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Themenfelder

Verringerung von Kunststoffmüll aus der Krabbenfischerei durch Netzmodifikationen (DRopS)

Projekt

Basstölpel auf Helgoland bauen ihre Nester oft aus Plastikmüll aus dem Meer (c) Thünen-Institut/Daniel Stepputtis
Basstölpel auf Helgoland bauen ihre Nester oft aus Plastikmüll aus dem Meer (© Thünen-Institut/Daniel Stepputtis)

DRopS – Dolly Rope Suspension

Um das Durchscheuern der Unterblätter von Baumkurrennetzen am Meeresboden zu verringern, werden dort häufig Polyethylenseile angebracht. Diese so genannten Dolly Ropes werden nach kürzester Zeit auf See als Plastikmüll freigesetzt.

Hintergrund und Zielsetzung

Nur ein kleiner Teil des Plastikmülls im Meer ist für den Menschen sichtbar, ein großer Teil davon verbleibt unter der Meeresoberfläche oder fernab der Küste. An den Küsten der Nordsee fallen bei einer Schifffahrt oder beim Strandspaziergang besonders häufig farbige – meist orange oder blaue – Fäden, Taue oder Knäuel auf.

Wenngleich die Herkunft des Plastikmülls oft nur schwer zu ermitteln ist, stammt wahrscheinlich ein großer Teil dieser farbigen Kunststofffasern aus der Grundschleppnetzfischerei. Besonders in den Baumkurrenfischereien auf Seezunge und Nordseegarnele werden die Netze konstruktionsbedingt sehr nah am Boden geschleppt.

Um die Unterseite der Netze gegen Verschleiß zu schützen, wird diese oft mit einem Scheuerschutz versehen. Dabei werden verschiedene Materialien an den Maschen der Netze befestigt, um auf diese Weise einen Abrieb des Materials, insbesondere das der Steerte, am Meeresboden zu verhindern.

Eines der häufigsten Materialien, das als Scheuerschutz in der Grundschleppnetzfischerei eingesetzt wird, sind sogenannte „Dolly Ropes“, die teilweise auch Scheuerschutz-Quasten genannt werden. Dabei handelt es sich um Seile (genauer Tauwerk-Kardeele) aus Polyethylen, die von den Fischern zugeschnitten und in die Netze eingeflochten werden.

Während des Fischens fransen die Kardeele sehr leicht aus und ein Teil des Materials reißt ab. Innerhalb von zwei Wochen nach Anbringung der Dolly Ropes sind bereits 10-25% des Materials abgerissen. Danach verfilzen, bzw. verwickeln sich die verbliebenen Schnüre, wobei ihre Flexibilität abnimmt und sich darin Sand und Kies verfängt. In Folge dessen werden die verbliebenen Dolly Ropes ausgetauscht.

Im Rahmen dieses Projektes sollen Netzmodifikationen entwickelt und getestet werden, die den Kontakt des Netzes mit dem Meeresboden verringern bzw. verhindern und somit die Nutzung von Dolly Ropes als Scheuerschutz überflüssig machen. Hierbei liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Krabbenfischerei.

Vorgehensweise


1. Änderung des Netzdesigns

Die Konstruktion eines Netzes hat entscheidenden Einfluss auf das Verhalten des Netzes beim Fischen, also auch darauf, wie nahe das Netz dem Meeresboden kommt. Folgende Modifikationen sind potentielle Kandidaten:

  • Zuschnitt des Netzes: Der Zuschnitt des Kurrennetzes bietet ggf. Möglichkeiten, den Steert weiter vom Boden abzuheben. Bisher sind Kurrennetze im vorderen Bereich zwischen Ober-und Unterblatt mit einem Keil versehen, der in Richtung Meeresboden ausgerichtet ist. In diesem Projekt sollen Seitenkeile erprobt werden, die nach oben ausgerichtet sind, so dass sich dadurch das Achternetz stärker vom Meeresboden abhebt.

  • Erzielen einer konstanten zylindrischen Form des Steertes durch Ringverstärkungen und damit Verhinderung von vergrößerten Durchmessern am Steertende: Die Enden von Steerten aus Netztuch in T0-Maschenausrichtung blähen proportional zur Fangmenge auf. Diese Umfangsänderung soll durch Ringverstärkungen begrenzt werden. Diese Art der Beeinflussung der Steertform wird bereits seit langer Zeit auf Fahrzeugen mit Heckslippe genutzt.

  • Erprobung von hydrostatischen und hydrodynamischen Auftriebsmittel wie z.B. Schersegeln

  • Ausrichtung der Maschen: Aus Versuchen u.a. im Rahmen des Projektes CRANNET ist bekannt, dass auch die Ausrichtung des Netztuches einen wichtigen Einfluss auf die Form des Steertes hat. Maschen in T90-, aber vor allem Maschen in T45-Ausrichtung verringern die Umfangszunahme des Steertes bei zunehmender Fangmenge im Steert.


2. Verringerung des Fanges von schwerem Material

Der Steert wird auch durch den Fang von schweren Organismen (z.B. Muscheln und Seeigel) oder schwerem Material (z.B. Steine) nach unten gezogen. Dementsprechend ist ein Lösungsansatz, die Menge an diesen schweren Fangbestandteilen zu verringern – insbesondere da diese unerwünscht im Netz landen. Folgende Optionen sind u.a. denkbar:

  • Benthos-Release-Panel (BRP): wird bereits teilweise eingesetzt, bzw. es gibt Untersuchungen zu deren Einsatz. Dabei ist im Unterblatt des Netzes ein großmaschiges Netz installiert, durch das Muscheln, Steine usw. fallen können. Ein Problem hierbei ist natürlich, dass dieses BRP auch zu Fangverlusten von Zielarten führen kann. Aktuell gibt es Überlegung der belgischen Kollegen, in der Plattfischbaumkurrenfischerei elektrifizierte BRPs einzusetzen, die eine Flucht von Zielarten vermeiden sollen.

  • Änderungen des Grundgeschirrs: Berichte aus der Fischerei und eigene Untersuchungen zeigen, dass die Konstruktion des Grundgeschirrs einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wieviel schweres Material im Fang ist. Dies betrifft z.B. die Anzahl an Rollen, Scheuchketten usw. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass die Pulsbaumkurren (insbesondere in der Plattfischbaumkurrenfischerei) wesentlich sauberere Fänge (also z.B. mit weniger Muscheln und Steinen) haben.

 

Unsere Forschungsfragen


Durch welche Netzmodifikationen kann der Kontakt zwischen Netz und Meeresboden reduziert oder vermieden werden?

Ist die Handhabung der entwickelten Netzmodifikationen an Bord von kommerziellen Fahrzeugen praktikabel?

Beeinflusst die entwickelte Netzmodifikation die Fängigkeit des Netzes? Hierbei müssen unbedingt die Effekte des Verzichts auf Scheuerschutz/Dolly Ropes und der Netzmodifikation unterschieden werden.

Wie verhält sich ein modifiziertes Netz im Langzeiteinsatz, bzw. können Netzschäden langfristig auf ein akzeptables Maß reduziert werden?

Sind die gefundenen Lösungen auf andere Fischereien übertragbar?

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesland Schleswig-Holstein
    (national, öffentlich)
  • Bundesland Niedersachsen
    (national, öffentlich)
  • Europäische Union (EU)
    (international, öffentlich)

Zeitraum

1.2018 - 12.2020