

Institut für
WI Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen
Zahlen & Fakten 01/2026
Wirtschaftliche Entwicklung 2024/2025 in ländlichen Räumen
Jan Cornelius Peters, Petrik Runst | 18.02.2026 | PDF-Download
- Bundesweit ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe von 2022 bis 2025 um knapp 156 Tsd. Personen gesunken. In 125 Tsd. Fällen waren ländliche Räume betroffen.
- In ostdeutschen ländlichen Regionen gingen die Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe mit einer sinkenden Gesamtbeschäftigung einher, ebenso in ländlichen GRW-Fördergebieten.
- Unternehmensgründungen sind derzeit sowohl in ländlichen als auch in urbanen Regionen eher selten. Besonders im verarbeitenden Gewerbe ist die Zahl der Gründungen rückläufig.
Die deutsche Volkswirtschaft steht aktuell unter erheblichem Transformationsdruck. Gründe sind der technologische und der demografische Wandel, Veränderungen auf den Weltmärkten sowie hohe Energiepreise in Verbindung mit dem Krieg in der Ukraine und der angestrebten Treibhausgasneutralität. Im internationalen Vergleich ist die Entwicklung Deutschlands derzeit besonders schwach: Das reale Wirtschaftswachstum betrug hierzulande laut Statistischem Bundesamt im jährlichen Mittel 2021–2025 weniger als 1 % (2025: + 0,2 %) und liegt seit 2021 unter dem Durchschnitt der OECD- und der EU-Staaten.[1]
Anstieg der Arbeitslosigkeit
Auf regionaler Ebene lässt sich die wirtschaftliche Eintrübung unter anderem anhand der regionalen Arbeitsmarktentwicklung verdeutlichen.1 Die Arbeitslosenquote ist zwischen Oktober 2022 und 2025 beinahe flächendeckend gestiegen (Karte 1). Zu den Regionen mit den höchsten Zuwächsen zählen Großstädte wie Stuttgart (+ 2,3 %-Pkt.), Chemnitz (+ 2,1 %-Pkt.) und Leipzig (+ 1,9 %-Pkt.), aber auch – gemäß Thünen-Typologie[3] – ländliche Kreise wie Tuttlingen, die Uckermark oder das Altenburger Land (je + 1,6 %-Pkt.). Gefallen oder gleichgeblieben ist die Arbeitslosenquote nur in 20 von 400 Kreisen.
Im Durchschnitt war der Anstieg der Arbeitslosigkeit 2022–2025 in urbanen Räumen etwas stärker als in ländlichen Räumen (1,0 ggü. 0,7 %-Pkt.). Dies gilt auch für die jüngste Entwicklung (2024–2025) sowie für Ost- und Westdeutschland (Tab. A1 u. A2 im Anhang).
Gemessen an der Beschäftigung haben sich allerdings nicht die urbanen, sondern die ländlichen Räume ungünstiger entwickelt. Im März 2025 waren nur 0,4 Prozent mehr Personen in ländlichen Räumen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als drei Jahre zuvor (urbane Räume: + 2,8 %, Tab. A1).
Eine mögliche Erklärung dafür, dass die Arbeitslosigkeit in ländlichen Räumen trotz des schwächeren Beschäftigungswachstums weniger gestiegen ist als in urbanen Regionen, liegt in unterschiedlichen demografischen Entwicklungen.
In ländlichen Räumen hat in den letzten Jahren ein größerer Anteil der Beschäftigten das Rentenalter erreicht.[4] Das tatsächliche durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter lag zudem unter dem der Städte.[5] Beides verringert das Angebot an Arbeitskräften und kann dämpfend auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit wirken. Der jüngste bundesweite Anstieg der Arbeitslosigkeit hängt vor allem damit zusammen, dass Betriebe derzeit wenig neues Personal suchen.[6] Gehen in einer Region jedoch besonders viele Arbeitskräfte in Rente, erhöht dies potenziell den Bedarf an neuen Arbeitskräften und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitssuchende einen Job finden.
Beschäftigungsabbau in der Industrie
Derzeit entwickelt sich die Beschäftigung in den ländlichen Räumen im Durchschnitt in nahezu allen Wirtschaftsbereichen schwächer als in den urbanen Räumen (Abb. 1). Zwischen 2012 und 2019 war dies noch nicht der Fall.[2] Besonders betroffen sind ländliche Räume von jüngsten Beschäftigungsverlusten im verarbeitenden Gewerbe: Deutschlandweit ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe 2022–2025 netto um knapp 156 Tsd. Personen gesunken. In 125 Tsd. dieser Fälle, d. h. zu 80 %, erfolgte der Beschäftigungsabbau in einer ländlichen Region (Tab. A1). Ostdeutsche Regionen weisen dabei jeweils einen höheren prozentualen Rückgang auf als westdeutsche. Dies gilt ebenso für strukturschwache GRW-Fördergebiete im Vergleich zu strukturstärkeren Nicht-Fördergebieten. Im ländlichen Osten und in den ländlichen GRW-Fördergebieten gingen die Beschäftigungsrückgänge im verarbeitenden Gewerbe zudem mit einer sinkenden Gesamtbeschäftigung einher. Letzteres dürfte auch an den dortigen demografischen Entwicklungen liegen.
Der Beschäftigungsabbau im verarbeitenden Gewerbe ist vor allem auf den derzeit hohen Transformationsdruck zurückzuführen. Automatisierungsprozesse betreffen gerade die industrielle Fertigung und Handelsdisruptionen erschüttern vor allem exportorientierte Wirtschaftszweige. Hohe Energiepreise und die Dekarbonisierung sind wiederum insbesondere für jene Branchen relevant, in denen Produktionsprozesse besonders energieintensiv sind bzw. die auf die Herstellung emissionsintensiver Produkte spezialisiert sind.[7,8,9,10]
Die besondere Betroffenheit ländlicher Räume ergibt sich daraus, dass rund ein Viertel aller Beschäftigten in ländlichen Räumen im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. In urbanen Räumen arbeiten lediglich knapp 14 % in diesem Sektor (Tab. A3). Zudem ist der prozentuale Beschäftigungsrückgang im verarbeitenden Gewerbe in den ländlichen Räumen noch etwas ausgeprägter: Zwischen 2024 und 2025 haben die Branchenaggregate Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sowie die Herstellung sonstiger Vorleistungsgüter (insb. chemische Erzeugnisse u. Kunststoffwaren) in den ländlichen Räumen jeweils über 2,6 % der Beschäftigung abgebaut; in den urbanen Räumen lag der prozentuale Rückgang bei etwa 1,6 % bzw. 2,2 % (Abb. 1).
Abbildung 1: Beschäftigung nach Sektoren, 2024=100
Anm.: Alle Angaben beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 31.03. des jeweiligen Jahres. Lesebeispiel: Der Wert des öffentlichen Sektors im Jahr 2025 von etwa 102 in beiden Raumtypen besagt, dass die Beschäftigtenzahl in diesem Sektor 2025 jeweils um ca. 2 % höher war als im Referenzjahr 2024. Die Branchenangaben in der Legende beziehen sich auf die Wirtschaftszweigklassifikation 2008. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnung.
Seit 2022 verzeichnet vor allem die Herstellung sonstiger Vorleistungsgüter hohe prozentuale Beschäftigungsverluste. Diese Entwicklung zeigt sich für alle betrachteten Raumtypen (Tab. A1 u. A2) und ist in den ländlichen Räumen im Mittel stärker ausgeprägt (-6 %) als in den urbanen Räumen (-4 %). Beschäftigungszuwächse im verarbeitenden Gewerbe sind 2022–2025 einzig für das Aggregat Metall-, Elektro- und Stahlindustrie zu beobachten, und dies auch nur im Mittel der sehr ländlichen Räume mit guter sozioökonomischer Lage sowie der urbanen ostdeutschen Regionen. Bundesweit hat die Beschäftigung auch in diesen Branchen abgenommen (Tab. A1 u. A2).
Auf Kreisebene variiert die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes wie auch dessen Veränderung teilweise erheblich. In Regionen im unteren rechten Quadranten der Abb. 2 ist der Beschäftigtenanteil des verarbeitenden Gewerbes höher als im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig ist der regionale Beschäftigungsrückgang in diesem Quadranten größer als in Deutschland insgesamt. Sehr ländliche Regionen mit weniger guter sozioökonomischer Lage sind hier besonders häufig vertreten, zum Beispiel Northeim, Haßberge und Sonneberg. Das heißt, insbesondere in diesen Regionen sind viele Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe tätig und gleichzeitig schrumpft die sektorale Beschäftigung hier besonders stark.
Auch in Regionen im unteren linken Quadranten ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe zum Teil markant gesunken. Auf das verarbeitende Gewerbe entfallen hier jedoch geringere Beschäftigtenanteile als im Bundesmittel. Die Folgen eines schrumpfenden verarbeitenden Gewerbes können jedoch auch in diesen Regionen tiefgreifend sein, z. B. wenn es an anderen wertschöpfungsstarken Branchen mangelt.
Abbildung 2: Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe, Kreise
Anm.: Die Daten beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 31.03. der beiden betrachteten Jahre. Wolfsburg, Ingolstadt und Neustadt an der Weinstraße sind in dieser Abbildung nicht berücksichtigt, da die Bundesagentur für Arbeit aus Datenschutzgründen für diese Kreise keine Werte zum verarbeitenden Gewerbe ausweist. Lesehilfe: In Regionen rechts (links) der vertikalen gestrichelten Linie lag der Beschäftigtenanteil des verarbeitenden Gewerbes 2022 über (unter) dem Bundesdurchschnitt. In Regionen unterhalb (oberhalb) der horizontalen gestrichelten Linie ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe 2022-2025 stärker (schwächer) gesunken als im Bundesmittel. Alle Werte sind auf ganze Zahlen gerundet. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnung.
Ebenfalls stark vertreten im Quadranten unten links sind sehr ländliche Regionen mit weniger guter sozioökonomischer Lage: allen voran Vorpommern-Rügen mit dem bundesweit stärksten relativen Rückgang im verarbeitenden Gewerbe (-35 %). Die Mittelstädte Hof und Suhl, regionale Zentren ländlicher Räume, sowie Wittmund folgen. Daneben baut das verarbeitende Gewerbe aber auch in einigen urbanen Regionen einen bedeutenden Teil seiner Beschäftigung ab. Dazu zählen Offenbach/Main, Bonn und Bottrop.
Andere urbane, aber auch einige ländliche Regionen weisen eine z. T. stark steigende Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe auf und liegen entsprechend im oberen linken Quadranten.
Im Quadranten oben rechts sind vor allem sehr ländliche Regionen mit guter sozioökonomischer Lage konzentriert. Eine besonders auffällige Ausnahme in diesem Regionstyp ist Coburg, das mit einem Rückgang um etwa 20 % im unteren rechten Quadranten liegt.
Zuwächse insbesondere im öffentlichen Sektor
Zahlen auf Ebene der Regionstypen weisen darauf hin, dass Beschäftigungsverlusten im verarbeitenden Gewerbe vor allem Aufwüchse im öffentlichen Bereich (u. a. Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung) gegenüberstehen: 2025 zählten die entsprechenden Branchen in ländlichen Räumen beinahe 200 Tsd. Beschäftigte mehr als 2022. Dieser Beschäftigungsaufbau erstreckt sich über alle betrachteten Typen ländlicher Räume und ist auch für die urbanen Räume zu beobachten (Tab. A1 u. A2).
Zugleich haben unternehmensnahe Dienstleistungen in ländlichen Räumen an Beschäftigung zugelegt, allerdings ist die Beschäftigung hier in Summe nur um weniger als 70 Tsd. Personen gestiegen. Die Wachstumsraten waren im Mittel zudem niedriger als in urbanen Räumen. Dort haben die unternehmensnahen Dienstleistungen, anders als in den ländlichen Räumen, ähnlich viel Beschäftigung aufgebaut wie der öffentliche Sektor (Tab. A1). Dies führt in der Tendenz zu einer weiteren Zunahme der Konzentration unternehmensnaher Dienstleistungen auf urbane Räume.
Prozentual hohe Beschäftigungsgewinne verzeichnete auch das Branchenaggregat „Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgungswirtschaft“, in ländlichen wie in urbanen Räumen (Abb. 1). Absolut betrachtet fallen die 20 Tsd. zusätzlich Beschäftigten in ländlichen Räumen allerdings nicht stark ins Gewicht. Bundesweit verzeichnete vor allem die Energieversorgung 2022–2025 ein Beschäftigungswachstum (+ 18 %), während der Bergbau verlor (- 6 %).2 Es liegt nahe, dass beides mit den aktuellen Transformationen im Energiebereich zusammenhängt.
Wenige Unternehmensneugründungen
Insbesondere in Zeiten von hohem Erneuerungsdruck spielen Unternehmensgründungen eine wichtige Rolle. Transformationsprozesse lassen nicht nur bestimmte Wirtschaftsbereiche schrumpfen, sondern im Gegenzug auch neue Potenziale für unternehmerisches Handeln entstehen.[5] Aktuell liegt die Zahl der Unternehmensgründungen jedoch sowohl in ländlichen als auch urbanen Räumen auf niedrigem Niveau: 2024 gab es in urbanen Räumen knapp 8 % und in ländlichen Räumen beinahe 6 % weniger Gründungen als im Mittel der 2010er Jahre (Abb. 3). In Ostdeutschland ist die Zahl der Gründungen besonders stark gefallen, sowohl in urbanen als auch ländlichen Räumen (jeweils um weit mehr als 10 %, Tab. A1 u. A2).3
Die Anzahl an Gründungen je Wirtschaftszweig ist bis zum aktuellen Rand nicht nach Raumtyp differenziert verfügbar. In Deutschland insgesamt zeichnet sich – wie auch bei der Beschäftigung – eine deutlich negative Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe ab: 2024 betrug die Zahl der Gründungen in diesem Bereich nur etwa 60 % des jährlichen Durschnitts des letzten Jahrzehnts (Abb. 3). Demgegenüber werden im Bereich der unternehmensnahmen Dienstleistungen aktuell rund 10 % mehr neue Betriebe gegründet als in den 2010er-Jahren
Abbildung 3: Anzahl Unternehmensgründungen, ø 2010-2019 = 100
Quelle: ZEW Mannheim, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnung.
Fazit
Die gesamtwirtschaftliche Schwäche der letzten Jahre schlägt sich beinahe flächendeckend in gestiegenen Arbeitslosenquoten nieder. Auf eine sektorale Transformation – weg von der Industrie, hin zu Dienstleistungen – weisen sowohl Beschäftigungs- als auch Gründungszahlen hin.
Der starke Aufbau von Beschäftigung im Bereich öffentlicher – und nicht privatwirtschaftlicher – Dienstleistungen muss z. T. durch öffentliche Mittel finanziert werden. In Zeiten angespannter Haushaltslagen und wirtschaftlicher Stagnation können diese Ausgaben zu weiter steigenden Defiziten führen (siehe Zahlen & Fakten 03/2025).
Etwa 80 % des Jobabbaus im verarbeitenden Gewerbe erfolgen derzeit in ländlichen Räumen. Demgegenüber wachsen u. a. die unternehmensnahen Dienstleistungen stärker im urbanen Bereich. Die sektorale Transformation verläuft also tendenziell vorteilhafter für urbane als für ländliche Räume und könnte perspektivisch eine stärkere Konzentration wirtschaftlicher Aktivität auf urbane Räume zur Folge haben. Dienstleistungsbranchen, insbesondere die wissensintensiven, profitieren in besonderem Maße von Agglomerationsvorteilen, weshalb sich entsprechende Betriebe zumeist in Ballungsräumen ansiedeln (siehe auch Zahlen & Fakten 02/2025).
Wenn wirtschaftliche Veränderungen dazu führen, dass Beschäftigungsrückgänge in einem Bereich nicht durch privatwirtschaftliche Investitionen und produktive Zuwächse in anderen Bereichen ausgeglichen werden, wird Wachstum ausbleiben und die Wettbewerbsfähigkeit sinken.[10] Einige Regionen, u. a. im traditionell wirtschaftlich starken Südosten Deutschlands, wiesen zuletzt bereits einen markanten Rückgang der Bruttowertschöpfung auf.[6]
Die aktuell geringe Zahl an Unternehmensgründungen – sowohl in ländlichen als auch in urbanen Regionen – deutet darauf hin, dass die Erneuerung der Wirtschaft derzeit nur langsam vonstattengeht. Dies gilt besonders im verarbeitenden Gewerbe, in dem auch der Geschäftsklimaindex weiter auf niedrigem Niveau verharrt.[12] Ein aktueller Thünen-Report[13] zeigt zudem, dass Investitionen im verarbeitenden Gewerbe zuletzt stärker in urbanen als in ländlichen Räumen erfolgten; dabei ist es gerade für die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Räume wichtig, dass die Erneuerung auch innerhalb des verarbeitenden Gewerbes gelingt. Dafür sind Investitionen, z. B. in neue Technologien und neue Geschäftsfelder, mit entscheidend. Eine voranschreitende Deindustrialisierung würde ländliche Räume besonders treffen.
Wirtschaftspolitische Maßnahmen sollten es in jedem Falle vermeiden, bestehende sektorale Strukturen zu konservieren, wenn diese nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Stattdessen sollten langfristig planbare Rahmenbedingungen geschaffen werden, um marktwirtschaftliche Transformationsprozesse zu unterstützen. Monika Schnitzer und Enzo Weber plädieren für eine „prokompetitive Industriepolitik“, die einerseits einen Instrumentenmix (u. a. wettbewerbliche Fördervergabe, strategische öffentliche Beschaffung, Förderung in Schlüsselbereichen, Arbeitskräfteentwicklung) umfasst und andererseits zeitlich begrenzt und evidenzbasiert erfolgt.[14] Der Sachverständigenrat Wirtschaft hebt weitere Ansatzpunkte wie eine Reduzierung bürokratischer Belastungen, eine Reform der Unternehmensbesteuerung sowie eine vollständig zusätzliche und investitionsorientierte Verwendung des Sondervermögens hervor.[15]
Entsprechende Ansätze dürften auch der wirtschaftlichen Erneuerung ländlicher Regionen wichtige Impulse geben und deren Wettbewerbsfähigkeit wieder stärken. Aus Sicht ländlicher Räume ist wichtig, auch kleine und mittlere Unternehmen im Blick zu behalten, da sie das Gros der Wirtschaft in ländlichen Räumen ausmachen. U. a. aufgrund dieser Betriebsgrößenstruktur werden ländlichen Räumen häufig eher geringe Anpassungspotenziale attestiert.[9] Regionalpolitische Maßnahmen könnten künftig verstärkt jene Regionen in den Mittelpunkt rücken, in denen der Transformationsdruck höher und die Anpassungsfähigkeit geringer ist.[13]
Tabellenanhang
Tabelle A1: Indikatoren zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung nach Raumtypen gemäß Thünen-Typologie
Anmerkungen: Wirtschaftsabschnitte gem. Klassifikation 2008: 1A; 2C (10-15,18, 21, 31); 3C (24-30,32, 33), 4C (16, 17, 19, 20, 22, 23); 5F; 6B, D, E; 7G, H, I; 8J, K,L, M, N (ohne ANÜ); 9O,U, P, Q, R, S, T. Bei der Unterscheidung der vier Typen ländlicher Räume werden gut 140 Tsd. (0,4 %) der 2022 bzw. 2025 in ländlichen Räumen Beschäftigten nicht berücksichtigt, da sie auf Basis der vorliegenden Daten keinem Typ ländlicher Räume zugeordnet werden können. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, ZEW Mannheim, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnungen.
Tabelle A2: Indikatoren zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung nach Raumtypen gemäß Thünen-Typologie sowie nach Ost/West bzw. GRW-Fördergebiet
Anmerkungen: Wirtschaftsabschnitte gem. Klassifikation 2008: 1A; 2C (10-15,18, 21, 31); 3C (24-30,32, 33), 4C (16, 17, 19, 20, 22, 23); 5F; 6B, D, E; 7G, H, I; 8J, K,L, M, N (ohne ANÜ); 9O,U, P, Q, R, S, T. Bei der Differenzierung nach den Fördergebieten der GRW, der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, werden gut 140 Tsd. (0,4 %) der 2022 bzw. 2025 in ländlichen Räumen Beschäftigten und knapp 5 Tsd. (0,01 %) der in urbanen Räumen Beschäftigten nicht berücksichtigt, da auf Basis der vorliegenden Daten unklar ist, ob sie in einem GRW-Fördergebiet arbeiten oder nicht. Als GRW-Fördergebiet werden jene Kreise betrachtet, in denen die Mehrheit der Bevölkerung in einem GRW-Fördergebiet (2022-2027) wohnt.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, ZEW Mannheim, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnungen.
Tabelle A3: Beschäftigungsanteile bestimmter Wirtschaftszweigaggregate je Raumtyp in Prozent
Anmerkungen: Wirtschaftsabschnitte gem. Klassifikation 2008: 1A; 2C (10-15,18, 21, 31); 3C (24-30,32, 33), 4C (16, 17, 19, 20, 22, 23); 5F; 6B, D, E; 7G, H, I; 8J, K,L, M, N (ohne ANÜ); 9O,U, P, Q, R, S, T. Die ausgewiesenen Anteile beziehen sich auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am 31.03.2025. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, ländliche Räume gem. Thünen-Typologie, eigene Berechnungen.
Weiterführende Informationen
1 Daten zur Entwicklung des regionalen Wirtschaftswachstums (bspw. Bruttoinlandsprodukt) sind derzeit nur bis 2023 verfügbar und werden deshalb nicht betrachtet. Peters und Hundt haben kürzlich eine Auswertung vorgenommen.[2]
2 Eigene Berechnungen basierend auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (ohne Darstellung).
3 Generell werden in urbanen Räumen häufiger Unternehmen gegründet als in ländlichen Räumen, allerdings überleben neue Unternehmen in ländlichen Räumen häufiger. Beides hängt mit Unterschieden in der Wirtschaftsstruktur zusammen, siehe Zahlen & Fakten 02/2025 zu Gründungsdynamiken in ländlichen Räumen.
Die Daten zur Arbeitslosigkeit und Beschäftigung stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Da für einzelne Branchen-Kreis-Kombinationen aus Datenschutzgründen keine Werte ausgewiesen werden, haben wir ergänzend Bundeslanddaten für die Bestimmung der branchenspezifischen Beschäftigung je Raumtyp verwendet. Knapp 68 Tsd. (<0,05 %) der an den Stichtagen 2022, 2023, 2024 bzw. 2025 Beschäftigten wurden dabei approximativ zugeordnet. Die Angaben zu Unternehmensgründungen stammen aus dem Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) und von Creditreform und wurden vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim (ZEW) bereitgestellt. Die Zahl der Gründungen 2024 wurde vom ZEW hochgerechnet.[17]
[1] World Bank (o. J.) World Development Indicators. Zu finden in https://data.worldbank.org/indicator
[2] Peters JC, Hundt C (2025) Zur Wirtschaft in ländlichen Räumen: Strukturen, jüngere Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen. Ländliche Räume 76(3): 8–15
[3] Küpper P (2016) Abgrenzung und Typisierung ländlicher Räume. Thünen Working Paper 68, Braunschweig
[4] Buch T, Fuchs M, Helm J, Niebuhr A, Peters JC, Sieglen G (2024) Zunehmende Fachkräfteengpässe – Warum sind ländliche Räume besonders betroffen? Wirtschaftsdienst 104(5): 323–328, https://doi.org/10.2478/wd-2024-0088
[5] Dauth W, Hirschenauer F (2025) Ältere gehen im Westen später in Rente als im Osten und auf dem Land früher als in Städten. In: IAB-Forum, 11. Februar 2025. Zu finden in <https://iab-forum.de/aeltere-gehen-im-westen-spaeter-in-rente-als-im-osten-und-auf-dem-land-frueher-als-in-staedten/> [zitiert am 27.11.2025]
[6] Weber E (2025) Die Erneuerungskrise. Makronom. Zu finden in <https://makronom.de/arbeitsmarkt-die-erneuerungskrise-49974> [zitiert am 11.12.2025]
[7] Grienberger K, Matthes B, Paulus W (2024) Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt: Vor allem Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren. IAB-Kurzbericht 05/2024
[8] Südekum J, Rademacher P (2024) Regionale Disparitäten in der Transformation. Empirische Evidenz und Implikationen für die Regionalpolitik. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung
[9] Haas A, Niebuhr A, Vetterer N (2024) Regionale Arbeitsmärkte unter Transformationsdruck – unterschiedliche Herausforderungen und Anpassungspotenziale. Wirtschaftsdienst 104(8): 527–532
[10] Frankenberg D, Niebuhr A, Peters JC (2025) Strukturschwache ländliche Räume als Gewinner der Energiewende? Wirtschaftsdienst 105(6): 423–427
[11] ifo Institut (2025) Selbst das Sparbuch hilft. ifo Standpunkt, 8. Dezember 2025. Zu finden in <https://www.ifo.de/standpunkt/2025-12-08/selbst-das-sparbuch-hilft> [zitiert am 11.12.2025]
[12] ifo Institut (2025) ifo Geschäftsklimaindex gesunken – November 2025. Zu finden in <https://www.ifo.de/fakten/2025-11-24/ifo-geschaeftsklimaindex-gesunken-november-2025> [zi-tiert am 11.12.2025]
[13] Frankenberg D, Kopka A, Peters JC (2025) Zur Strukturschwäche ländlicher Räume im Kontext der Abgrenzung der GRW-Fördergebiete. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Thünen Report 124, 128 S.
[14] Schnitzer M, Weber E (2025) Prokompetitive Industriepolitik für eine erfolgreiche Transformation der Wirtschaft. Perspektiven der Wirtschaftspolitik 26(3): 255–271. De Gruyter
[15] Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2025) Jahresgutachten 2025/2026. Perspektiven für morgen schaffen – Chancen nicht verspielen
Peters JC, Runst P (2026) Wirtschaftliche Entwicklung 2024/2025 in ländlichen Räumen. Zahlen & Fakten zur Wirtschaft in ländlichen Räumen 01/2026. Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen. DOI:10.3220/253-2025-259






