Expertise
Intakter Boden trotz schwerer Maschinen
Michael Kuhwald | 17.12.2025
Bodenverdichtung ist nahezu unsichtbar – die Folgen für Bodengesundheit und Erträge umso gravierender. Wo die größten Risiken liegen und wie Landwirtinnen und Landwirte gegensteuern können, erforscht das Thünen-Institut für Agrartechnologie.
Fast jede landwirtschaftlich genutzte Fläche wird im Laufe eines Jahres mehrfach befahren, sei es zur Aussaat, zur Düngung oder zur Ernte. Auf nassen Böden zeigt sich der Druck der Maschinen deutlich als Reifenspuren. Die Effekte im Inneren des Bodens sind hingegen nahezu unsichtbar, jedoch umso folgenreicher: Luftgefüllte Poren werden zusammengedrückt, der Boden wird verdichtet. Die Folge: Wasser fließt vermehrt oberflächlich ab, statt in den Boden einzusickern. Das erhöht das Risiko für Wassererosion – gleichzeitig sinken Erträge und die Ertragssicherheit.
Insbesondere die Verdichtung der tieferliegenden Unterböden ist problematisch, denn: dort kann der Boden nur unter hohem Aufwand und oft mit begrenztem Erfolg mechanisch gelockert werden. Eine natürliche Regeneration findet kaum statt und dauert Jahrzehnte. Über die Jahre können sich die Belastungen im Unterboden akkumulieren und so langfristig die Bodenfunktionalität einschränken.
Landmaschinen belasten den Boden
Die Radlast ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen. Gleichzeitig gab es wichtige Fortschritte in der Reifentechnologie, sodass Landwirtinnen und Landwirte ihre Felder nun mit geringeren Reifendrücken befahren können. So vergrößert sich die Aufstandsfläche der Räder und die Last wird besser verteilt. Die Belastung reicht dann nicht mehr so weit in den Unterboden hinein.
Auch die Häufigkeit der Befahrung wirkt sich auf die Bodenverdichtung aus. Generell gilt: je öfter ein Boden befahren wird, desto größer ist der Verlust an Bodenfunktionen. Dabei verursacht die erste Befahrung zumeist die stärkste Veränderung.
Messbar wird die Belastung etwa anhand von Druck-Setzungs-Messsystemen, die Forschende des Thünen-Instituts für Agrartechnologie entwickelt haben. Die Sensoren werden auf dem Acker eingegraben und registrieren den Druck, der bei der Befahrung auf den Boden wirkt sowie die Setzung des Bodens, also wie stark die Poren zusammengedrückt werden.
Die Belastbarkeit von Böden hängt von der Witterung ab
Je nach Standort und Witterung reagieren Böden unterschiedlich auf die Belastung durch Landmaschinen. Dabei ist entscheidend, wie feucht oder trocken der Boden zum Zeitpunkt der Befahrung ist: Je geringer die Bodenfeuchte, desto stabiler und belastbarer sind die Böden. Das führt so weit, dass sie in sehr trocken Jahren selbst die Befahrung mit schwersten Maschinen unbeschadet überstehen können. So hat etwa die Maisernte unter den extrem trockenen Bedingungen im Jahr 2018, trotz ihrer hohen Radlasten und häufigen Befahrungen, keine schädliche Bodenverdichtung hinterlassen. Im vorherigen Jahr waren die Böden deutlich feuchter und weniger belastbar.
Neben der Bodenfeuchte bestimmen auch Humusgehalt, Bodenstruktur und Bodenart – also wie sandig oder tonig ein Boden ist – die Stabilität des Bodens. Ein gut strukturierter und durchwurzelter Boden kann einer höheren Belastung standhalten. Ein frisch gepflügter Acker hat hingegen einen Großteil seiner Struktur verloren. Er gibt bei Belastung sofort nach und es bilden sich tiefe Fahrspuren.
Mithilfe von Computermodellen berechnen Thünen-Forschende in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Uni Kiel, wie belastbar Deutschlands Böden im Jahresverlauf sind. Dabei nutzen sie etwa Daten zur Bodenfeuchte oder zu den angebauten Fruchtfolgen.
Last verringern, Böden stärken
Eine schonende Befahrung gelingt, wenn die Maschinen den Boden nur so stark belasten, wie seine Struktur und Beschaffenheit es zulassen. Am wirksamsten ist es die Bodenstruktur das ganze Jahr über zu fördern und die Flächen bei nassen oder feuchten Bedingungen nicht zu befahren. In der Praxis ist das aufgrund von Zeit- und Kostendruck oft nur begrenzt umsetzbar. Müssen Landwirtinnen und Landwirte trotz ungünstiger Bedingungen aufs Feld, ist es ratsam, den Acker möglichst selten und mit geringem Reifendruck sowie niedriger Radlast zu befahren.
Um Landwirtinnen und Landwirte bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen für ihre Flächen zu unterstützen, haben Forschende des Thünen-Instituts für Agrartechnologie und der Universität Kiel Steckbriefe zu den wirkungsvollsten Ansätzen veröffentlicht.
So können Landwirtinnen und Landwirte ihre Böden vor schädlicher Bodenverdichtung schützen:
- Zwischenfrüchte anbauen. Zwischenfrüchte halten den Boden zwischen den Hauptkulturen bedeckt. Ihre Wurzeln lockern den Boden und stabilisieren die Bodenstruktur. So sind die Böden weniger anfällig für Verdichtung, Erosion und Verschlämmung.
- Böden schonend bearbeiten. Schonende Bearbeitung lockert den Boden nur oberflächlich und erhält dessen Struktur. Pflanzenreste verbleiben größtenteils als Mulch an der Oberfläche, wodurch die Tragfähigkeit erhalten und Bodenverdichtung reduziert wird.
- Maschinennutzung flexibler gestalten. Werden Landmaschinen, die sich mehrere Betriebe teilen, nur zu 80 statt zu 100 Prozent verplant, können Landwirt*innen flexibler auf Wetteränderungen reagieren. So können sie etwa bei nassen Bedingungen die Befahrung auf einen anderen Tag verschieben.
- Güllefässer am Feldrand lagern. Wird die Gülle vom Feldrand über Schläuche zum Fahrzeug geleitet, muss der schwere Tankwagen nicht über das Feld fahren. So schützt die Gülleverschlauchung vor Bodenverdichtung und schafft gleichzeitig mehr Spielraum für Feldarbeiten trotz nasser Bedingungen.
- Moderne Systeme zur Anpassung des Reifendrucks nutzen. Mit einer Reifendruckverstellanlage lässt sich der Druck je nach Einsatz anpassen: Auf dem Feld wird er gesenkt, um die Aufstandsfläche zu vergrößern, den Bodendruck zu reduzieren und Verdichtung zu verringern, auf der Straße kann er wieder erhöht werden.
- Zwillingsreifen und Breitreifen verwenden. Breit- und Zwillingsreifen vergrößern die Aufstandsfläche der Räder und verringern so den Druck auf den Boden.
Alle Infos zu diesen und weiteren Strategien, um Bodenverdichtung vorzubeugen, sind auf der Website der deutschen Forschungsinitiative Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie (BonaRes) zu finden.
Weiterführende Informationen
- Im Projekt SOILAssist erarbeiten Forschende gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten Strategien zur bodenschonenden Bewirtschaftung von Böden. Das Thünen-Institut koordiniert das Verbundprojekt.
- Die gezielte Auswahl und Einstellung von Fahrwerken kann helfen, Ackerböden schonend zu befahren. Wie das gelingt, erforschen Thünen-Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Forschenden aus ganz Deutschland und der Schweiz im Projekt „Bodenschonendes Befahren“.
- Die Lern- und Informationsmedien zur Bodenverdichtung im Ackerbau, die im Forschungsprojekt SoilAssist entstanden sind, können auf der Website der Forschungsinitiative BonaRes kostenlos heruntergeladen werden.
- Wie wichtig es ist, den Unterboden bei der Bewirtschaftung mitzudenken, zeigt das Thünen-erklärt Video „Der Unterboden – Tief verwurzelt in trockenen Zeiten“.
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