Schweinswale retten, deutsche Fischer im Wettbewerb stärken (PAL-Projekt)

Projekt

Schweinswale in der Ostsee (c) Thünen-Institut/Jerome Chladek
Schweinswale in der Ostsee (© Thünen-Institut/Jerome Chladek)

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fischerei durch Entwicklung innovativer, praxistauglicher PAL-Warngeräte zur Minimierung von Schweinswal-Beifängen

Schweinswale verfangen sich und ertrinken in Stellnetzen, die sie mit ihrem akustischen Orientierungssinn nicht rechtzeitig wahrnehmen können. Das Thünen-Institut beteiligte sich in einem Innovationsprojekt an der Entwicklung und Erprobung von Geräten, die dem Schutz der Schweinswale vor dem Beifang dienen.

Hintergrund und Zielsetzung

Schätzungen zufolge verenden mehr Schweinswale als Beifang in Stellnetzen, als in internationalen Schutzabkommen und Naturschutzverordnungen der EU festgelegt ist. Diese Situation führt zu einem Konflikt zwischen Naturschutz und Fischereiwirtschaft: Forderungen, die Stellnetzfischerei einzustellen, hätten für die Fischer existentielle Folgen. Die bislang von einigen Fischereien eingesetzten sogenannten „Pinger“ zur Warnung der Wale vor den Netzen sind umstritten, da sie im Verdacht stehen, die Tiere zu weiträumig aus ihren Nahrungsgründen zu vertreiben.
Im Gegensatz dazu erzeugt der neuartige PAL (Porpoise ALarm) Schweinswal-Kommunikationslaute, mit denen die Tiere sich sonst gegenseitig warnen. PAL-Geräte sollen Schweinswale auf die gefährlichen Stellnetze aufmerksam machen, ohne sie zu vertreiben und können so helfen, Naturschutzbelange und Interessen der Fischerei zu vereinbaren.
Entwickelt wurde das zum Patent angemeldete PAL-Gerät von Prof. Boris Culik der Firma „F³: Forschung . Fakten . Fantasie“. Gemeinsam mit Dr. Christian von Dorrien und Jerome Chladek, Thünen-Institut für Ostseefischerei, wurde das PAL-Gerät in Zusammenarbeit mit der Berufsfischerei in der Praxis erprobt.

Zielgruppe

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fischerei durch Entwicklung innovativer, praxistauglicher PAL-Warngeräte zur Minimierung von Schweinswal-Beifängen in Stellnetzen.

Vorgehensweise

Das Projekt wurde von dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung gefördert und hatte eine Laufzeit von 2012 bis Ende Juni 2017. Partner in diesem Innovationsprojekt waren Prof. Boris Culik mit seiner Firma F³: Forschung . Fakten . Fantasie aus Kiel/Heikendorf.
Das Projekt gliederte sich in drei Stufen:

  1. Forschung im Labor zur technischen PAL-Signal- und Komponentenentwicklung zu einem fischereitauglichen Gerät.
  2. Forschung im Freiland an Schweinswalen, um ihre Vermeidungsreaktion auf PAL-markierte Stellnetzattrappen (ohne Netz, um bei diesem Test Schweinswalbeifänge zu vermeiden) zu optimieren und
  3. Vergleichender Feldversuch mit PAL-Geräten in der regulären Fischerei mit kommerziellen Stellnetzfischern in der westlichen Ostsee und der Nordsee.

Daten und Methoden

Das Thünen-Institut für Ostseefischerei organisierte vor allem die vergleichenden Untersuchungen mit den PAL-Geräten in Kooperation mit kommerziellen Stellnetzfischern und wertete die Ergebnisse aus. So wollten wir einerseits die praktische Einsetzbarkeit und Wirksamkeit der PAL-Geräte testen. Andererseits wollten wir überprüfen, ob die Geräte eventuell einen Einfluss auf die Menge und Artenzusammensetzung der Fänge der Zielfischarten haben.

Ergebnisse

Als wesentliches Ergebnis dieses Projektes konnte in dem über dreijährigen Feldversuch nachgewiesen werden, dass die neuartigen PAL-Geräte den Beifang von Schweinswalen wirksam verringern können. Und ebenso wichtig: die Geräte sind robust genug, um auch den Dauereinsatz auf kommerziellen Fischereifahrzeugen überstehen zu können..
Darüber hinaus erhielten wir durch unsere wissenschaftliche Begleitung des Tests der PAL-Geräte in der kommerziellen Fischerei verbesserte Daten über den Fischereiaufwand, die Fischereimuster sowie Beifänge in der Stellnetzfischerei.
Es konnte ein Kommunikationslaut identifiziert werden, der im Freiland zu Vermeidungsreaktionen und höheren Klick-Raten bei den Schweinswalen geführt hat. Die Ergebnisse wurden bisher in einer Fachzeitschrift (Link) und auf einem Poster für die jährliche Tagung der Europäischen Gesellschaft für Meeressäuger (European Cetacean Society) auf Malta 2015 veröffentlicht.

Dieser Kommunikationslaut wurde bis Ende 2016 in den PAL-Geräten in Feldversuchen mit mehreren kommerziellen Fischern während ihrer normalen Fangtätigkeit auf seine Wirksamkeit getestet. Die Fischer setzten dabei zur Hälfte Netze mit PAL-Geräten und zur anderen Hälfte Netze ohne PAL-Geräte ein. Die Ergebnisse der Versuche in der westlichen Ostsee sind eindeutig: In den Netzen OHNE PAL-Geräte sind signifikant mehr Schweinswale beigefangen worden als in den Netzen MIT PAL-Geräten. Die Beifangwahrscheinlichkeit von Schweinswalen durch Stellnetze wird um gut 70% reduziert.

Das PAL-Projekt befindet sich gerade in der Auswertungsphase der Daten. Zur Zeit werden mehrere Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sowie Präsentationen vor Interessensvertretern und auf wissenschaftlichen Konferenzen vorbereitet.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

12.2012 - 6.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 7

  1. Dorrien C von, Chladek J-C (2018) Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fischerei durch Entwicklung innovativer, praxistauglicher PAL-Warngeräte zur Minimierung von Schweinswal-Beifängen - Schlussbericht des Teilprojektes 1. Rostock: Thünen-Institut für Ostseefischerei, 17 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 821 KB
  2. Culik B, Conrad M, Chladek J-C (2017) A new warning device. Tracks (CMS)(Ausg. COP12):82-83
  3. Culik B, Conrad M, Chladek J-C (2017) Akustischer Schutz für Meeressäuger: neues Warngerät PAL. In: Fortschritte der Akustik - DAGA 2017 : 43. Jahrestagung für Akustik, 06.-09. März 2017 in Kiel. Berlin: Deutsche Gesellschaft für Akustik eV (DEGA), pp 387-390
  4. Chladek J-C, Kindt-Larsen L, Culik B, Conrad M, Dorrien C von (2017) Listen to your PAL! Innovative alerting device significantly reduces western Baltic harbour porpoise bycatch : Poster for European Cetacean Society Conference 2017. Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 1 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 2133 KB
  5. Culik B, Dorrien C von, Conrad M (2016) Porpoise Alerting Device (PAL): Synthetic harbour porpoise (Phocoena phocoena) communication signals influence behaviour and reduce by-catch. BfN Skripten 451:150-155
  6. Culik B, Conrad M, Schaffeld T, Dorrien C von, Kindt-Larsen L (2015) Deploying Porpoise Alerting Device (PALfi) in Baltic and North Sea Gillnet Fisheries [Poster]. In: 29th Conference of the European Cetacean Society, 23rd to 25th March 2015, University of Malta, Malta . Msida: University of Malta
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1594 KB
  7. Culik B, Dorrien C von, Müller V, Conrad M (2015) Synthetic communication signals influence wild harbour porpoise (Phocoena phocoena) behaviour. Bioacoustics 24(3):201-221, DOI:10.1080/09524622.2015.1023848

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