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Kommunale Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen

Projekt

Kommunale Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen (c) Gitta Schnaut
Kommunen spielen eine zentrale Rolle für die ländliche Entwicklung. (© Gitta Schnaut)

Kommunen haben viele öffentliche Aufgaben zu erfüllen. Sie spielen also eine zentrale Rolle für die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Doch wie ist es um die Handlungsfähigkeit ländlicher Kommunen in der Praxis bestellt?

Hintergrund und Zielsetzung

Mit der Entwicklung ländlicher Räume befassen sich mehrere politische Ebenen. Die Europäische Union, der Bund und die Länder setzen den Handlungsrahmen, formulieren Ziele und initiieren Förderprogramme. Letztlich aber ist es die kommunale Ebene, auf der sich ein Großteil der Politik zur Förderung ländlicher Räume vollzieht. Hier werden konkrete Anliegen formuliert, lokale Strategien entwickelt und entsprechende Projekte umgesetzt – sowohl im Rahmen spezieller Förderprogramme als auch im politischen Normalbetrieb.

Diese Aufgabenteilung folgt zum einen der Selbstverwaltungsgarantie des Grundgesetzes, nach der „alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“ in kommunaler Verantwortung liegen (Art. 28, Abs. 2), und zum anderen dem allgemeineren Subsidiaritätsgrundsatz. Weil sich die Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger von Ort zu Ort unterscheiden können, ist eine größtmögliche Befassung auf kommunaler Ebene auch demokratietheoretisch überzeugend.

An Grenzen stößt diese formale Aufgabenteilung jedoch, wenn sich die praktische Handlungsfähigkeit der Kommunen derart unterscheidet, dass Disparitäten in der Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben entstehen. So betonen auch die Vorsitzenden der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ in ihren Schlussfolgerungen, dass Deutschland „starke lebenswerte Kommunen [braucht], damit die kommunale Selbstverwaltung und die Demokratie für die Menschen erlebbar und die notwendigen Einrichtungen für das tägliche Leben in ihrem Wohnort vorhanden bleiben“.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in diesem Projekt, wie es um die praktische Handlungsfähigkeit der Kommunen in ländlichen Räumen bestellt ist. Wir streben an, konzeptionell und empirisch belastbares Wissen über kommunale Kapazitäten und deren Auswirkungen auf die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse zu generieren.

Vorgehensweise

Am Anfang steht die Konzeptualisierung kommunaler Handlungsfähigkeit. Oftmals wird dabei vornehmlich die Finanzausstattung in den Blick genommen. Doch auch etliche weitere Faktoren können eine Rolle spielen, zum Beispiel die Organisation der Kommunalverwaltung, ihr Personal und seine Expertise sowie die Kooperation mit weiteren Akteuren (öffentlich wie privat). Hinzu kommen variierende Rahmenbedingungen, beispielsweise den Kommunalisierungsgrad öffentlicher Aufgaben betreffend. Mithilfe politik- und verwaltungswissenschaftlicher Literatur sollen die Schlüsselelemente kommunaler Handlungsfähigkeit eruiert und geordnet werden.

Den nächsten Schritt bildet die Operationalisierung. Dabei wollen wir mit Blick auf die Teilfragen ebenso aussagekräftige wie praktikable Indikatoren für die Messung der kommunalen Handlungsfähigkeit finden. Bei beiden Arbeitsschritten, Konzeptualisierung und Operationalisierung, bietet sich eine Rückkopplung mit der kommunalen Praxis an.

Auf dieser analytischen Grundlage finden empirische Untersuchungen zur kommunalen Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen statt. Neben einer Bestandsaufnahme wollen wir auch fragen, inwieweit sich die unterschiedliche kommunale Handlungsfähigkeit auf die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse auswirkt.

Daten und Methoden

Für die empirischen Untersuchungen eignen sich unterschiedliche Datenquellen und Methoden. Die Validierung der Konzeptualisierung kann in Einzelinterviews oder Fokusgruppen mit der kommunalen Praxis erfolgen. Eine umfassende Bestandsaufnahme der kommunalen Handlungsfähigkeit kann auf amtlicher Statistik sowie repräsentativer Befragung von Kommunen aufbauen. Zur Ergänzung dieses Querschnitts können qualitative Fallstudien besondere Problemlagen und mögliche Lösungsansätze ergründen.

Unsere Forschungsfragen

  • Was macht kommunale Handlungsfähigkeit aus?
  • Welche Muster zeigen sich in der kommunalen Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen?
  • Wie wirkt sich die kommunale Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen auf die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse aus?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, die kommunale Handlungsfähigkeit in ländlichen Räumen (und darüber hinaus) zu stärken?

Thünen-Ansprechpartner


Zeitraum

7.2020 - 6.2024

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 0