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Institut für

MA Marktanalyse

Projekt

Lebensmittelverluste an der Schnittstelle von Primärproduktion und Handel – Ursachen und Handlungsoptionen


Federführendes Institut MA Institut für Marktanalyse

Karotten auf Feld
© Eberhard Spaeth/Stock.Adobe.com

Handlungsoptionen zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten an der Schnittstelle von Primärproduktion und Handel - am Beispiel von Obst und Gemüse

Die Vereinten Nationen, die EU und Deutschland verfolgen das Ziel, mit Lebensmitteln weniger verschwenderisch umzugehen. Doch welche Handlungsoptionen stehen zur Verfügung, um dieses Ziel zu erreichen?

Hintergrund und Zielsetzung

Ein Viertel des landwirtschaftlich genutzten Wassers weltweit, eine Landfläche so groß wie China und 4,4 Gigatonnen CO2-Äquivalente: So beziffern die FAO und das Food Loss and Waste Protocol den jährlichen ökologischen Fußabdruck, der allein durch die Produktion aller entsorgten und verlorenen Lebensmittel entsteht.

In diesem Promotionsvorhaben untersuchen wir Ursachen für Lebensmittelverluste von der landwirtschaftlichen Produktion bis hin zum Einzelhandel am Beispiel von Obst und Gemüse und Handlungsoptionen diese zu reduzieren. Obwohl der Hauptanteil aller Lebensmittelabfälle in Deutschland auf private Haushalte zurückgeführt werden kann, entfällt ein beachtlicher Anteil von 30 Prozent auf den Bereich innerhalb der Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis zum Einzelhandel. Dabei ist die ungewisse Menge an Vorernteverlusten noch nicht einmal beziffert.

Bisherige Forschungen legen nahe, dass die Interaktionen zwischen den Stufen und Akteuren der Wertschöpfungskette Einfluss auf die Entstehung von Lebensmittelverlusten nehmen. Diese stufenübergreifenden Ursachen und Mechanismen werden in diesem Forschungsprojekt tiefergehend untersucht.

Zielgruppe

Wissenschaftler*innen, politische Entscheidungsträger*innen, Primärproduzenten, Einzelhandelsunternehmen

Vorgehensweise

Wir untersuchen drei aufeinander aufbauende Teilaspekte:

  1. Ungleich verteilte Marktmacht: Anhand von Interviews mit Expert*innen untersuchen wir, wie sich Machtungleichgewichte in der Lieferkette niederschlagen und das Entstehen von Lebensmittelverlusten begünstigen.
  2. Qualitätsstandards: In einem Teilprojekt quantifizieren wir anhand einer Auswahl relevanter Obst- und Gemüsekulturen, welcher Anteil der Lebensmittelverluste auf Produktanforderungen des Lebensmitteleinzelhandels zurückzuführen ist. Darauf aufbauend geben wir Empfehlungen, wie die Anforderungen angepasst werden müssten, um die entstehenden Verluste zu reduzieren.
  3. Handlungsoptionen: Aus den Interview- und Fragebogendaten leiten wir ab, welche Politikinstrumente auf eine Reduzierung der Lebensmittelverluste hinwirken können.

Daten und Methoden

Interviews mit Expert*innen und Fragebogenstudien bilden die Grundlage des Forschungsprojektes. In qualitativen Interviews mit Erzeuger*innen, Erzeugerorganisationen und dem Lebensmitteleinzelhandel gewinnen wir einen tiefen Einblick in die Schnittstelle und die Ursachen für Lebensmittelverluste zwischen Produktion und Handel. Darauf aufbauende quantitative Fragebögen in den Zuliefererketten von Obst und Gemüse sollen Aufschluss über die Verlustmengen und ihre Ursachen geben. Hierbei arbeiten wir eng mit einem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sowie mit den Dialogforen zusammen.

Unsere Forschungsfragen

  1. Auf welche Weise sind Interaktionen in der Lebensmittelwertschöpfungskette durch Machtungleichgewichte beeinflusst, und wie führt dies zu Lebensmittelverlusten in der vorgelagerten Wertschöpfungskette von Obst und Gemüse?
  2. Wie hoch sind die Lebensmittelverluste, die durch Qualitätsanforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an Obst und Gemüse anfallen, und welche Anpassungen sind für eine Reduzierung notwendig?
  3. Welche politischen Instrumente könnten initiieren, dass Lebensmittelverluste reduziert werden? Welche politischen Instrumente könnten privatwirtschaftliche Handlungsoptionen zur Reduzierung der Lebensmittelverluste unterstützen?

Vorläufige Ergebnisse

Die Auswertung der Interviews mit den Expert*innen zeigte, dass Machtungleichgewichte zwischen Produktion und Handel sich in

  • geringer Verbindlichkeit bzgl. Bestellmengen
  • sehr kurzfristigen Bestellungen
  • fehlenden Abnahmegarantien
  • unternehmensspezifischen Produktanforderungen an Aussehen, Verpackung und Pflanzenschutzmittelgrenzwerte
  • Festlegung von Bestellungen und Werbung auf Abnehmerseite

äußern. So stellt das Verschieben ökonomischer Risiken in die vorgelagerte Wertschöpfungskette einen Auslöser für Lebensmittelverluste in der landwirtschaftlichen Produktion dar.

Links und Downloads

http://www.fao.org/sustainable-development-goals/indicators/1231/en/

https://ec.europa.eu/info/food-farming-fisheries/key-policies/common-agricultural-policy/market-measures/agri-food-supply-chain/unfair-trading-practices_de

https://www.lebensmittelwertschaetzen.de/strategie/nationales-dialogforum/?L=0

Zeitraum

10.2019 - 9.2023

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Herzberg R, Schmidt TG, Keck M (2022) Market power and food loss at the producer-retailer interface of fruit and vegetable supply chains in Germany. Sustain Sci:in Press, DOI:10.1007/s11625-021-01083-x

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064515.pdf

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