Expertise
Jeder Tropfen zählt
Jacob Jeff Bernhardt, Nataliya Stupak | 04.02.2026
Ob Beregnungsanlage oder Tröpfchenbewässerung – viele Kulturen brauchen im Sommer zusätzliches Wasser. Wo bewässert wird und woher das Wasser stammt, wird bisher nur lückenhaft erfasst. Wir bündeln die Daten, um eine solidere Grundlage für neue Entwicklungen und Modelle zu schaffen.

Zunehmende Trockenheit stellt Landwirtschaft und Gartenbau im Klimawandel vor Herausforderungen: Die Dürrejahre zwischen 2018 und 2022 führten in vielen Regionen Deutschlands zu Ernteausfällen. Eine vorausschauende und bedarfsgerechte Bewässerung kann helfen, solche Ausfälle künftig zu vermeiden. Doch es mangelt an zuverlässigen und vergleichbaren Bewässerungsdaten, um zielführende Entscheidungen bezüglich der Wassernutzung zu treffen. Forschende des Thünen-Instituts untersuchen, wie es um die Bewässerung in Deutschland steht und wie die Datengrundlage verbessert werden kann.
Daten dienen als Entscheidungsgrundlage
Je nach Wetterbedingungen entfallen in Deutschland etwa zwei Prozent des gesamten Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft – Tendenz steigend. Wie das Wasser dort genutzt wird, wird aktuell jedoch nicht ausreichend erfasst. Auch im Kontext der Nationalen Wasserstrategie und der Deutschen Anpassungsstrategie rückt die Verfügbarkeit und Qualität von Realdaten zur tatsächlichen Wassernutzung zunehmend in den Fokus. Um Veränderungen besser erkennen zu können, sind möglichst kleinräumig und zeitlich hochaufgelöste Bewässerungsdaten nötig. Solche Daten liefern die notwendige Entscheidungsgrundlage, um zukünftig auftretenden Wassernutzungskonflikten zu begegnen, die Ernährungssicherheit zu stärken und die Ressource Wasser nachhaltig zu schützen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts haben 2025 erstmals die Bewässerungsdaten für Deutschland flächendeckend und auf Landkreisebene dargestellt. Es flossen Daten der Landwirtschaftszählungen und Agrarstrukturerhebungen der vergangenen 15 Jahre ein. Teilweise sind Daten der Betriebe zu bewässerten Flächen oder eingesetzten Bewässerungstechniken verfügbar, jedoch werden sie aus Datenschutzgründen zusammengefasst und nur auf Bundeslandebene herausgegeben. Die Thünen-Forschenden nutzen deshalb eine sogenannte Clusteranalyse, um die räumliche Auflösung der Daten zu verbessern.
Die Fläche und Intensität der Bewässerung nimmt zu
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Umfang und Intensität der Bewässerung als auch die mit Bewässerungstechnik ausgestattete landwirtschaftliche Fläche zugenommen haben. Zwischen 2009 und 2022 wuchs die bewässerbare Fläche um knapp 24 Prozent: Während 2009 deutschlandweit 639.030 Hektar bewässert werden konnten, waren es 2022 bereits 791.800 Hektar. Das entspricht im Jahr 2022 rund fünf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland. Somit ist in großen Teilen des Landes die Möglichkeit zur Bewässerung nicht oder nur in geringem Maße gegeben.
Der größte Teil der Bewässerung findet in Regionen vom Nordwestdeutschen Tiefland bis ins Nordostdeutsche Tiefland statt. Dazu gehören das westliche Nordrhein-Westfalen, große Teile Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs sowie die Gebiete Nord- und Ost-Sachsen-Anhalts und Nordsachsens. Im südlichen Teil Deutschlands bündelt sich die Bewässerung entlang der großen Flüsse Rhein, Main, Neckar, Donau und Isar. Im östlichen Teil von Rheinland-Pfalz, im südlichen Hessen sowie im Teil des oberen Rheingrabens von Baden-Württemberg und der anliegenden Region Stuttgart ist eine weitere Konzentration zu beobachten. In Bayern sind Bewässerungsgebiete punktuell zu erkennen und vor allem entlang der Donau und Isar sowie in Unter- und Mittelfranken gebündelt.
Wie bewässert wird: Mengen, Quellen und bewässerte Kulturen
Laut der Agrarstrukturerhebung 2023 nahm Getreide im Jahr 2022 mit knapp 26 Prozent den größten Anteil der bewässerten Fläche ein. Kartoffeln folgten mit rund 21 Prozent. Kleinere Anteile entfielen etwa auf Freiland Gemüse, Mais und Zuckerrüben.
Allerdings liefern die Angaben zur bewässerten Fläche keine Informationen darüber, wie viel Wasser pro Hektar aufgewendet wurde. So ist zu erwarten, dass Kulturen, die auf kleinen Flächen angebaut werden, wie etwa Gemüse oder Erdbeeren, mit deutlich mehr Wasser bewässert werden als beispielsweise Getreide, das auf großen Feldern angebaut wird. Der Wasserverbrauch für die Bewässerung im Freiland lag nach Angaben der Landwirtschaftszählungen und Agrarstrukturerhebungen im Jahr 2022 bei rund 431 Millionen Kubikmetern im Vergleich zu rund 293 Millionen Kubikmetern im Jahr 2009. Das entspricht einem Anstieg von etwa 47 Prozent.
Mehr als zwei Drittel der bewässernden Betriebe nutzen 2022 Grundwasser für die zusätzliche Wasserversorgung der Kulturpflanzen. Knapp ein Drittel bezog das Wasser aus öffentlichen oder privaten Versorgungsnetzen. Oberflächenwasser wurde von weniger als einem Fünftel der Betriebe verwendet. Doch diese Datengrundlage ist lückenhaft, da sie nicht abbildet, woher das Wasser der Versorgungsnetze stammt. Ist ein Betrieb etwa Teil eines Bewässerungsverbandes, gibt er in der Befragung an, sein Wasser aus einem privaten Versorgungsnetz zu beziehen. Dass dieses Wasser häufig aus dem Grundwasser gewonnen wird, bleibt dabei unberücksichtigt – und führt zu einem verzerrten Bild der tatsächlich genutzten Wasserquellen.
Technologisch hat sich die Bewässerung stark gewandelt. Wenngleich die Anzahl der Betriebe, die Beregnungsanlagen nutzten von 2009 auf 2022 mit knapp zwei Prozent leicht sank, stieg die Anzahl der Betriebe, die Tropfbewässerung einsetzten deutlich: Während 2009 3.178 Betriebe die Technik einsetzten, waren es 2022 schon 5.660. Somit lässt sich ein Trend hin zu effizienteren Methoden wie der Tropfbewässerung beobachten. Diese können besonders in Regionen mit hohen Wasserkosten oder starkem Wassermangel sowie angebauten Dauerkulturen eine bedeutende Rolle spielen.
Empfehlungen für eine bessere Datengrundlage
Um die Datengrundlage zur Bewässerung in Deutschland zu stärken, schlagen die Forschenden folgende Verbesserungen vor:
Die Bewässerung von Kulturen etwa in Gewächshäusern oder unter Schutzabdeckungen sowie die Frostschutzberegnung sollten künftig erfasst werden. Derzeit fehlen diese Angaben sowohl in der Landwirtschaftszählung als auch in der Agrarstrukturerhebung.
Die Daten sollten regelmäßig und anhand gleichbleibender Verfahren erhoben werden. Nur so lassen sich Zusammenhänge sowie zeitliche Entwicklungen verlässlich erkennen. Der Stand der Bewässerung in Deutschland kann bislang lediglich beschrieben, jedoch nicht statistisch ausgewertet werden.
Die Daten sollten in möglichst kleinräumiger Auflösung verfügbar sein. Das ermöglicht den Kommunen, ihre Wasserversorgung nachhaltig zu planen und relevante wasserbezogene Entscheidungen zu treffen. Aktuell sind die verfügbaren Daten häufig auf die Ebene der Bundesländer beschränkt.
Die Befragungen in landwirtschaftlichen Betrieben sollten eindeutig formuliert sein. Da ein Großteil der Bewässerungsdaten aus solchen Befragungen stammt, ist dies notwendig, um eine verlässliche Datenbasis zu schaffen.
Mit der Novellierung des Agrarstatistikgesetzes 2025 sind aktuell jedoch eher Rückschritte zu erkennen: Bewässerungsdaten werden nun noch seltener erhoben. Sie fließen nur noch in die Agrarzählung ein, jedoch nicht mehr in die Agrarstrukturerhebung. Auch deshalb entwickeln Forschende des Thünen-Instituts Modelle, mit denen sich der Bewässerungsbedarf abschätzen lässt, um Entscheidungsträgerinnen und -träger zu unterstützen.
Weitere Informationen
Alle Daten und weitere Informationen sind im Thünen-Workingpaper 258: Status quo der Bewässerung in Deutschland zu finden.
Wie Wasserspeicherbecken die Klimaanpassung im Pflanzenbau unterstützen können, analysieren Forschende des Thünen-Instituts, der TU Braunschweig und des Fraunhofer Instituts im Thünen-Workingpaper 278.
Das Verbundprojekt Landwirtschaftliches Wassermanagement in Deutschland (LAWAMAD) wird koordiniert von der Thünen-Stabsstelle Klima, Boden, Biodiversität. In einem Unterprojekt (LAWAMAD Teilprojekt C) untersuchen Thünen-Forschende den regionalen Bewässerungsbedarf im Klimawandel.
In unserem aktuellen Themenschwerpunkt Wasser bündeln wir das Wissen des Thünen-Instituts von Regenwasserspeicher bis Aquakultur.
In der Thünen-Podcastfolge Ungenutzte Ressourcen II – Mangelware Wasser oder Wasser im Überfluss diskutieren wir mit zwei Expert*innen über Trockenheit und Wasserkonkurrenz in Deutschland.
Ein Erklärvideo zur Nationalen Wasserstrategie und Informationen zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel sind auf der Website des Bundesministeriums für Umwelt, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz zu finden.
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