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Dr. Jennifer Nascimento Schulze

Rund um die Welt für nachhaltige Aquakultur

Jennifer Nascimento-Schulze hat eine innige Verbindung zum Meer. Aufgewachsen auf der brasilianischen Insel Santa Catarina, verbrachte sie viele Stunden ihrer Kindheit an paradiesischen Stränden. Meerestiere gehören seit jeher zu ihrem Leben dazu – sie liebt sie auf dem Teller ebenso wie in intakten Ökosystemen des Ozeans. „Ich möchte, dass diese Tiere gesund leben können und ihre Nutzung dem Meer nicht schadet“, sagt die Wissenschaftlerin.

Ihre Begeisterung für Meerestiere spiegelt sich auch in ihrer akademischen Laufbahn wider: Zu ihren Spezialgebieten zählen Technik und Nachhaltigkeit in der Aquakultur, Biologische Ozeanografie und Genomik. Nach Stationen in Brasilien, UK und Deutschland konnte das Thünen-Institut für Fischereiökologie Nascimento-Schulze schließlich für ein großangelegtes Forschungsprojekt gewinnen. 

Wiederherstellung von Riffsystemen der Europäischen Auster – so heißt das Vorhaben, in dem die Europäische Auster in der Nordsee wiederangesiedelt werden soll. Die Thünen-Fischereiökolog*innen werden die Tiere in der Aquakulturanlage des Instituts aufziehen. Nascimento-Schulze wird unter anderem darauf achten, dass die Austern gesund sind und sich wohlfühlen. Die Temperatur, der Wasserfluss, aber auch die Ernährung müssen fortwährend kontrolliert werden. „Es ist das erste Mal, dass Austern in einem geschlossenen Kreislaufsystem mit künstlichem Meerwasser aufgezogen werden. Wir wollen verstehen, welche Bedingungen sie in dieser Umgebung benötigen“, erklärt sie.

Derzeit steckt das Projektteam in den letzten Vorbereitungen für den Start der Austernaufzucht. Für die Wissenschaftlerin steht etwa die Auswahl von Photobioreaktoren auf dem Plan, mit denen sie Algen als Austernnahrung züchten wird. Sie schwärmt: „Mikroalgen sind wunderschön! Je nach Algenart kann das Wasser weinrot, hellgrün oder in Brauntönen schimmern.“ Auch auf die Austern freut sie sich. Im Mai sollen sie in die Aquarien einziehen. Bis dahin muss alles vorbereitet sein.

Ein Neuanfang steht nicht nur den Algen und Austern bevor. Auch Nascimento-Schulze steckt mittendrin. Erst vor rund einem Monat zog sie nach Bremerhaven, um dort fünf Jahre lang für das Thünen-Institut zu forschen. Sie vermisst ihre Heimatinsel, doch bereut hat sie ihren Weg als Wissenschaftlerin nicht. Für sie bedeutet es große Freiheit, nicht jeden Tag im Büro zu sitzen und immer dasselbe zu tun. „Forschung ist sehr kreativ. Ich kann Experimente durchführen, Fragen stellen und Lösungswege entwickeln“, sagt sie.

Für die nachhaltige Aquakultur sieht Nascimento-Schulze viel Potenzial. Die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten steigt. Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung könne Aquakultur als klimaresiliente Nahrungsquelle dienen. Gleichzeitig mahnt sie: „Es ist wichtig, dass wir unsere Produktionsmethoden verbessern, um die Ökosysteme zu entlasten.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass Regierungen weltweit Forschungsergebnisse stärker berücksichtigen und größere Anstrengungen unternehmen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.

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