Schon im Jahr 2100 werden Lebensmittel weltweit knapper sein als heute. Besonders in Afrika treffen Klimawandel, sinkende Bodenfruchtbarkeit und eine wachsende Bevölkerung aufeinander. Thünen-Forschende entwickeln deshalb kostengünstige Alternativen, mit denen Nahrung unabhängig von Böden und Süßwasser aus Mikroalgen und Pilzen hergestellt werden kann.
Nährstoffgehalt vergleichbar mit Hühnerfleisch
In sogenannten Bioreaktoren können Mikroalgen und Pilze unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet werden. Einige Algenarten produzieren so viele Kohlenhydrate, Proteine und Fette, dass sie sich als kalorienreiche Nahrung für Mensch und Tier eignen. Die Thünen-Forschenden haben eine Art identifiziert, die sogar unter hoher Salzkonzentration gut wächst. Nun haben sie eine kostengünstige und effektive Lösung entwickelt, um diese Mikroalge im Labor zu ernten: Die Mikroalge bildet in Kombination mit einem bestimmten Schimmelpilz ein Geflecht, das einfach abgeschöpft werden kann. Beides zusammen ist zum Verzehr geeignet und liefert eine Energiedichte, die mit Wurzelgemüse vergleichbar ist. Der hohe Proteingehalt und der moderate Fettsäureanteil ähnelt hingegen eher dem Nährstoffprofil von Hühnerfleisch.
Nachhaltig, platzsparend, günstig
Im Gegensatz zu herkömmlichen Grundnahrungsmitteln kann der Verbund aus Mikroalge und Pilz in nur zwei Wochen produziert werden. Die Bioreaktoren benötigen keinen fruchtbaren Boden und lassen sich platzsparend stapeln. Das Nährmedium, auf dem die Mikroorganismen wachsen, ist oft teuer. Doch die Thünen-Forschenden fanden heraus, dass die Nährstoffe für die Mikroorganismen auch günstig und ressourcenschonend aus Abfällen gewonnen werden können. So eignet sich etwa menschlicher Urin besonders gut, um die Mikroalgen mit Stickstoff zu versorgen. Zusätzlich nutzten die Forschenden Meerwasser, das gleich zwei Vorteile bietet: Es schont Süßwasservorräte und schützt die Mikroalgen dank des hohen Salzgehalts vor Infektionen mit Bakterien oder Schimmelsporen. Damit stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sicher, dass sich die alternativen Nahrungsmittel auch in abgelegenen, trockenen Gebieten sicher und ohne teure Technik produzieren lassen. Die Produkte sollen anschließend getrocknet, zermahlen und verschiedenen Lebensmitteln zugesetzt werden.
„Mikroalgen und Schimmelpilze gelten schon länger als potenzielle Nahrungsquellen. Von zentraler Bedeutung ist jedoch ihr Zusammenwirken, das ein großes Potenzial bietet, dem Protein- und Energiemangel in einer wachsenden Weltbevölkerung vorzubeugen“, sagt Anja Kuenz, Leiterin des Forschungsprojekts.









