergleich zu früheren Jahren. Dies schränkt das Erholungspotential des Bestandes weiter ein.

Basierend auf dem MSY-Ansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von 22.946 Tonnen für 2023. Dies entspricht einer Erhöhung von 44 % im Vergleich zur erlaubten Höchstfangmenge (TAC) in 2022 und 61 % im Vergleich zur letztjährigen ICES Empfehlung. Der Hauptgrund für die etwas positivere Einschätzung liegt in einer prognostizierten weiteren Erholung des Bestandes aufgrund des vergleichsweise niedrigen Fischereidrucks. Die prognostizierte Erholung führt den Bestand bei einem TAC von 22.946 Tonnen mit 83 % Wahrscheinlichkeit in 2024 über Blim.

Die Erläuterung zum Kabeljau in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Alexander Kempf

Der Bestand wird für 2022 knapp außerhalb sicherer biologischer Grenzen eingeschätzt. Der Bestand wurde laut neuestem Assessment in 2021 über FMSY befischt. Der Grad der Überfischung geht seit 2019 zurück. Die Produktivität des Bestandes ist in den letzten 10 Jahren geringer als in den Jahrzenten davor, was zusätzlich ungünstige Umwelteinflüsse vermuten lässt.

ICES empfiehlt für 2023 eine Höchstfangmenge von 58.912 Tonnen. Dies entspricht einer Erhöhung um 18,7 % im Vergleich zum letzten Jahr. Der Anstieg wird durch einen prognostizierten Anstieg des Bestandes erklärt. Außerdem wurden die Höchstfangmengen in 2021 nicht ausgefischt, was die Vorhersage aus dem letzten Jahr zu negativ erscheinen lässt.

Alle größeren Flotten, die direkt auf Seelachs fischen, verzeichnen einen Rückgang in den Fangraten im Vergleich zu einigen Jahren zuvor. Zwischen 2020 und 2021 zeigt jedoch zumindest die französische Flotte wieder einen Anstieg.  Die Interpretation der kommerziellen Daten ist aber nicht einfach, da auch Veränderungen in den Fangmustern aus ökonomischen Gesichtspunkten eine Rolle spielen können. Dies erhöht die Unsicherheit der Bestands-berechnungen. Da auch der wissenschaftliche Survey nicht gezielt auf Seelachs ausgerichtet ist, gilt das Assessment insgesamt als unsicher.

Die Erläuterung zum Seelachs in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Alexander Kempf

Bedingt durch eine kontinuierliche Abnahme im Fischeraufwand der Hauptfangflotten für Plattfische seit Anfang der 2000er Jahre ist die fischereiliche Sterblichkeit (F) für Scholle seitdem deutlich zurückgegangen. Seit 2007 liegt sie unter dem Referenzwert FMSY, mit einem weiter abnehmenden Trend seit 2018. Die ermittelte Rekrutierung liegt seit 2010 meist über dem Durchschnitt. Die Laicherbestands-Biomasse der Scholle ist daraufhin deutlich angestiegen und erreichte in 2014 den höchsten Wert seit Aufzeichnung der Daten in 1957. Seitdem ist der Bestand aufgrund natürlicher Schwankungen wieder leicht abgesunken, befindet sich aber weiterhin deutlich oberhalb sämtlicher Biomassenreferenzpunkte.

Die Fangempfehlung des ICES nach dem MSY-Konzept beträgt für das Jahr 2023 für Scholle aus der Nordsee und dem Skagerrak zusammen nicht mehr als 150.705 Tonnen. Sie liegt damit etwas oberhalb der letztjährigen Empfehlung (+5,8 %) und berücksichtigt abwechselnd stärkere und schwächere Jahrgänge. Der Gesamtfang in den letzten Jahren lag immer deutlich unter der empfohlenen Höchstfangmenge, da eine Ausfischung der Quoten nicht rentabel ist.

Das Assessment wurde 2022 gebenchmarkt. Etliche Parameter haben sich dabei deutlich verändert. Insgesamt bleibt die Einschätzung des Bestandes und der nachhaltigen Höchstfangmengen jedoch sehr ähnlich zu den Bestandsberechnungen der letzten Jahre. In den letzten Jahren ist eine Tendenz zu einem niedrigeren Gewicht der Einzeltiere zu beobachten, was auf eine Nahrungslimitation hindeuten könnte.

Die Erläuterung zur Scholle in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Holger Haslob

Die Laicherbestands-Biomasse der Seezunge in der Nordsee zeigte nach einem Hoch Anfang der 90er Jahre bis 2007 einen generell abnehmenden Trend. Nach diesem Tiefpunkt hat sich der Bestand leicht erholt und lag lange um den kritischen Referenzwert Blim.

Aufgrund eines starken Jahrganges 2018 stieg die Laicherbestands-Biomasse in den letzten Jahren an und der Bestand für 2021 lag nur noch knapp außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 insgesamt zurückgegangen, lag aber immer deutlich über dem Referenzwert von FMSY. Erst seit 2020 ist eine weitere Absenkung hin zu FMSY erkennbar und für 2021 liegt die fischereiliche Sterblichkeit fast auf FMSY-Niveau. Die ermittelte Rekrutierung liegt seit Anfang der 1990er Jahre meist ohne erkennbaren Trend unter dem langjährigen Mittel. Der Jahrgang 2018 ist jedoch – wie bereits erwähnt – sehr groß, was sich im ansteigenden Trend der Laicherbestands-Biomasse seit 2019 erkennen lässt. Dieser große Jahrgang trägt momentan den Großteil der Fischerei.

Der ICES berechnet eine maximale Fangmenge nach MSY-Ansatz von 9.152 Tonnen für 2023. Damit liegt die empfohlene Höchstfangmenge für 2022 40 % niedriger als die Vorjahresempfehlung. Grund für die niedrigere Fangempfehlung ist hauptsächlich, dass der große 2018er Jahrgang im aktuellsten Assessment schwächer – als die Jahre zuvor im Modell prognostiziert – eingeschätzt wird.

Die Erläuterung zur Seezunge in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Holger Haslob

Die Laicherbestands-Biomasse des Nordseeherings schwankt seit Ende der 1990er Jahre zwischen 1,2 und 2,4 Millionen Tonnen. Ein starker Rückgang des Laicherbestandes Mitte der 1990er-Jahre führte zu drastischen Fangbeschränkungen. Im Ergebnis erholte sich der Bestand. Seit 1996 liegt die Laicherbestands-Biomasse innerhalb biologisch sicherer Grenzen und die fischereiliche Sterblichkeit beständig unterhalb von FMSY.

Trotz der guten Bestandsstärke ist das Aufkommen an Heringsnachwuchs seit 2003 nur unterdurchschnittlich. Einzig 2013 brachte einen stärkeren Nachwuchsjahrgang hervor. Aus Heringslarvenfängen auf den Laichplätzen ist ersichtlich, dass nach wie vor ausreichend Larven schlüpfen. Diese erreichen jedoch zumeist nicht das Jungheringsstadium. Die Gründe hierfür sind nicht abschließend geklärt. Als Folge der niedrigen Nachwuchsproduktion sinkt der Bestand in den letzten Jahren kontinuierlich ab.

Gegenwärtig gibt es keinen zwischen der EU, Großbritannien und Norwegen abgestimmten Managementplan für den Nordseehering. Die Bestandsempfehlung folgt dem MSY-Ansatz. Die fischereilich bedingte Sterblichkeit ist unterhalb FMSY und die Laicherbestands-Biomasse liegt oberhalb der relevanten Referenzwerte. Allerdings nimmt die Biomasse langsam ab. Daher ist die wissenschaftliche Fangempfehlung des ICES für 2023 um 22 % reduziert worden und beträgt 414.886 Tonnen (davon 403.813 Tonnen für die Fischerei zur Humanernährung).

Neben der sogenannten A-Flotte zur Humanernährung existiert in der Nordsee auch eine Industriefischerei zur Erzeugung von Fischmehlen und -ölen (B-Flotte). Da hier vornehmlich Jungheringe als Beifang in der Sprottenfischerei auftreten, wird dieses Flottensegment mit einer eigenen Höchstmengenbegrenzung für Heringsbeifang versehen (2023 voraussichtlich 11.073 t). Außerdem vermischen sich vor der südlichen norwegischen Küste, im Skagerrak/Kattegat und in der westlichen Ostsee Heringsbestände aus Nord- und Ostsee und werden gemeinsam gefangen. Für den Ostseehering aus der westlichen Ostsee, dem Skagerrak und dem Kattegat empfiehlt der ICES für 2023 aufgrund der schlechten Bestandssituation ein Fangverbot. Daher sind auch die entsprechenden Empfehlungen für Fanganteile an Nordseehering in den angeführten Gebieten auf null gesetzt worden.

Neben den Fangdaten und den biologischen Beprobungen aus der Fischerei werden bei den Bestandberechnungen auch verschiedene Zeitserien aus wissenschaftlichen Forschungsreisen verwendet (Heringslarven-Survey, Jungheringsaufkommen, Bodentrawl-Fänge). Dazu kommen akustische Messungen zur Anzahl und Stärke der Heringsschwärme. Damit sind die Menge und Qualität an Eingangsdaten im Vergleich zu vielen anderen Beständen sehr gut.

Die Erläuterung zum Hering in der Nordsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Norbert Rohlf

Die Biomasse des Laicherbestandes der nordostatlantischen Makrele ist seit den 2000er Jahren substantiell bis zu einem Maximum 2014 gestiegen. Seitdem nimmt sie ab, wird aber weiterhin innerhalb sicherer biologischer Grenzen eingeschätzt. Die fischereiliche Sterblichkeit ist seit 2003 zurückgegangen und liegt seit 2016 unter FMSY. Seit den frühen 2000er Jahren haben sich einige große Jahresklassen entwickelt. Als Resultat der gestiegenen Biomasse und klimatischer Veränderungen hat sich der Bestand seit Ende der 2000er Jahre insbesondere während der weiten Fresswanderungen im Sommer stark in nordwestlicher Richtung (Island, Grönland) ausgedehnt. Dieser Prozess scheint sich aber aktuell nicht fortzuführen.

Für die Bestandsabschätzung wird ein altersbasiertes Modell angewendet. Dieses verwendet – neben den kommerziellen Daten – den alle drei Jahre stattfindenden Makreleneiersurvey, der auf die Laichansammlungen abzielt und seit mehreren Jahren auch einen nordischen „Swept area“ Survey, der den Bestand während der Fresswanderung erfasst. Außerdem wird der internationale Bodentrawl-Survey (IBTS) im 4. Quartal und 1. Quartal zur Abschätzung der Nachwuchssituation verwendet. Norwegische Markierungsdaten, bei denen über die Wiederfangraten die Bestandsgröße abgeschätzt wird, wurden in den letzten Jahren ebenfalls in das Assessment integriert.

Die neueste wissenschaftliche Empfehlung vom 30. September 2021 gibt eine maximale Fangmenge für 2022 von 795.000 Tonnen vor und liegt damit unter der Empfehlung vom Vorjahr von 852.000 Tonnen. In den Vorjahren konnten sich allerdings die Fischereinationen (z.B. EU-Staaten, Norwegen, Island, Grönland, Russland) nicht auf eine gemeinsame Höchstfangmenge einigen, und die einseitig aufgestellten unilateralen Quoten folgten den wissenschaftlichen Empfehlungen in der Gesamtmenge nicht. Makrele wird auch in internationalen Gewässern befischt, was das Management zusätzlich erschwert.

Die Erläuterung zur Makrele im Nordostatlantik als PDF zum Download (Stand: 2022)

Ansprechpartner: Jens Ulleweit

Dieser Bestand befindet sich derzeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestands-Biomasse befindet sich seit 2002 innerhalb sicherer biologischer Grenzen und erreichte 2013 ihren historischen Höchststand. Seitdem hat die Biomasse abgenommen, der Bestand wird aber weiterhin nachhaltig befischt, die fischereiliche Sterblichkeit (F) liegt seit 2008 unter bzw. bei dem Referenzwert FMSY.

Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 708.480 Tonnen in 2022 liegt deutlich unter der empfohlenen Höchstfangmenge für 2021 von 885.600 Tonnen. Der Grund dafür ist, dass die Bestandsgröße abnimmt und zusätzlich nach dem aktuellsten Assessment niedriger als im Vorjahr eingeschätzt wird.  Die Survey-Indizes sind im letzten Jahr niedriger als erwartet ausgefallen.  Die empfohlene Fangmenge entspricht einer fischereilichen Sterblichkeit von 0,61, welches knapp über dem FMSY-Bereich von 0,40 – 0,60 liegt.  Gemäß FMSY wäre die empfohlene Fangmenge deutlich niedriger (532.968 Tonnen), allerdings begrenzen die Befischungsregeln (Harvest Control Rules) im norwegisch-russischen Managementplan eine Abnahme (oder Zunahme) der Höchstfangmengen von einem auf das nächste Jahr auf 20 %. 

Da russische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit von der ICES-Arbeit ausgeschlossen sind, konnte in diesem Jahr keine Bestandsberechnung durchgeführt werden, so dass keine aktuelle Einschätzung aus 2022 im ICES zu diesem Bestand verfügbar ist.  

Die Erläuterung zum Kabeljau in der Nordostarktis als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Matthias Bernreuther

Die deutsche Flotte fischt Rotbarsch hauptsächlich am Grönlandschelf und bis 2020 in der Irmingersee. Dort kommen zwei Rotbarscharten, der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (S. norvegicus, ehemals S. marinus), in mehreren Beständen vor. Der Zustand dieser Bestände ist unterschiedlich. Am Ostgrönlandschelf werden außerdem die beiden Arten gemeinsam gefangen. Eine Unterscheidung zwischen S. norvegicus und S. mentella ist oft schwierig, so dass es zu Fehlmeldungen zwischen den gemeinsam vorkommenden Arten kommt bzw. beide Arten zusammen als „Rotbarsch“ gemeldet werden.  

Der S. norvegicus-Bestand am Ostgrönlandschelf gehört zu dem größtenteils am Islandschelf vorkommenden Bestand. Die Laicherbestands-Biomasse befindet sich seit 2009 innerhalb sicherer biologischer Grenzen und wird seit 2010 annähernd nach dem MSY-Prinzip befischt, da die fischereiliche Sterblichkeit meist leicht über dem FMSY-Wert von 0,097 lag. Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 25.545 Tonnen für 2023 liegt ca. 6.300 Tonnen unterhalb der erlaubten Höchstfangmenge für 2022 von 31.855 Tonnen und basiert auf dem grönländisch-isländischen Managementplan für S. norvegicus. Sorge bereitet die Nachwuchsproduktion, da diese seit 2011 gering ausfällt und es wird erwartet, dass die Laicherbestands-Biomasse auch in 2023 weiter abnimmt.

Der genaue Zustand des am Grönlandschelf vorkommenden S. mentella-Bestandes kann nicht genau eingeschätzt werden. Der Bestand hat seit 2010 abgenommen und sich in darauffolgenden Jahren nicht verbessert. Da der aktuellste Biomasse-Index des grönländischen Flachwassersurveys (Greenland Shallow Water Survey) aus 2020 nahe null lag, empfiehlt der ICES für 2022 und 2023, keine Fänge von diesem Bestand mehr zu tätigen.

In der benachbarten Irmingersee kommen zwei weitere S. mentella-Bestände vor, die mit pelagischen Schleppnetzen gefangen werden. Diese beiden Bestände haben ebenfalls so stark abgenommen, dass der ICES für den flachen Bestand seit 2010 und für den tiefen Bestand seit 2017 empfiehlt, keine Fänge zu tätigen. 2021 konnte der Bestandszustand des flachen S. mentella-Bestandes in der Irmingersee erstmalig seit 2013 wieder eingeschätzt werden. Das Ergebnis des Surveys war etwas positiver, da der Biomasse-Index den höchsten Wert seit 2005 aufwies, aber im historischen Vergleich weiter auf niedrigem Niveau bleibt. Trotz der leicht positiveren Einschätzung bleibt es bei der Empfehlung eines Nullfangs, da dieses Ergebnis in dem nächsten wissenschaftlichen Survey zunächst bestätigt werden muss. Der tiefe Bestand (> 500 m Wassertiefe) wird schon seit den 1990er Jahren mit einer fischereilichen Sterblichkeit von deutlich über FMSY befischt. Die Ergebnisse des oben erwähnten Surveys in 2021 weisen für den tiefen Bestand den niedrigsten Biomassewert seit Beginn des Surveys auf. Während z.B. Russland weiterhin auf diese Bestände fischt, erlaubt die EU aktuell keine Fischerei auf die beiden Bestände.

Die Erläuterung zum Rotbarsch bei Grönland und in der Irmingersee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Christoph Stransky, Dr. Matthias Bernreuther

Am norwegischen Schelf, in der Norwegensee und in der Barentssee sind ebenfalls die zwei Rotbarscharten von kommerzieller Bedeutung anzutreffen: der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (Sebastes norvegicus).

Der Sebastes mentella-Bestand befindet sich derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestands-Biomasse hat zwischen 1992 und 2005 stetig zugenommen und sich seitdem auf hohem Niveau stabilisiert. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 niedrig (F = 0,01 – 0,06), und seit 2006 werden wieder starke Nachwuchsjahrgänge beobachtet. Gemäß dem Vorsorgeansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von nicht mehr als 67.210 Tonnen für 2022. Diese Empfehlung liegt damit leicht über der erlaubten Höchstfangmenge für 2021 von ≤ 66.158 Tonnen. Im August 2022 wird ein, alle drei Jahre stattfindender, wissenschaftlicher Survey auf den pelagischen Anteil dieses Bestandes in der Norwegensee durchgeführt. Nach Auswertung der Ergebnisse dieses Surveys kann die Einschätzung des Bestandszustandes in 2023 aktualisiert werden.

Der am norwegischen Schelf und in der Barentssee vorkommende Goldbarschbestand (S. norvegicus) befindet sich dagegen derzeit in einem schlechten Zustand. Die Laicherbestands-Biomasse hat seit den späten 1990er Jahren kontinuierlich abgenommen und befindet sich auf dem niedrigsten Stand in der Zeitserie der Bestandsabschätzungen. Daher empfiehlt der ICES, keine Fänge für die Jahre 2022 und 2023 zu tätigen. Zusätzlich empfiehlt ICES, die Beifänge an Goldbarsch in anderen Fischereien, wie z.B. auf Kabeljau und Seelachs, möglichst gering zu halten. Dennoch wurden international in den letzten Jahren 3.000 bis 10.000 Tonnen jährlich gefangen. 

Die Erläuterung zum Rotbarsch in der Norwegensee/Barentssee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Christoph Stransky, Dr. Matthias Bernreuther

Der Kabeljaubestandskomplex vor Grönland gliedert sich nach gegenwärtigem Erkenntnisstand in drei Untereinheiten mit deutlichen ökologischen Unterschieden. Der westliche Küstenbestand lebt in den ausgedehnten Fjordsystemen, der Hochseebestand gliedert sich in einen westlichen (West-Grönland) und einen östlichen (Südwest-Grönland bis Island). Der östliche Hochseebestand steht in einem Austausch mit dem Kabeljaubestand vor Island. Historisch war die Hochzeit der Kabeljaufischerei vor Grönland mit einem sehr großen westlichen Hochseebestand verbunden, während die Erholung seit 2000 auf ein Erstarken der östlichen Komponente zurückzuführen ist. Insgesamt vermischen sich die Bestände während der unterschiedlichen Lebensstadien. Daher ist es schwierig, die Fänge einer Population zuzuordnen.

Nach dem Zusammenbruch der Bestände Anfang der 1990er Jahre erfolgte eine 10-jährige Periode mit sehr geringer Populationsdichte. Der Aufwärtstrend nach 2000 ist von erheblichen Schwankungen betroffen. Nach einem Moratorium bis 2005 wurde 2006 die Fischerei wieder zugelassen.

Problematischerweise konnten im Jahr 2021 aufgrund von schlechten Wetterverhältnissen und technischen Problemen mit den Schiffen weder das Thünen-Institut noch das grönländische Institut für natürlich Ressourcen wissenschaftliche Expeditionen durchführen. Aktuellste Bestandsberechnungen weisen jedoch auf einen leichten Rückgang des Laicherbestandes hin und somit sinkt die wissenschaftliche Fangquotenempfehlung für 2023 leicht von 8.768 auf 8.460 Tonnen. In den letzten Jahren lagen die politisch festgelegten Höchstfangmengen aber immer um ein Vielfaches über den wissenschaftlichen Empfehlungen.

Der westgrönländischen Hochseebestand befindet sich im historischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau. Sowohl die Ergebnisse der grönländischen als auch der deutschen Forschungsfahrten von 2020 zeigen eine sehr niedrige Bestandsgröße. Folgerichtig lautet die wissenschaftliche Empfehlung für die Jahre 2022 und 2023, den Bestand nicht zu befischen.

Die Erläuterung für den Kabeljau vor Grönland als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Karl-Michael Werner

Für den Schwarzen Heilbutt als Tiefenbestand liegt für das große Abschätzungsgebiet von den Färöern, Island und Ost-Grönland keine einheitliche wissenschaftliche Forschungsreise vor. Entsprechend wird die Bestandsdynamik neben einem kombinierten Forschungsindex zu einem größeren Teil aus kommerziellen Fangdaten abgeschätzt, wobei die Ergebnisse von der Gewichtung der einzelnen Eingangsparameter abhängig sind.

Eine wissenschaftliche Bestandsabschätzung liegt vor, weist jedoch größere Unsicherheiten auf. Der Bestand zeigt eine Erholung, nachdem die Bestandsdichte 1994-1996 und 2003-2006 ihre niedrigsten Werte erreicht hatte. In den letzten Jahren ist der Bestand stabil in biologisch sicheren Bereichen. Nach ICES-Empfehlungen für 2022 sollte die Jahresfangmenge 26.650 Tonnen nicht übersteigen. Dies entspricht einer Anhebung von 13 % im Vergleich zum Vorjahr. Laut der aktuellen Abschätzung liegt die fischereiliche Sterblichkeit im nachhaltigen Bereich, die Abschätzung ist jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet.

Die Erläuterung zum Schwarzen Heilbutt als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Karl-Michael Werner

Die gerichtete Fischerei auf Dorsch der östlichen Ostsee ist schon seit Mitte 2019 geschlossen, zumindest in den Gewässern der EU. Es werden in geringem Umfang Fänge Russlands und Beifänge in der gemischten Plattfischfischerei der EU erzielt. Obwohl der Fischereidruck inzwischen verschwindend gering ist, zeigt der Bestand keinerlei Anzeichen für eine Erholung. Die natürliche Sterblichkeit ist inzwischen 9-mal höher als die fischereiliche. Kritisch ist vor allem der Sauerstoffmangel in den tiefen Becken der östlichen Ostsee. Dadurch gehen wichtige Laich- und Futterareale verloren.

ICES empfiehlt für 2023 auf Basis des Vorsorgeansatzes erneut eine Schließung der Fischerei. Die EU hat dies bislang in eine Beifangquote von 595 Tonnen übersetzt und die Freizeitfischerei geschlossen. Bewirtschaftungsziel ist inzwischen nicht mehr der Bestandsaufbau für eine nachhaltige Bewirtschaftung, sondern die Bewahrung der Reste dieses Bestandes.

Die Erläuterung für den Dorsch in der östlichen Ostsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Uwe Krumme

Dieser kleine, aber ehemals sehr produktive Dorschbestand wurde seit den frühen 2000er Jahren überfischt, d. h. der Fischereidruck wurde nicht an die schwächer werdende Nachwuchsproduktion angepasst. Trotz einiger Warnungen sah sich die Politik nicht in der Lage, den gültigen Bewirtschaftungsplan anzupassen – vor allem, weil Europaparlament und Ministerrat über die Zuständigkeit dafür uneinig waren.
2015 produzierte der Bestand dann nur noch 10 % der durchschnittlichen Nachwuchsmenge – er kollabierte. Die Politik ergriff zu diesem Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen, reduzierte die kommerzielle Fangmenge drastisch und beteiligte die Freizeitfischerei, die erheblichen Anteil an der Gesamtentnahme hat, an den Erholungsmaßnahmen.
Auch wenn der folgende Jahrgang (2016) viel stärker war und der Bestand sich zunächst positiv entwickelte: Seit 2017 kommen nur noch schwache bis sehr schwache Jahrgänge nach. Die Ursache hierfür ist noch nicht schlüssig aufgeklärt, wie beim Ostdorsch ist der Einfluss der Umweltbedingungen aber offenbar inzwischen größer als der der Fischerei. Der Bestand schrumpfte wieder und ist nun nur noch halb so groß wie der Limit-Referenzwert.
Eine geänderte Bestandsberechnung 2021 ließ den Bestandszustand noch schlechter erscheinen. Seit 2022 ist die gerichtete Fischerei geschlossen, es wurde eine sehr knappe Beifangquote (kleiner als 500 Tonnen) festgesetzt, um die übrigen Fischereien in der westlichen Ostsee offen halten zu können. Für 2023 empfiehlt der ICES auf der Basis des Mehrjahres-Bewirtschaftungsplans eine Fangmenge von 943 Tonnen. Nach Abzug der Fänge der Freizeitfischerei und der (überwiegend illegalen) Rückwürfe ist es wahrscheinlich, dass die gerichtete Fischerei geschlossen bleibt und erneut eine Beifangquote in der jetzigen Größenordnung festgelegt wird.
Die Fischerei berichtet, dass Dorsch in diesem Gebiet nicht mehr zu fangen ist. Insbesondere die größeren Schleppnetzkutter in Schleswig-Holstein, die maßgeblich von Dorschfängen lebten, werden daher abgewrackt.

Die Erläuterung für den Dorsch in der westlichen Ostsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Uwe Krumme

Westhering ist der Brotfisch der deutschen Küstenfischerei vor allem an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Seit ungefähr 2004 lässt der Nachwuchs immer weiter nach, und es dauerte einige Zeit, bis die Fangmengen an diese Situation ausreichend angepasst wurden. Die Ursache für die nachlassende Rekrutierung ist nach 15 Jahren gerichteter Forschung weitgehend aufgeklärt: Spätere und wärmere Winter führen dazu, dass die Heringslarven ihre wichtigste Nahrung zeitlich „verpassen“ und verhungern.

Inzwischen ist der Bestand stark geschrumpft und nur noch halb so groß wie der Limit-Referenzwert. ICES empfiehlt daher seit vielen Jahren die Schließung der Fischerei. Für das Managementgebiet westliche Ostsee wurde diese Empfehlung annähernd befolgt: Die legalen Fangmengen wurden allein zwischen 2017 und 2021 um 94 % reduziert. Im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes (Kattegat und Skagerrak) blieben die erlaubten Fangmengen dagegen viel zu hoch: Zwischen 2017 und 2021 wurden sie nur um 57 % reduziert. In der Folge wurde der deutschen Küstenfischerei die Grundlage entzogen, die Fangmengen blieben aber dennoch so hoch, dass der Bestand sich nicht erholen konnte. Erst für 2022 konnten sich Deutschland, Schweden, Dänemark und Norwegen auf weitere drastische Kürzungen der Fangmenge auch in Kattegat und Skagerrak einigen. 80 % der Fänge werden dann in der östlichen Nordsee erzielt (unter dem Nordseeherings-TAC), nur noch je 10 % in Kattegat/Skagerrak und westlicher Ostsee.

Der Bestand könnte sich nun innerhalb von 5-7 Jahren erholen, wenn der Fischereidruck niedrig bleibt. Allerdings liefert er auch dann nur noch die Hälfte der Fangmenge, die in den 1990er Jahren nachhaltige gefischt werden konnte. ICES bleibt auch für 2023 bei seiner Empfehlung, die Fischerei im gesamten Verbreitungsgebiet zu schließen.

Die Erläuterung für den Hering in der westlichen Ostsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Christopher Zimmermann

In der Ostsee werden fünf Plattfischarten kommerziell genutzt: Scholle, Flunder, Kliesche, Glattbutt und Steinbutt. Nur Scholle ist quotiert. Plattfische waren vor allem Beifang in der Dorschfischerei; es gab nur kleine gerichtete Fischereien, z. B. auf Steinbutt. Seit der Schließung der beiden Dorschfischereien gehören Plattfische zu den wenigen nutzbaren Zielarten der westlichen Ostsee.

Den beiden Schollenbeständen geht es offenbar gut, sie scheinen vor allem von dem sehr viel niedrigeren Räuberdruck durch den schlechten Zustand der Dorsche zu profitieren. Die Nachwuchsproduktion ist stark, ICES kann daher schon seit vielen Jahren eine Zunahme der Fangmenge empfehlen – für 2023 sind in der Ostsee (SD22-32) Fänge von 13.315 Tonnen möglich – eine Steigerung von 20,1 % im Vergleich zum TAC des Vorjahres.

Allerdings enthalten die Fänge Rückwürfe, die seit 2017 ganz überwiegend illegal sind und dennoch über 20 % der Fänge aus dem Gebiet ausmachen. Der Schollen-TAC wird nicht annähernd ausgefischt, was an einer sehr ungleichen Verteilung der nationalen Quoten liegt: Dänemark stehen drei Viertel der Fänge zu, die anderen Nationen teilen sich den Rest. Für diese Fischereien, einschließlich der deutschen, sind die Quoten also stark limitierend, für Dänemark dagegen nicht.

Es gab im Jahr 2022 erste Hinweise darauf, dass die gefangenen Schollen dünner werden, sich ihre Kondition also verschlechtert. Ob dies ein Dichteeffekt ist, die Bestände also intensiver befischt werden müssten, oder eine Folge der sich ändernden Umweltbedingungen wie beim Dorsch, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Auch die anderen Plattfischbestände sind in der westlichen Ostsee in gutem Zustand und widerstehen dem derzeitigen Fischereidruck. Die durch den Plattfischfang erzielbaren Einkünfte können die Fangverluste bei Hering und Dorsch jedoch nicht annähernd ausgleichen.

Die Erläuterung für die Plattfische in der Ostsee als PDF zum Download

Ansprechpartner: Dr. Sven Stötera

Sprotte gehört zu den Profiteuren der geänderten Umweltbedingungen der Ostsee. Die Biomasse dieses derzeit größten Fischbestandes in der Ostsee (mehr als eine Million Tonnen Laicherbiomasse) liegt seit vielen Jahren weit im grünen Bereich, derzeit der Fischereidruck ist jedoch etwas zu hoch.

Die deutsche Fischerei nutzt diese Ressource mit zwei großen (ca. 50 Meter langen) und wenigen kleineren Schleppnetzfahrzeugen, vor allem für die Herstellung von Fischmehl und Fischöl. Die Nachwuchs-Jahrgänge 2019 und 2020 waren überdurchschnittlich, der Jahrgang 2021 dagegen eher schwach.

ICES empfiehlt für 2023 auf Basis des Mehrjahres-Bewirtschaftungsplans eine Reduzierung der Fänge um 16 % (im Vergleich zum TAC für 2022) auf max. 249.237 Tonnen. Diese Menge schließt die russische autonome Quote in Höhe von rund 45.000 Tonnen ein. Die Bestandsberechnung wird zukünftig unsicherer, weil russische Daten nicht mehr übermittelt werden.

Die Erläuterung für die Sprotte in der Ostsee als PDF zum Download

Ansprechpartnerin: Dr. Stefanie Haase

Einen umfassenden Überblick über den Zustand der meisten Meeres-Fischbestände, die für den deutschen Markt von Bedeutung sind, gibt das Portal Fischbestände online.

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