Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Annette Pontillo
Institut für Ökologischen Landbau

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Ungeliebter Gast in Kartoffeln: Drahtwürmer

Projekt

 (c) Herwart Böhm

Regulierungskonzepte zur Reduktion von Drahtwurmschäden

Drahtwürmer, die Larven der Schnellkäfer, schädigen viele acker- und gartenbaulichen Kulturen gravierend, so auch Kartoffeln. Im Ökologischen Landbau ist es bislang nicht möglich, diesen Schädling effektiv zu bekämpfen.

Hintergrund und Zielsetzung

Lässt sich der Drahtwurmfraß vermindern und so die Qualität von ökologisch erzeugten Kartoffeln sichern? Das hatten sich die Projektpartner unter Federführung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, unter Beteiligung des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau, des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) sowie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) – Rheinhessen – Nahe – Hunsrück vorgenommen.

Vorgehensweise

Zunächst stellten wir auf Praxisbetrieben Pheromonfallen auf; sie sollten die Schnellkäfer abfangen und so die Population dauerhaft reduzieren. Zur Schadensprognose führten wir auch ein Monitoring der Larven im Boden durch. Zusätzlich erprobten wir, ob sich die Drahtwürmer durch gezielte Bodenbearbeitung reduzieren lassen. Aus den Ergebnissen wollten wir für die Praxis übertragbare Strategien ableiten.

Ergebnisse

Rotklee-Gras-Gemenge sind – das zeigen die Ergebnisse – für Schnellkäfer hoch attraktiv. Das stützt die Annahme, dass ein hoher Anteil an Kleegras in der Fruchtfolge die Drahtwurmpopulation begünstigt. Im ökologischen Landbau ist Kleegras essentiell für die Futterproduktion, die N2-Fixierung und den Humusaufbau, aber in der Kartoffelproduktion erhöht Kleegras das Risiko eines Drahtwurmbefalles. Im Rahmen der Projektzeit war es nicht möglich, die Anzahl abgefangener Schnellkäfer und/oder der Anzahl aufgesammelter Larven in Beziehung zu den durch sie verursachten Fraßschäden am Erntegut zu setzen. Offenbar müssen weitere Faktoren wie Bodenparameter, Klimaeinfluss aber auch biotische Faktoren (z. B. Fraßfeinde, Nematoden, Pilze) mit berücksichtigt werden. Da Drahtwürmer bis zu 6 Jahre für ihre Entwicklung brauchen, sind auch lange Beobachtungszeiträume notwendig. Für eine direkte Kontrolle stehen im Ökologischen Landbau keine Pflanzenschutzmittel zur Verfügung – die Drahtwurmpopulation muss folglich durch pflanzenbauliche Maßnahmen reduziert werden. Die Wirkung (Biofumigation) verschiedener Vorfrüchte (z.B. Weißkohl) und eine Bodenbearbeitung zum richtigen Zeitpunkt konnten Drahtwurmschäden an Kartoffeln reduzieren.

Werden schalenfeste Kartoffeln früh gerodet, kann das die Schäden durch Drahtwurmfraß stark vermindern. Lange Verweilzeiten im Boden erhöhen das Ausmaß des Schadens. Nicht bzw. kaum reduzierend auf den Drahtwurmbefall wirkten der Anbau verschiedener Zwischenfrüchte, das Ausbringen von Untersaaten, der Einsatz verschiedener Komposte und Bodenhilfsstoffe sowie die Behandlung mit Pflanzenstärkungsmitteln.

Es ist davon auszugehen, dass nur konsequentes langjähriges Handeln den Drahtwurmfraß dauerhaft reduzieren kann. Hierzu wären entsprechend langjährige Versuche notwendig.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Zeitraum

4.2007 - 12.2009

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: BÖL 06OE272
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: abgeschlossen


Schlussbericht und Merkblatt

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 3

  1. Schepl U, Paffrath A, Kempkens K, Böhm H, Koppe W, Wildung M, Völkel G, Schmidt R, Hoos S (2010) Regelungskonzepte zur Reduktion von Drahtwurmschäden. 53 p
  2. Böhm H, Koppe W, Dreyer W (2008) Monitoring of click beetles (Agriotes lineatus and A. obscurus) in organically managed farms in Northern Germany. In: Neuhoff D, Halsberg N, Alföldi T (eds) Cultivating the future based on science : proceedings of the Second Scientific Conference of the International Society of Organic Agriculture Research (ISOFAR), held at the 16th IFOAM Organic World Congress in Cooperation with the International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) and the Consorzio ModenaBio, 18 - 20 June 2008 in Modena, Italy ; vol.1 Organic crop production. Bonn: ISOFAR, pp 434-437
  3. Böhm H, Krause T (2005) Einsatz von Pheromonfallen zum Monitoring von Schnellkäfern (Agriotes spp.) in Vorfrüchten zu Kartoffeln. In: Hess J, Rahmann G (eds) Beiträge zur 8. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau "Ende der Nische" : Kassel, 1.-4. März 2005. Kassel: Kassel Univ Pr, pp 141-142