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FAQ

Wie viel Holz können wir in Zukunft ernten?

Andreas Bolte, Karsten Dunger, Joachim Rock | 09.03.2026


WO Institut für Waldökosysteme

Das WEHAM Basisszenario simuliert auf Grundlage aktueller Zahlen aus der Bundeswaldinventur 2022, wie sich Deutschlands Wälder in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnten. Dieses FAQ erklärt, was sich aus den Ergebnissen ableiten lässt und wo die Grenzen der Modellierung liegen. 

Was wäre, wenn in Deutschland künftig mehr Laub- statt Nadelholz genutzt wird? Wie verändern sich Holzvorräte und Nutzungsmöglichkeiten, wenn Schutzgebiete in Wäldern ausgeweitet werden? Wie bereiten wir Wälder bestmöglich auf den Klimawandel vor? Mögliche Antworten liefert die Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) des Thünen-Instituts.

Mit dem Modell simulieren Forschende auf Basis der Daten der Bundeswaldinventur 2022, wie sich Wälder und Holzaufkommen in Deutschland in den kommenden 40 Jahren entwickeln könnten. Das Modell ermöglicht es zum Beispiel, das Wachstum einzelner Bäume, die Folgen forstlicher Eingriffe, die natürliche Mortalität und die Verjüngung der Bestände abzuschätzen. 

Die WEHAM wurde vor knapp 30 Jahren entwickelt und wird seitdem kontinuierlich verbessert und an neue Anforderungen angepasst. In unserem FAQ erläutern wir, welche Schlüsse sich aus den Ergebnissen ziehen lassen und was sie für die Forstwirtschaft der kommenden Jahrzehnte bedeuten.

Das WEHAM-Basisszenario zeigt, wie sich die Wälder in Deutschland entwickeln könnten, wenn die Wachstumsbedingungen gleichbleiben und das erwartete forstliche Management umgesetzt wird. Dazu gehört beispielsweise der Umbau von reinen Fichtenbeständen zu Mischwäldern.

Welche Annahmen in die Simulation einfließen, legen Expertinnen und Experten von Bund und Ländern fest. Die Annahmen spiegeln wieder, wie die Forstwirtschaft unter den aktuellen Richtlinien und Managementplänen voraussichtlich handeln wird. 

Das WEHAM-Basisszenario liefert keine Vorhersagen für die Zukunft der Wälder, sondern lediglich eine Referenz für mögliche Nutzungsszenarien. Auf dieser Basis können Forschende die Ergebnisse weiterer Szenarien, etwa zu zunehmenden Sturmschäden oder verändertem Management, vergleichen und deren Folgen abschätzen. Daraus lassen sich entsprechende Handlungsempfehlungen für Politik und Forstwirtschaft ableiten.

Wir können nicht genau vorhersagen, wie sich das Klima in Deutschland entwickelt. Daher bleibt unklar, wann und welche Schäden die Wälder treffen werden. Eine realistische Prognose ist somit nicht möglich. 

Die WEHAM liefert das voraussichtliche Rohholzpotenzial, also die Menge an Holz, die genutzt werden kann, wenn die im Szenario angenommene Bewirtschaftung vollständig umgesetzt wird. Erfahrungsgemäß wird jedoch nie so viel Holz entnommen, wie theoretisch möglich wäre. Das Szenario für die kommenden zehn Jahre zeigt, dass im Durchschnitt jährlich 88 Millionen Kubikmeter (Erntefestmeter/Efm) Rohholz zur Verfügung stehen. Das sind etwa 21 Prozent mehr als die tatsächliche Nutzung von 2012 bis 2022, die in der Bundeswaldinventur erfasst wurde.

Das tatsächlich genutzte Rohholzpotenzial 2022 ist geringer als die projizierten Potenziale bis 2062.

Nein, denn das Basisszenario geht von Idealbedingungen aus, in denen Forstbetriebe und Waldbesitzende die geplanten Nutzungen vollständig umsetzen können. So zeigte das WEHAM-Basisszenario 2012 für den Zeitraum 2013 bis 2022 ein hohes Rohholzpotential von rund 84 Millionen Kubikmetern (Efm) pro Jahr. Die tatsächlich genutzten 73 Millionen Kubikmeter (Efm) pro Jahr zwischen 2012 und 2022 liegen 13 Prozent unter dem im Modell berechneten Rohholzpotenzial. Die Vergangenheit zeigt, dass das Rohholzpotenzial bisher selten vollständig ausgeschöpft wurde. Gleichzeitig wurde das Potenzial in bestimmten Regionen oder für einzelne Baumarten oder Altersklassen sogar übertroffen. Grund war etwa zusätzlich anfallendes Fichtenholz aufgrund von langanhaltender Trockenheit oder Borkenkäferbefall.

Die Nachfrage nach Holzarten auf dem Markt entscheidet darüber, wie viel Holz verkauft wird und zu welchem Preis. Besonders gefragt sind mittlere Stammdurchmesser von 20 bis 50 Zentimetern, da die Maschinen der meisten Sägewerke auf diese Größen ausgelegt sind. Für Starkholz mit größeren Durchmessern gibt es hingegen kaum Abnehmer.

Eine weitere Herausforderung ist der hohe Anteil von Kleinprivatwäldern: Etwa 25 Prozent der Waldflächen in Deutschland gehören rund 1,8 Millionen Privatwaldbesitzenden, die weniger als 20 Hektar Wald besitzen. Diese Wälder werden oft nur eingeschränkt bewirtschaftet, da viele Waldbesitzende das Holz nur für ihren Eigenbedarf nutzen, kaum Zugang zu Technik und Logistik für den Einschlag verfügen oder weit entfernt wohnen. Insgesamt gelangt so weniger Holz auf den Markt, als theoretisch verfügbar wäre.

Wälder sind allerdings nicht nur nachhaltige Rohstoffquellen. Sie speichern auch große Mengen Kohlenstoff, fördern die Biodiversität und dienen als Erholungsraum. Die gesellschaftlichen Erwartungen an diese sogenannten Ökosystemleistungen steigen stetig. 

Besonders Fichten mit mittlerem Stammdurchmesser sind gefragt.
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