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Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Institut für

LV Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Projekt

Naturschutz auf ökologischen Vorrangflächen


Federführendes Institut LV Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Eingesäte Blühfläche
© Thünen-Institut/Sarah Baum

Naturschutzfachliche Ausgestaltung von ökologischen Vorrangflächen – Praxishandbuch und wissenschaftliche Begleitung

Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik mussten die meisten landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerland 5% ihrer Flächen im Umweltinteresse nutzen und diese als ökologische Vorrangflächen ausweisen. Wie wurden diese Flächen vorher genutzt? Wie wirksam waren sie für den Naturschutz?

Hintergrund und Zielsetzung

Die Biodiversität in Agrarlandschaften unterliegt einem deutlichen Rückgang. Im Zentrum der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU aus dem Jahr 2013 stand die Ökologisierung oder „Begrünung“ der ersten Säule der GAP (Direktzahlungen an Landwirte). Landwirte mussten von 2015 bis 2022 Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) bereitstellen. Landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 15 Hektar Ackerfläche hatten, mussten diese im Umfang von 5% ihrer Ackerfläche ausweisen. Für die nationale Umsetzung konnte Deutschland aus einer umfangreichen Liste unterschiedlicher Flächentypen auswählen. Ein Teil davon lies eine landwirtschaftliche Nutzung zu (z. B. Kurzumtriebsplantagen, Zwischenfrüchte), ein anderer Teil dagegen nicht (z.B. Brachflächen, Landschaftselemente).

Die ökologische Wirksamkeit der neuen ÖVF-Regelungen wurde zum damaligem Zeitpunkt kontrovers diskutiert. Umstritten war auch die Verhältnismäßigkeit des hohen Aufwands für die Verwaltung und Kontrolle dieser Maßnahmen. Die Europäische Kommission legte 2018 ihre Leitideen zur Weiterentwicklung der GAP dar. Im Fokus lag dabei wie die GAP zukünftig verstärkt zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie dem Wasser-, Klima- und Bodenschutz beitragen kann.

Im Rahmen des Projektes wurde bewertet wie wirksam Ökologische Vorrangflächen für den Naturschutz in der deutschen Agrarlandschaft waren, um praxisnahe Empfehlungen abzuleiten. Die Ergebnisse geben Anregungen wie die Wirksamkeit der ÖVF gesteigert werden konnte.

Zielgruppe

Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt, Landwirte, Beratung, amtlicher Naturschutz, Agrarverwaltung, EU-Kommission

Vorgehensweise

Im ersten Arbeitsschritt sammelten wir bestehendes Wissen zur ökologischen Qualität von ÖVF und zur Umsetzung in anderen europäischen Ländern und werten diese aus; ebenso analysierten wir rechtliche und förderpolitische Hintergründe.

Des Weiteren wurden schlagspezifische Felduntersuchungen sowie Befragungen von Landwirten in vier unterschiedlichen Ackerbauregionen Deutschlands vorgenommen, um die ökologische Bedeutung von ÖFV unter verschiedenen Standortbedingungen zu bewerten. Es wurden Grundlagen für ein Monitoringsystem der „Greening“-Effekte entwickelt.

Auf Grundlage der Verwaltungsdaten der Bundesländer wurde ermittelt, welche ÖVF-Typen ausgewiesen wurden und von welchen naturräumlichen und betrieblichen Gegebenheiten diese Auswahl abhing. Weiterhin wollten wir klären, inwieweit bereits bestehende Landschaftselemente eingebunden oder neue geschaffen werden. Dies war auf Grundlage der vorliegenden Daten nicht möglich.

Daten und Methoden

Die Auswertung von Literatur, Studien und Projekten in Verbindung mit schlagspezifischen Felduntersuchungen der Flora und Fauna, die Befragungen von Landwirten in unterschiedlichen Regionen sowie die Analyse statistischer Daten zur ÖVF-Auswahl und -Ausweisung verschafften uns ein umfassendes Bild darüber, wie Ökologische Vorrangflächen umgesetzt wurden und wie wirksam sie für den Naturschutz waren. Auf Basis dieser Erkenntnisse konnten wir Empfehlungen für Praxis und Politik ableiten, die auf eine möglichst günstige Relation von Umweltnutzen und Kosten abzielten.

Unsere Forschungsfragen

Wie setzten die Landwirte die neuen ÖVF-Regelungen um, und wovon hingihre Entscheidung ab?

Welche Rolle spielten Beratung und die Wechselwirkungen mit weiteren Instrumenten (Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen, rechtliche Vorgaben etc.)?

Welchen naturschutzfachlichen Mehrwert hatten die unter den damaligen Bedingungen etablierten ÖVF?

Welche Monitoring-Ansätze eigneten sich zur Bewertung der naturschutzfachlichen Qualität von ÖVF?

Welche Erfahrungen gab es bezüglich Verwaltungsaufwand und Rechtssicherheit?

Wie konnte der Nutzen der ÖVF für den Naturschutz erhöht werden?

Wie konnten für Landwirte betriebswirtschaftlich günstige Optionen aussehen, die gleichzeitig naturschutzfachlichen Mehrwert generierten?

Ergebnisse

Das Projekt zeigt, inwiefern neben politischen Vorgaben betriebs- und regionalspezifische Faktoren die Auswahl und Umsetzung von ÖVF und so deren ökologische Wirksamkeit beeinflussen. Weitere Informationen können dem Abschlussbericht und den Veröffentlichungen entnommen werden.

Links und Downloads

Dachprojekt Greening: Ökologische Begleitforschung zum Greening der Gemeinsamen Agrarpolitik

Praxishandbuch zur naturschutzfachlichen Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen

https://www.thuenen.de/de/lr/projekte/naturschutzfachliche-entwicklung-von-oekologischen-vorrangflaechen-2017-2019/

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

4.2015 - 12.2016

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: FKZ 3514824100
Förderprogramm: BMUB - Umweltforschungsplan
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Milz E, Baum S, Lepp T, Kronenbitter J, Ackermann A, Schramek J (2018) Ökologische Vorrangflächen: Gut gedacht - schlecht gemacht? Natur Landsch 93(6):258-265, DOI:10.17433/6.2018.50153583.258-265

  2. 1

    Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Milz E, Baum S, Lepp T, Kronenbitter J, Ackermann A, Schramek J (2017) Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen. Bonn: BfN, 192 p, BfN Skripten 472, DOI:10.19217/skr472

  3. 2

    Lakner S, Röder N, Baum S, Ackermann A (2017) The German implementation of Greening - effectiveness, participation & policy integration with the agri-environmental programs : contributed poster to the XV EAAE Congress ; Towards Sustainable Agri-Food Systems: Balancing between Markets and Society ; Munich, Sept., 13th-15th, 2017. München, 12 p

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn059227.pdf

  4. 3

    Lakner S, Röder N, Baum S, Ackermann A (2017) What we can learn from the German implementation of greening - effectiveness, participation and policy integration with the agri-environmental programs ; Vortrag anlässlich der 57. Jahrestagung der GEWISOLA (Gesellschaft für Wirtschafts- uns Sozialwissenschaften des Landbaues e.V.) und der 27. Jahrestagung der ÖGA (Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie) "Agrar- und Ernährungswirtschaft zwischen Ressourceneffizienz und gesellschaftlichen Erwartungen", Weihenstephan, 13. bis 15. September 2017 Weihenstephan, 13. bis 15. September 2017 . GEWISOLA, 13 p

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn059213.pdf

  5. 4

    Nitsch H, Röder N, Oppermann R, Baum S, Schmarek J (2016) Naturschutzfachliche Ausgestaltung von Ökologischen Vorrangflächen : Praxishandbuch. Frankfurt am Main: IflS, 17 p

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