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Folge 12: Treibhausgase endlagern?

Holz, Humus oder Hightech zur langfristigen Kohlenstoff-Speicherung.

19.01.2023

Etwa zehn Prozent – so viele Treibhausgas-Emissionen bleiben von den derzeitigen übrig, wenn Deutschland bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral ist. Denn es wird nicht vermeidbare Emissionen geben, die kompensiert werden müssen. Das funktioniert beispielsweise, indem Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gespeichert wird. Doch wo soll das CO2 hin? Und welche CO2-Entnahme-Verfahren sind überhaupt erfolgversprechend?

„Für unsere 2050-Vision – und das ist eine optimistische Vision – haben wir für die Moore und organischen Böden gesagt, wir vernässen alles wieder, was wir in Deutschland haben und erreichen dadurch die CO2-Vermeidung in der Landwirtschaft.“
Dr. Nadine Mengis, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Aktuell bilden in Deutschland ausschließlich Wälder und Holzprodukte eine sogenannte Kohlenstoff-Senke. Bäume binden durch ihren Stoffwechsel etwa sieben Prozent der deutschen CO2-Emissionen. Weltweit sind es mehr als 25 Prozent. Deshalb ruhen die Hoffnungen auf dem Weg zur klimaneutralen Lebensweise vor allem auf den Wäldern. Großes Potenzial wird allerdings auch landwirtschaftlich genutzten Böden zugeschrieben, denn Humus beispielsweise gehört ebenfalls zu den Kohlenstoffspeichern.

Möglichkeiten und Ideen für menschgemachte CO2-Senken sind zum einen das verstärkte Bauen mit Holz, denn in langlebigen Holzprodukten kann der Kohlenstoff viele Jahrzehnte lang festgelegt bleiben. Zum anderen gibt es längerfristig Ideen, etwa Bioenergie mit „Capture and Storage“ zu kombinieren. Das Kohlendioxid würde dann direkt am Schornstein eingefangen und eingelagert werden, statt es in die Umluft zu entlassen. Auch die gezielte Stabilisierung pflanzlicher Biomasse durch die Herstellung von Pyrolysekohle wird als mögliche langfristige Kohlenstoffsenke diskutiert. Nicht zuletzt gibt es Ideen und Versuche, Kohlendioxid mit Hilfe von CO2-Filteranlagen aus der Atmosphäre oder auch dem Meer zu ziehen und dann geologisch zu speichern, beispielsweise in ausgedienten Erdgasreservoirs.

Welche Beiträge zur Kohlenstoffspeicherung Landwirtschaft und Waldwirtschaft tatsächlich leisten können, warum Moore und Meere eine so wichtige Rolle bei der CO2-Speicherung spielen, welche Möglichkeiten CO2-Filteranlagen bieten und warum dennoch kein Weg an der Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen vorbeiführt, besprechen unsere Gäste in dieser Folge: Dr. Nadine Mengis vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Prof. Andreas Krause vom Thünen-Institut für Holzforschung und Prof. Heiner Flessa vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz.

Literatur und Links

Unsere Gäste

Die Klima-Physikerin Dr. Nadine Mengis ist Expertin für die Bewertung von CO2-Entnahme-Verfahren. Sie leitet die Emmy-Noether-Arbeitsgruppe des FOOTPRINTS Projekts am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Gemeinsam mit Forschenden der Helmholtz-Klima-Initiative hat sie berechnet, wie Deutschland bis 2050 die Netto-Null bei CO2-Emissionen erreichen kann.

Professor Andreas Krause leitet das Thünen-Institut für Holzforschung. Er forscht vor allem zu Holzverbundwerkstoffen und beschäftigt sich mit Möglichkeiten der dauerhaften CO2-Speicherung in Holz, etwa der Möglichkeit, Baumstämme in ausgedienten Bergwerken einzulagern.

Professor Heinz Flessa, Leiter des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz, beschäftigt sich vor allem mit Landwirtschaft und Klimaschutz. Als Boden-Spezialist kennt er die Dynamiken von Kohlenstoff und Stickstoff in den Böden und forscht zu Böden als Quellen und Senken für klimarelevante Spurengase.

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