Die Gesellschaft für Regionalforschung (GfR) bindet als deutschsprachige Sektion der Regional Science Association International (RSAI) Mitglieder aus unterschiedlichen Disziplinen in die internationale Fachgemeinschaft der Regionalwissenschaft ein. Beim diesjährigen Winterseminar war das Thünen-Institut mit drei Vorträgen vertreten.
Alexander Kopka präsentierte Ergebnisse aus seinem Forschungsprojekt Künstliche Intelligenz und regionalwirtschaftliche Entwicklung. Konkret ging es in seinem Vortrag um „Regionale Unterschiede im Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Unternehmensproduktivität". Er untersucht, wie KI-Technologien die Produktivität von Unternehmen beeinflussen und inwiefern der regionale Kontext – etwa Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Räumen – diese Wirkung moderiert.
Jan Cornelius Peters stellte eine aktuelle Arbeit zu Lohnunterschieden zwischen ländlichen und urbanen Arbeitsmärkten aus dem Projekt Ökonomische Effekte der räumlich ungleichen Verteilung von Arbeitskräften sowie Betrieben vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sogenannte Matching-Vorteile in größeren städtischen Arbeitsmärkten – also die bessere Übereinstimmung zwischen den Qualifikationen von Beschäftigten und den Anforderungen der Unternehmen – Lohnunterschiede zwischen urbanen und ländlichen Räumen erklären können. Die bisherigen Auswertungen liefern hierfür allerdings keine Bestätigung: Die Matchingqualität scheint nicht systematisch mit der Größe des regionalen Arbeitsmarktes zuzunehmen, sodass andere Faktoren für die geringeren Löhne in ländlichen Räumen verantwortlich sein dürften.
Martin Simmler präsentierte eine Untersuchung zum Einfluss des Fachkräftemangels auf Unternehmensnachfolgen, die an das Forschungsprojekt Regionale Muster von Fachkräfteengpässen und deren Ursachen anknüpft. Die Ergebnisse zeigen, dass angespannte Arbeitsmärkte, in denen es viele offene Stellen pro Arbeitsuchende gibt, die Wahrscheinlichkeit eines Unternehmensaustritts deutlich erhöhen – insbesondere bei Firmen, die von älteren Geschäftsführern geleitet werden. Ein Anstieg der Relation von offenen Stellen zu Arbeitssuchenden um eine Standardabweichung erhöht die Austrittswahrscheinlichkeit bei Unternehmen mit Managern im Alter von über 50 Jahren um 2,1 Prozentpunkte. Bezogen auf jene Unternehmen, die tatsächlich einen Rückzug ihres Geschäftsführers erleben, entspricht dies einem Anstieg der Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Unternehmensschließung kommt, um rund 13 Prozentpunkte.
Kontakt: Dr. Alexander Kopka







