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Themenfelder

Otolithen machen den Unterschied

Projekt

Dorschotolith (c) Thünen-Institut/Britta Rotzoll
Dorschotolith (© Thünen-Institut/Britta Rotzoll)

DCF (Data Collection Framework): Untersuchung zur Trennung von Dorschbeständen in der westlichen Ostsee mittels der Analyse stabiler Isotope in Otolithen

Zu welchem Bestand gehört ein gefangener Fisch? Hätte jeder Fisch einen Ausweis mit Geburtsort, wäre das leicht zu erfahren. So aber müssen wir den Fischen diese Information mit viel Aufwand entlocken – dank ihrer Gehörsteinchen.

Hintergrund und Zielsetzung

In der Ostsee unterscheidet das Fischereimanagement zwei Dorschbestände, den Dorsch der westlichen Ostsee in den Seegebieten 22 und 24 (Kieler/Mecklenburger Bucht, Arkonasee) und den Dorsch in den Seegebieten 25 bis 32 (Bornholmsee und alle Seegebiete weiter östlich bzw. nördlich). Das Gebiet 24 (Arkonasee) ist ein Mischgebiet zwischen West- und Ostdorsch. Die Frage ist: Wie groß ist der Anteil der Dorsche aus 22 bzw. 25 in Gebiet 24; und wie viel Dorsch ist eigentlich ein Original aus 24? Unklar ist auch das Mischungsverhältnis in den Gebieten 22 und 25 mit anderen Dorschen. Diese Unklarheit führt zu einer großen Unschärfe in der Bestandsvorhersage, insbesondere wenn die Dorsche aus einem Gebiet in ein anderes „überschwappen“ und unsere Einschätzung des Bestandszustandes im Nachgebiet verfälschen.

Für ein verbessertes Management müssen wir diese Überläufer wieder rücksortieren können. Das ist zurzeit noch nicht möglich. Aber mit Hilfe verschiedener moderner Methoden versuchen wir, den Überläufern auf die Schliche zu kommen. Ziel ist es, Einzeltiere einem spezifischen Seegebiet zuordnen zu können.

Vorgehensweise

Zur Bestandstrennung nutzen wir verschiedene Methoden, wie unterschiedliche genetische Signaturen, Unterschiede in der Lebensgeschichte, Laichzeit, Wachstum und Fruchtbarkeit, das Inventar an Parasiten usw. Viele dieser Methoden sind sehr aufwändig und teuer und hängen davon ab, dass man den richtigen Marker findet, also das Signal im gewaltigen Grundrauschen. Wir haben uns auf die Analyse der Otolithen, der Gehörsteinchen, spezialisiert, die wir auch für die Altersbestimmung verwenden. Neben der Analyse der Umrisse untersuchen wir chemische Signaturen in den Otolithen (oder in der Muskulatur). Ein Otolith archiviert während seines Wachstums im Innenohr des Fisches die chemischen Charakteristika seiner Umwelt. Durch die Bestimmung der chemischen Zusammensetzung entlang der Wachstumsachse des Otolithen kann die Lebensgeschichte eines Fisches rekonstruiert werden. Unser Institut verfügt über eine Mikrofräse zur präzisen Gewinnung von sehr kleinen Puderproben aus Otolithen für die chemische und Isotopenanalyse. Wir untersuchen zum Beispiel die Verhältnisse stabiler Isotope wie 13C, 15N, 18O oder 34S, um daraus Rückschlüsse auf das Ursprungsgebiet oder zu den Wanderbewegungen zwischen unterschiedlichen Wasserkörpern zu ziehen.

Ergebnisse

Zum Thema „Bestandstrennung des Ostseedorsches“ wurden bereits verschiedene Arbeiten mit Beteiligung von Mitarbeitern des OF veröffentlicht.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

7.2007 - 1.2016

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Rehberg-Haas S, Hammer C, Hillgruber N, Hüssy K, Temming A (2012) Otolith microstructure analysis to resolve seasonal patterns of hatching and settlement in western Baltic cod. ICES J Mar Sci 69(8):1347-1356, DOI:10.1093/icesjms/fss112

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