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Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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Bleiben in ländlichen Räumen (STAYin(g)Rural): Zugehörigkeitsgefühl, Mobilität und lokale Beteiligung im Lebensverlauf

Projekt

Die Möglichkeit, Wohneigentum zu schaffen, kann eine Motivation sein, in ländlichen Räumen zu bleiben. (c) Annett Steinführer
Die Möglichkeit, Wohneigentum zu schaffen, kann eine Motivation sein, in ländlichen Räumen zu bleiben. (© Annett Steinführer)

Bleibe(perspektive)n in ländlichen Räumen

Bleiben in ländlichen (wie in nicht-ländlichen) Räumen ist mit bewussten Entscheidungen verbunden, die im Lebensverlauf immer wieder neu ausgehandelt werden. Das Projekt widmet sich den Motiven jener Menschen, die in Untersuchungen zu ländlichen Räumen oft vernachlässigt werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Die bevölkerungsgeographische Forschung konzentriert sich vorrangig auf Wanderungsbewegungen und die damit verbundenen Entscheidungen, Motive und Folgen für die Handelnden und die betroffenen Räume. Die Motive derer, die sich zum Bleiben in ländlichen Räumen entscheiden, erhalten nur in begrenztem Maße Aufmerksamkeit durch Forschung und Politik.

Im Forschungsprojekt STAYin(g)Rural untersuchen wir Formen des Bleibens in ländlichen Räumen mit einem Schwerpunkt auf drei Phasen im Lebenslauf, die bekannte Auslöser für das Neuverhandeln von Wohnstandortentscheidungen, also  „Gehen“ oder „Bleiben“, sind: 1) die Zeit als junge Erwachsene mit Ausbildungsbeginn und Berufseintritt, 2) die Zeit der Familiengründung bzw. -erweiterung und 3) die Zeit nach dem Renteneintritt. Für alle diese Lebensphasen gehen wir davon aus, dass Menschen bewusste Entscheidungen über ihre lokale und soziale Zugehörigkeit und ihre Beteiligung am gesellschaftlichen Leben vor Ort treffen. Dabei wird Bleiben zum Teil gerade durch verschiedene Formen von Mobilität ermöglicht, z. B. das Pendeln zum Arbeitsplatz.

Konkret interessieren wir uns für:

  1. Typen ländlichen Bleibens in unterschiedlichen Lebensphasen,
  2. Zusammenhänge zwischen Zugehörigkeitsgefühlen, Bleibeprozessen und der aktiven Beteiligung am gesellschaftlichen Leben vor Ort,
  3. die Frage, wie Bleiben in unterschiedlichen geographischen Kontexten und konkret in traditionellen Abwanderungsregionen individuell möglich gemacht und praktiziert wird.

Vorgehensweise

Ein solches Forschungsinteresse erfordert einen methodenintegrierenden Zugang. Empirisch untersuchen wir drei europäische Fallstudien-Regionen: Ost-Groningen in den Niederlanden, Süd-Tyrone in Nordirland und die Region Südharz im Landkreis Göttingen in Deutschland. Alle drei Regionen gelten in ihren nationalen Kontexten als abgelegen oder peripher und weisen eine lange Tradition des Bevölkerungsrückgangs, insbesondere der Abwanderung von Jugendlichen, auf. Der siedlungsstrukturelle Schwerpunkt der Forschungen in Deutschland liegt auf Dörfern mit jeweils weniger als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. In den Niederlanden und Nordirland werden auch ländliche Siedlungen mit nur wenigen Hofstätten berücksichtigt.

Im gesamten Projektverlauf werden die Ergebnisse mit Akteur*innen aus ländlichen Räumen diskutiert und weiterentwickelt. Dafür wurden Projektbeiräte mit Vertreterinnen und Vertretern aus der regionalen Praxis sowie verschiedenen Interessensgruppen etabliert.

Daten und Methoden

Im Projekt wurden bereits folgende empirischen Untersuchungen durchgeführt:

  • Winter 2019/2020: eine standardisierte Haushaltsbefragung in elf Dörfern (mit 1.106 Befragten),
  • Winter 2020/Frühjahr 2021: leitfadengestützte Interviews (je 15 in den drei interessierenden Lebensphasen),

Geplant sind außerdem:

  • Herbst/Winter 2021: generationenübergreifende Gruppendiskussionen (mind. 2 Gruppendiskussionen mit je 6 Teilnehmenden).

Das Thünen-Institut für Ländliche Räume ist für die Fallstudie Südharz (Landkreis Göttingen, Niedersachsen) sowie die Lebensphase nach dem Renteneintritt verantwortlich.

Unsere Forschungsfragen

  1. Welche Typen des Bleibens lassen sich für unterschiedliche Lebensphasen, Generationen und räumliche Kontexte identifizieren?
  2. Welche Bedeutung haben Zugehörigkeitsgefühle und soziale Beziehungen für das Bleiben?
  3. Welche Rolle spielen verschiedene Formen räumlicher und virtueller Mobilität (z. B. Pendeln oder Telearbeit), um Bleiben zu ermöglichen?
  4. Wie beteiligen sich Bleibende am Dorfleben? Wie beeinflusst dies ihre Zugehörigkeitsgefühle zum Dorf, zur Region und/oder zu ihren sozialen Netzwerken?

Vorläufige Ergebnisse

Die Erkenntnisse des Forschungsprojekts STAYin(g)Rural versprechen eine veränderte Perspektive auf ländliche Räume: Aus Sicht jener, die bleiben, können subjektiv wahrgenommene Chancen, Probleme und Bedeutungen von Orten sowie deren Wechselwirkungen mit Prozessen des Bleibens nachvollzogen werden.

Download (Überblick über erste deskriptive Ergebnisse)

 

Einen Überblick über erste deskriptive Ergebnisse aus der im Winter 2019/2020 durchgeführten Bevölkerungsbefragung finden Sie hier zum Download. 

PDF Dokument; (nicht barrierefrei) 982 KB

(© Thünen-Institut/Annett Steinführer, Franziska Lengerer, Lisa Scheerschmidt)

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • University of Groningen
    (Groningen, Niederlande)
  • Queen's University Belfast
    (Belfast, Großbritannien (Vereinigtes Königreich))

Geldgeber

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

5.2019 - 5.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 2

  1. Lengerer F, Steinführer A (2021) Bleiben im Dorf : Eine Fallstudie zu einem wenig beachteten Thema. Planerin(3):11-13
  2. Steinführer A, Lengerer F (2020) Von Menschen, die bleiben. Stadtbauwelt 227:42-47