

Institut für
OF Ostseefischerei
Projekt
Innovationsprogramm Krabbenfischerei Schleswig-Holstein

Innovationsprogramm Krabbenfischerei Schleswig-Holstein
Die deutsche Krabbenfischerei auf Nordseegarnelen (Crangon crangon) steht vor großen ökologischen und technischen Herausforderungen. Durch innovative, von Krabbenfischern selbst eingebrachte Ideen sollen Beifang, Energieverbrauch und Umweltbelastung nachhaltig reduziert werden
Hintergrund und Zielsetzung
Die Krabbenfischerei in Schleswig-Holstein ist ein traditionsreicher Berufszweig, dessen Wurzeln über ein Jahrhundert zurückreichen. Über mehrere Generationen hinweg haben Fischer Nordseegarnelen, umgangssprachlich auch „Krabben“ genannt, gefangen und damit nicht nur zur regionalen Wirtschaft, sondern auch zur kulturellen Identität der Küstenregion beigetragen. Bis heute ist die Baumkurre das zentrale Fanggerät in dieser Fischerei. Dabei hält ein waagerechter „Baum“ das Netz offen und gleichzeitig bewegt sich die Baumkurre nahe am Meeresgrund und schreckt die Garnelen auf. Diese werden mit einem dahinterliegenden Netz eingesammelt und somit gefangen.
Die Krabbenfischerei steht vor ökologischen, technischen und ökonomischen Herausforderungen. Der hohe Treibstoffverbrauch belastet die Fischereibetriebe und das Ökosystem.
Gleichzeitig stellen die eingesetzten Baumkurren mit ihren besonders kleinmaschigen Netzen eine Herausforderung für den Schutz mariner Organismen dar. In den Krabbennetzen eingesetzte Selektionsvorrichtungen können größere Beifänge wie Fische oder benthische Wirbellose - etwa Seesterne oder Muscheln - aus dem Fang ausschleusen, dennoch gelangen vor allem kleinere Organismen sowie juvenile Individuen vieler Arten bis in den Steert. Dort besteht für sie kaum eine Möglichkeit zur Flucht, was zu erhöhtem Stress und einer reduzierten Überlebenswahrscheinlichkeit der Tiere beitragen kann.
Diese Faktoren machen deutlich, dass Optimierungen im Fanggerät und in der Fangtechnik notwendig sind, um die Krabbenfischerei langfristig ökologisch verträglicher zu gestalten und den Schutz mariner Lebensgemeinschaften zu verbessern. Neben ökologischen Aspekten erfordert auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Fischerei kontinuierliche Innovationen, die die Energieeffizienz erhöhen und den Betrieb nachhaltiger gestalten.
Um diesen Wandel praxisnah und realisitisch zu gestalten hat der Krabbenfischereibeirat Schleswig-Holstein das "Innovationsprogramm Krabbenfischerei" ins Leben gerufen. Das Projekt setzt dabei gezielt auf die Expertise und Kreativität derjenigen, die täglich auf See abreiten: Die Fischer selbst. Sie kennen die Herausforderungen ihres Berufs aus erster Hand und wissen, wo Verbesserungsbedarf besteht. Das Programm bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen und in einem durch das Thünen-Institut für Ostseefischerei wissenschaftlich begleiteten Rahmen zu testen. Eine monetäre Förderung durch den Krabbenfischereibeirat schafft dabei Freiräume, die im regulären Arbeitsalltag oft fehlen. So können innovative Ansätze erprobt werden für die sonst kein wirschaftlicher Spielraum vorhanden ist.
Im Innovationsprogramm wollen wir nachhaltige, praktikable und direkt in den Arbeitsalltag integrierbare Lösungen entwickeln. Diese sollen sowohl die ökologische Belastung der Krabbenfischerei reduzieren als auch den wirtschaftlichen Fortbestand des Traditionsberufs sichern. So wird eine Verbindung zwischen jahrhundertealter Fischereitradition und moderner, verantwortungsvoller Ressourcennutzung geschaffen.
Vorgehensweise
Die schleswig-holsteinischen Krabbenfischer haben die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen zur Verbesserung der Fischerei aktiv einzubringen. Über einen Antrag bei der Geschäftsführung des Krabbenfischereibeirats können sie Vorschläge für das Innovationsprogramm Krabbenfischerei einreichen. Bereits während der Entwicklung des Versuchsaufabaus und der Antragstellung erhalten sie umfassende wissenschaftliche Unterstützung durch das Thünen-Institut für Ostseefischerei. Diese Begleitung umfasst sowohl Hilfestellung bei der Beantragung finanzieller Fördermittel als auch die fachliche Betreuung bei der Ideenentwicklung und Umsetzung. Zudem werden die Fischer intensiv in die Datenerhebung an Bord eingewiesen, um eine fundierte Auswertung der Projekte zu gewährleisten.
Das Innovationsprogramm gliedert sich dabei in zwei aufeinander aufbauende Arbeitspakete: Kleinprojekte und Vertiefungen.
1. Kleinprojekte:
In diesem ersten Arbeitspaket werden die Ideen der Fischer erstmal praktisch erprobt. Die vorgeschlagenen Ansätze können sich auf ganz unterschiedliche technische Modifikationen beziehen - etwa Anpassungen an Netzen, Sortiereinrichtungen oder am Grundgeschirr inklusive der Baumkurre. Im Mittelpunkt steht stets das Ziel die Krabbenfischerei nachhaltiger zu gestalten und ökologische Belastungen zu reduzieren. Für jedes Kleinprojekt wird, falls erforderlich, eine individuell angepasste Strategie zur Erprobung und Datenerhebung entwickelt. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Datensammlung mit möglichst geringem Aufwand für den Fischer umgesetzt werden kann. So soll eine unkomplizierte und praxisnahe Bewertung der Idee ermöglicht werden.
Die grundlegende Intention der Kleinprojekte besteht darin, mit überschaubaren Mitteln eine erste Einschätzung über das Verbesserungpotential einer technischen Innovation zu gewinnen. Zeigt sich in dieser frühen Phase, dass die Idee tragfähig und vielversprechend ist, kann sie in einem anschließenden Vertiefungsprojekt (Arbeitspaket 2) weiter ausgearbeitet, technisch optimiert und umfassend getestet werden.
2. Vertiefungsprojekte
Die Vertiefungsphase knüpft an erfolgreiche Kleinprojekte an, deren Ergebnisse ein hohes Innovationspotential erkennen lassen. Ziel ist es die technischen Ideen detailliert weiterzuentwickeln und ihre Wirksamkeit unter möglichst vielfältigen Bedingungen zu überprüfen. Dazu besteht die Möglichkeit, mehrere Iterationsschritte zwischen kommerziellem Kutter und Forschungsschiff auszuführen. Diese enge Verzahnung ermöglicht gleichzeitig eine breite Datengrundlage und berücksichtig außerdem unterschiedliche praxisnahe Einsatzsituationen.
Ein besonderer Fokus liegt darauf die Innovationen über verschiedene Jahreszeiten hinweg zu testen, um ökologische Schwankungen, veränderte Umweltbedingungen und saisonale Anpassungen in der Fischerei angemessen abzubilden. Die für die Vertiefung ausgewählten Konzepte befinden sich dabei bewusst in einem frühen Entwicklungsstadium und sind noch nicht abschließend erforscht - so bleibt ausreichend Raum für gezielte Verbesserungen.
Zu Beginn der Vertiefungsphase wird die konkrete Aufgabenstellung präzise definiert: Wo zeigt das Konzept im bisherigen Entwicklungsstand Schwierigkeiten? Welche Aspekte funktionieren bereits gut? Wo bestehen ungenutzte Potenziale? Auf Basis dieser Fragen werden die notwendigen technischen Modifikationen und Handlungsschritte identifiziert. Anschließend werden klare Ziele für die Weiterentwicklung formuliert und die zu testenden Spezifiktionen festgelegt. Die praktischen Erprobungen auf See können zusätzlich durch umfangreiche Tests in einem Strömungskanal ergänzt werden. Diese Modellversuche liefern wertvolle Hinweise zur Leistungsfähigkeit der Innovation unter kontrollierten Bedingungen und erlauben eine noch präzisere Bewertung.
Insgesamt wird in der Vertiefungsphase zielgerichtet darauf hingearbeitet, eine praxistaugliche und nachhaltige Lösung zu entwickeln, die im realen Fischereibetrieb erfolgreich eingesetzt werden kann.
Thünen-Ansprechperson

Thünen-Beteiligte
Geldgeber
-
Bundesland Schleswig-Holstein
(national, öffentlich)
Zeitraum
8.2024 - 2.2026
Weitere Projektdaten
Projektstatus:
in Planung




