Expertise
Mehr Unterschiede im Arbeitsleben zwischen den Geschlechtern
Gesine Tuitjer | 06.03.2026
In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Unterschiede zwischen ländlichen Räumen und Städten abgeschwächt. Und auch die zwischen Ost- und Westdeutschland. Gleichzeitig haben sich die Gender Gaps kaum verändert – trotz der gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Ost- und Westdeutschland gleichen sich weiter an: Noch vor zehn Jahren gab es einen deutlichen Unterschied bei den Erwerbsquoten von Frauen. Im Osten haben sowohl in ländlichen als auch in städtischen Räumen mehr Frauen gearbeitet als im Westen. Durch die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Frauen in Westdeutschland ist diese Lücke mittlerweile kaum noch existent. Gleichzeitig ist jedoch die Erwerbsbeteiligung der Männer sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland gestiegen. Somit haben sich die Gender Gaps in der Erwerbsbeteiligung in Ost- und Westdeutschland sowohl für ländliche als auch für städtische Räume leicht erhöht.
Grundsätzlich nehmen Männer und Frauen in ländlichen Räumen etwas häufiger am Erwerbsleben teil als in städtischen Gebieten. Das gilt für Ost- wie auch für Westdeutschland. Die Unterschiede in den Erwerbsquoten der Frauen in ländlichen und in städtischen Räumen sind in den vergangenen zehn Jahren in Westdeutschland gleichgeblieben. In Ostdeutschland sind sie leicht gesunken.
Größer als die Stadt-Land oder Ost-West Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung der Frauen sind jedoch die entsprechenden Gender Gaps. Diese sind besonders in Westdeutschland ausgeprägt. So betrug der Abstand zwischen Frauen und Männern in westdeutschen ländlichen Räumen im Jahr 2015 durchschnittlich rund 7,5 Prozentpunkte, während er im Osten mit etwa 3,7 Prozentpunkten deutlich geringer ausfiel.
Frauen arbeiten häufiger als Männer in Teilzeit. Das gilt für alle Regionen. Im Jahr 2015 betrug der Gender Gap in westdeutschen ländlichen Räumen durchschnittlich 16,8 Prozentpunkte (38,8 Prozent Frauen gegenüber 22,0 Prozent Männer). In westdeutschen Städten lag er bei 17,5 Prozentpunkten (36,3 Prozent zu 18,8 Prozent). Im Osten fiel der Unterschied noch deutlich größer aus: In ländlichen Räumen betrug er durchschnittlich 28,4 Prozentpunkte (39,7 Prozent zu 11,3 Prozent), in Städten 25,7 Prozentpunkte (36,6 Prozent zu 10,9 Prozent). Damit war der Geschlechterunterschied bei der Teilzeitbeschäftigung im Osten erheblich stärker ausgeprägt als im Westen.
Bis 2025 vergrößern sich diese Abstände weiter. Im Westen steigt der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen deutlich an, während er bei Männern stark gesunken ist. Dadurch wächst der Gender Gap in der Teilzeitbeschäftigung in westdeutschen ländlichen Räumen durchschnittlich auf 30,3 Prozentpunkte (46,1 Prozent zu 15,8 Prozent) und in Städten auf 28,9 Prozentpunkte (42,3 Prozent zu 13,4 Prozent). Im Osten erhöht sich die Differenz ebenfalls: In ländlichen Räumen liegt sie 2025 bei 38,5 Prozentpunkten (47,8 Prozent zu 9,3 Prozent), in Städten bei 35,9 Prozentpunkten (44,6 Prozent zu 8,7 Prozent). Der Abstand zwischen Frauen und Männern ist damit im Osten weiterhin am größten und hat seit 2015 zugenommen.
Neben den Geschlechterunterschieden zeigen sich auch Differenzen zwischen ländlichen und städtischen Regionen. 2015 ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten in ländlichen Räumen jeweils etwas höher als in Städten. Im Westen beträgt der Raum-Gap bei Frauen 2,5 Prozentpunkte (38,8 Prozent ländlich gegenüber 36,3 Prozent städtisch) und bei Männern 3,2 Prozentpunkte (22,0 Prozent zu 18,8 Prozent). Im Osten liegt der Unterschied bei 3,1 Prozentpunkten für Frauen (39,7 Prozent zu 36,6 Prozent) und bei 0,4 Prozentpunkten für Männer (11,3 Prozent zu 10,9 Prozent). Die Stadt-Land-Differenz ist damit deutlich kleiner als der Geschlechterunterschied in der Teilzeiterwerbstätigkeit.
Auch 2025 bleibt Teilzeitarbeit in ländlichen Räumen etwas verbreiteter als in Städten. Im Westen beträgt der Abstand zwischen Land und Stadt 3,8 Prozentpunkte bei Frauen (46,1 Prozent zu 42,3 Prozent) und 2,4 Prozentpunkte bei Männern (15,8 Prozent zu 13,4 Prozent). Im Osten liegt der Raum-Gap bei 3,2 Prozentpunkten für Frauen (47,8 Prozent zu 44,6 Prozent) und bei 0,6 Prozentpunkten für Männer (9,3 Prozent zu 8,7 Prozent).

Insgesamt sind die Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Räumen also moderat, während die Geschlechterunterschiede – insbesondere im Osten – sehr deutlich ausfallen und im Laufe der Jahre weiter zugenommen haben. Neben dem Umfang der Arbeitszeit gibt es deutliche Unterschiede bezüglich der Branchen und der Positionen, die Frauen und Männer im Erwerbsleben bekleiden. Die meisten Frauen sind in wenigen Branchen wie Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht sowie öffentliche Verwaltung tätig. Männer finden sich in diesen Bereichen nur wenige. Auch in leitenden Positionen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. So ist zwar fast die Hälfte aller Erwerbstätigen weiblich, aber nur rund ein Drittel der Führungskräfte sind es auch.




