Weiter zum Inhalt

Dr. Friederike Fenger

Agrarwissenschaftlerin mit großer Vision

Eine Agrarwissenschaftlerin aus der Großstadt – für Friederike Fenger ist das kein Widerspruch. Als Hamburgerin gehörte sie während ihres Studiums an der Universität Kiel zu den wenigen, die nicht auf einem Hof groß geworden waren. Diese Außenperspektive wurde ihre Stärke. „Ich bin frei in meiner Meinung. Andere müssen als Teil großer Milch- oder Fleischbetriebe viel mutiger sein, um neue Perspektiven vertreten zu können“, sagt sie. Ihr Interesse an der Weidewirtschaft führte sie für ihre Promotion nach Irland – die europäische Hochburg der Weidemilchproduktion. Besonders faszinierte sie dort, wie umfassend und effizient das irische Weidesystem gedacht wird. Die Zeiträume, in der die Kühe Milch geben, werden dort beispielsweise gezielt auf das Graswachstum abgestimmt, um das frische Weidefutter optimal zu nutzen.  

Seit drei Jahren leitet Friederike Fenger die Arbeitsgruppe Grünland und die technische Abteilung Pflanzenbau am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau. Im schleswig-holsteinischen Trenthorst erforscht sie gemeinsam mit ihrem Team, wie auch die deutsche Landwirtschaft Wiesen und Weiden künftig besser nutzen und wertschätzen kann. „Grünland ist viel mehr als grüne Wiese. Wenn wir es richtig nutzen, liefert es Nahrung für Tiere, fördert Biodiversität und speichert gleichzeitig Kohlenstoff“, erklärt sie. Manche prophezeien der Weidewirtschaft das Ende: Mit dem Klimawandel werde es zu heiß, zu trocken. Doch die Thünen-Wissenschaftlerin bleibt optimistisch: „Die neuen Bedingungen fordern uns, unsere Systeme weiterzuentwickeln. Wenn wir Bäume auf den Weiden pflanzen, haben die Tiere mehr Schatten und das Holz dient auch noch als Einkommensquelle.“ 

Mit ihrer klaren Vision einer resilienten, klimaschonenden Weidewirtschaft wird sie künftig im Experimentellen und interdisziplinären Landschaftslabor am Thünen-Institut (EiLT) erforschen, wie Bäume auf Weideflächen nachhaltig etabliert werden können. Gemeinsam mit zwei weiteren Thünen-Forschenden koordiniert sie das Experimentierfeld WieseAckerTierGehölz. Bisher hat das Team auf drei Weideflächen 76 Bäume gepflanzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten nun mit Hochdruck an den Projektanträgen – eine kreative Aufgabe, die Friederike Fenger liegt. Ihre Arbeit aktiv gestalten zu können, ist ihr wichtig, ein anderer Job für sie kaum vorstellbar. 

In den vergangenen Jahren hat sie in der Wissenschaft einen Generationswechsel beobachtet, der auch zu mehr Frauen in Führungspositionen geführt hat. Zufrieden stellt sie fest: „Es geht heute mehr um die Sache und weniger um Namen und Personen. Es gibt mehr Kooperation, weniger Konkurrenz.“ 

Nach Feierabend läuft sie mit ihrem Hund durch Felder und Wiesen. Ihre Wohnung liegt nicht weit von den Versuchsflächen entfernt. Das Stadtleben vermisst sie nicht: „Ich liebe die Natur und die Ruhe hier. Es ist viel los in meinem Kopf. Wenn ich vor die Türe gehe, dann ist es viel ruhiger“, sagt sie zufrieden. Dabei zeigen ihr die Wiesen und Felder täglich, wofür sie sich mit ihrer Forschung einsetzt: eine moderne Weidewirtschaft 2.0.

Nach oben