Zahlen & Fakten
Treibhausgas-Emissionen durch Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF)
Andreas Gensior, Roland Fuß, Wolfgang Stümer, Joachim Rock, Sebastian Rüter | 05.02.2026
Auch im Jahr 2024 war der Landnutzungssektor Deutschlands mit Nettoemissionen in Höhe von 57,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (Mio. t CO2-Eq.) eine bedeutende Quelle für Treibhausgase (THG). Zum Vergleich: Im Vorjahr betrugen die Nettoemissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use Change, and Forestry, LULUCF) 68,7 Mio. t CO2-Eq.

Hauptquellen dieser Emissionen waren auch 2024 die organischen Böden, gefolgt von der Waldbiomasse. Die Wälder sind vor allem durch die Trockenheit 2018 bis 2022 und die darauf folgenden Schädigungen, wie etwa durch Borkenkäfer, von der Kohlenstoffsenke zur -quelle geworden.
Die Ergebnisse der aktuellen Berechnungen zu Deutschlands Treibhausgas-Emissionen verdeutlichen, dass
- der LULUCF-Sektor seit dem Jahr 2000 überwiegend eine Nettoquelle für Treibhausgase war,
- die Ziele des Klimaschutzgesetzes (KSG) derzeit deutlich verfehlt werden und aller Wahrscheinlichkeit nach bis 2030 nicht zu erreichen sind,
- die Kohlenstoffspeicher der unterschiedlichen Ökosysteme und ihre Fähigkeit, Treibhausgase aufzunehmen, empfindlich auf extreme Wetterereignisse reagieren,
- die Einführung neuer Methoden zu einer präziseren Erfassung der Dynamik und räumlichen Auflösung der Emissionen im LULUCF-Sektor geführt hat.
Hintergrund LULUCF
Die Treibhausgasberichterstattung für Deutschland wird in verschiedene Sektoren unterteilt. Dazu zählen etwa Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und LULUCF. Im LULUCF-Sektor werden die menschengemachten Emissionen berichtet, die infolge von Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use Change, and Forestry, LULUCF) entstehen. Im LULUCF-Sektor können Kohlenstoffspeicher entweder Treibhausgase freisetzen und so Emissionen verursachen (Quelle oder positive Emissionen) oder CO2 aufnehmen und dadurch Emissionen verringern (Senke oder negative Emissionen).
Die Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) werden in den Landnutzungskategorien Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen und sonstiges Land erfasst. Untersucht werden dafür die Veränderungen der Kohlenstoffspeicher Böden, Biomasse, Totholz und Streu. Hinzu kommt der Kohlenstoffspeicher, den Holzprodukte bilden. In diesem Holzproduktespeicher wird die verzögerte Freisetzung von biogenen CO2-Emissionen erfasst. Ebenso werden die Treibhausgasemissionen aus künstlichen Gewässern, z.B. Stauseen, Fischteiche und Entwässerungsgräben, aus Wald- und Moorbränden und dem industriellen Torfabbau in die Bilanz einbezogen.
Die Emissionsinventare decken immer den Zeitraum vom Basisjahr der Berichterstattung 1990 bis zwei Jahre vor dem aktuellen Berichtsjahr ab. Das bedeutet, das im Jahr 2026 veröffentlichte Inventar erfasst die Emissionen der Jahre von 1990 bis einschließlich 2024.
Senkenleistung des LULUCF-Sektors wird derzeit deutlich verfehlt
Im Bundes-Klimaschutzgesetz wird vom LULUCF-Sektor eine im Zeitverlauf ansteigende Nettosenkenleistung erwartet. In Paragraf 3a werden absolute Nettoemissionsmengen des LULUCF-Sektors als Beitrag zu den Klimaschutzzielen genannt: bis 2030 minus 25 Mio. t CO2-Eq., bis 2040 minus 35 Mio. t CO2-Eq.) und bis 2045 minus 40 Mio. t CO2-Eq. Einen jahresgenauen Zielpfad gibt es nicht. Die als Referenz anzurechnenden Nettoemissionen aus dem LULUCF-Sektor stellen dabei den Mittelwert der Emissionen aus dem Stichjahr und den drei vorhergegangenen Jahren dar.
Vergleicht man die Nettoemissionssummen des LULUCF-Sektors mit den im KSG genannten Zielen, wird offensichtlich, dass die geforderten Zielemissionen schon jetzt deutlich verfehlt werden. Im gesamten Berichtszeitraum seit 1990 wurde die für 2030 geforderte Senkenleistung nur in den Jahren 1991 und 1993 erreicht, als Vierjahresmittel jedoch nie.
Ergebnisse der Emissionsberechnungen für das Jahr 2024
Der LULUCF-Sektor Deutschlands ist seit dem Jahr 2000 überwiegend eine mehr oder weniger starke Nettoquelle für Treibhausgase. Besonders ausgeprägt war diese Quellenwirkung im Dürrejahr 2003 und erneut in den Trockenjahren seit 2018. Im Jahr 2024 betrugen die Nettoemissionen 57,8 Mio. t CO2-Eq. Alle Landnutzungskategorien setzten Treibhausgase frei. Am größten waren die Nettoemissionen im Grünland mit 24,2 Mio. t CO2-Eq. und im Ackerland mit 17,5 Mio. t CO2-Eq. Es folgten Feuchtgebiete mit 9,0 Mio. t CO2-Eq. und Siedlungen mit 4,6 Mio. t CO2-Eq. Auch Wald und Holzprodukte wurden mit 2,1 Mio. t CO2-Eq. beziehungsweise 0,4 Mio. t CO2-Eq. zu kleineren Quellen.
So haben sich die Emissionen der einzelnen Kohlenstoffspeicher (Pools) entwickelt
Im Betrachtungszeitraum 2024 wurden die Nettoemissionen des LULUCF-Sektors vor allem von der Waldbiomasse, dem dazu in Beziehung stehenden Holzproduktespeicher und den Mineralböden beeinflusst. Durch die Waldschäden der Jahre seit 2018 und deren Folgen konnte die Waldbiomasse die gleichbleibend hohen Emissionen aus den organischen Böden und den Gewässern nicht mehr kompensieren und wurde zwischenzeitlich selbst zu einer erheblichen Emissionsquelle.
Die Biomasse, insbesondere die des Waldes, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtbilanz. Berücksichtigt werden neben Bäumen, Sträuchern und ihren Wurzeln auch einjährige Pflanzen wie Gräser, Kräuter und Ackerlandkulturen. Totholz, also abgestorbene Bäume und Äste, sowie die sogenannte Streuauflage aus abgefallenen Blättern, Nadeln und Zweigen werden als eigenständige Pools erfasst.
Trotz Stürmen und Trockenheit war der Wald die meiste Zeit eine Senke für Treibhausgase. Im Jahr 2018 wendete sich das Blatt: Sturmschäden, Trockenheit und damit im Zusammenhang stehende Kalamitäten (z.B. Borkenkäferbefall) führten zu einem verstärkten Baumsterben, das in besonderem Maß die Fichten traf. In der Folge musste eine große Menge Holz zusätzlich aus den Wäldern entnommen werden. Der Vorratsverlust und die geringeren Zuwachsraten an Holz führten in den Jahren 2018 bis 2023 zu jährlichen Emissionen von mehr als 30 Mio. t CO₂-Eq. aus der Waldbiomasse.
Seit 2023 gingen die Emissionen aus der Waldbiomasse wieder deutlich zurück, weil die kalamitätsbedingten Zwangsnutzungen abnahmen. Die Zuwachsraten blieben jedoch weiterhin niedriger als vor der Störung. Mit 1,8 Mio. t CO₂-Eq. trug die Waldbiomasse im Jahr 2024 wesentlich zu den Nettoemissionen des Biomassepools bei. Zusammen mit den 1,7 Mio. t CO₂-Eq. aus der Biomasse der Kategorie Siedlungen entfiel damit der überwiegende Anteil der gesamten Emissionen aus Biomasse von 3,9 Mio. t CO₂-Eq. auf diese beiden Bereiche. Auch die Biomasse des Ackerlandes war eine Quelle, während die Biomasse auf Grünland und Feuchtgebieten in Summe als Senke wirkte.
In den Jahren 2018 bis 2022 führten die ausgeprägte Trockenheit sowie die daraus resultierenden Waldschäden zu einer verstärkten Nutzung des heimischen Rohholzes. Mehr Holz wurde zu Holzhalbwaren weiterverarbeitet. Dadurch wurde auch mehr Kohlenstoff im sogenannten Holzproduktespeicher gebunden. Seit 2023 sind die Waldschäden jedoch weitestgehend aufgearbeitet. Dementsprechend entwickelt sich auch die Einbindung des Kohlenstoffs im Holzproduktespeicher zurück. Dies führte 2024 zusammen mit den Abgängen aus dem Speicher zum Verlust der Senkenfunktion der Kategorie Holzprodukte.
Die meisten Treibhausgasemissionen im LULUCF-Sektor stammen aus organischen Böden. Im Jahr 2024 verursachten die überwiegend trockengelegten Moore Nettoemissionen von 49 Mio. t CO₂-Eq. In das hydrologische Modell dieses Sektors werden Witterungsdaten eingebunden, um den Grundwasserstand in organischen Böden zu berechnen, von dem die Emissionen abhängen. Der Emissionsverlauf zeigt dadurch eine deutlich schwankende Variabilität von Jahr zu Jahr. Diese spiegelt besonders die Auswirkungen hydrologischer Extremereignisse wie Trockenjahre wider. So waren aufgrund der stark abgesenkten Grundwasserstände die Emissionen im Trockenjahr 2018 um 13,1 Mio. t CO₂-Eq. oder 28,1 Prozent höher als im Jahr 2017.
In Zeiten erhöhter Emissionen aus Biomasse, vor allem aus Wäldern, verstärken Trockenperioden direkt und indirekt die Freisetzung von Treibhausgasen. Gleichzeitig steigt der Ausstoß aus organischen Böden, was das gesamte Emissionsniveau im Saldo zusätzlich deutlich erhöht (z.B. 2003, 2018, 2022). Die dabei entstehenden, teils überlagernden und verstärkenden Wechselwirkungen zeigen, wie empfindlich landgebundene Ökosysteme sowie Feuchtgebiete. Auf extreme Wetterereignisse reagieren – insbesondere in ihrer Rolle als Quelle und Senke für Treibhausgase.
Auch die Mineralböden entwickelten sich in den vergangenen Jahren von einer Senke zu ei-ner Quelle. Die Nettoemissionen beliefen sich im Jahr 2024 auf 5,4 Mio. t CO₂ Eq. Im Vor-jahr waren es 5,0 Mio. t CO₂-Eq. Innerhalb der verschiedenen Kohlenstoffpools weisen die Mineralböden und hier noch einmal besonders die Acker- und Waldböden die größten Schwankungen zwischen den Vergleichszeiträumen auf. Das liegt vor allem am Einfluss wechselnder Witterungsverhältnisse. Für Mineralböden unter Grünland ist eine hektargenaue Modellierung der Kohlenstoffdynamik an Einzelstandorten derzeit noch nicht möglich.
Während mineralische Ackerböden überwiegend eine Nettoquelle für Treibhausgase darstellten, waren Waldböden nahezu ausschließlich eine Nettosenke. Diese Senkenfunktion verstärkt sich vorübergehend in den Jahren nach Stürmen, Trockenheit oder Schädlingsbefall. Nach solchen Kalamitäten wird mehr organisches Material eingetragen und nach dessen Zersetzung im Boden verstärkt eingelagert.
Über den langen Betrachtungszeitraum von mittlerweile 35 Jahren waren Mineralböden überwiegend eine Nettosenke für Treibhausgase. Die Acker- und Siedlungsböden setzten in den meisten Jahren weniger Nettoemissionen frei als die Wald-, Grünland- und Feuchtgebietsböden an Kohlenstoff aufnahmen.
Änderungen gegenüber der Berichterstattung 2025
Für die Erstellung des aktuellen deutschen Treibhausgas-Inventars wurden zahlreiche Methoden auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht. Das führte zu einer vollständigen Neuberechnung der Emissionen des LULUCF-Sektors über den gesamten Berichtszeitraum. Insbesondere bei den Mineralböden und der Biomasse zeigen sich nun deutlich höhere Nettoemissionen und stärkere Schwankungen der Werte in den Jahresvergleichen.
Die CO₂- und N₂O-Emissionen aus mineralischen Ackerlandböden wurden erstmals hektargenau ermittelt. Die Berechnung erfolgte einzelstandortbezogen unter Anwendung des Prozessmodells Roth-C.
Für den Pool Waldböden wurden die Inputfaktoren des Modells YASSO 15 angepasst, um die Auswirkungen der Kalamitäten besser zu berücksichtigen.
- Mit Hilfe eines neuen Modells wird nun die Entwicklung der Biomasse mehrjähriger Pflanzen in Siedlungsgebieten bestimmt. Es umfasst zudem neue Verteilungskoeffizienten für verschiedene Pflanzentypen und aktualisierte Faktoren für die Flächenversiegelung.
- Es wurde ein neues Verfahren eingeführt, um die Landnutzung vor 2010 zu bestimmen. Des Weiteren wurde die Kartengrundlage inhaltlich, räumlich und zeitlich aktualisiert.
Die Vorjahresschätzung (VJS) nach Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG)
Die Emissionen des Vorjahres müssen laut Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) bis zum 15. März ermittelt und berichtet werden (Vorjahresschätzung). Der Erstellung dieser sogenannten Inventare liegen teilweise vorläufige Daten und Schätzungen zugrunde. Im LULUCF-Sektor betrifft dies etwa den Holzproduktespeicher, die Biomasse des Waldes, die Biomasse von Feldfrüchten und Gräsern sowie die Emissionen aus der Torfausbringung. Diese Daten werden dann im folgenden Inventarbericht aktualisiert. Das KSG bezweckt, „zum Schutz vor den Auswirkungen des weltweiten Klimawandels die Erfüllung der nationalen Klimaschutzziele sowie die Einhaltung der europäischen Zielvorgaben zu gewährleisten“ (§1 KSG). Der Expertenrat für Klimafragen bewertet unter anderem die Daten der Vorjahresschätzung im Hinblick auf die Einhaltung dieser Klimaziele.
Die Ergebnisse der Vorjahresschätzung 2026, die auf den Emissionen des Jahres 2025 beruhen, liegen ab 15. März vor und werden hier ergänzt.
Festlegung von Kohlenstoff: Minderungsoptionen
Im LULUCF-Sektor können wir Menschen in doppelter Hinsicht auf die Festlegung von Kohlenstoff bzw. die Minderung von Treibhausgasemissionen einwirken.
- Schutz bestehender Vorräte: Die Trockenlegung von Feuchtgebieten oder der Umbruch von Grünland setzen Kohlenstoff frei, der dauerhaft gebunden ist. Derartige Landnutzungsänderungen sollten unterlassen werden.
- Dauerhafte Anreicherung von Kohlenstoff:
- Die geregelte Wiedervernässung organischer Böden ist zum einen eine sehr effektive Maßnahme, die Emissionen von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren, zum anderen CO2 der Atmosphäre zu entziehen und für Jahrhunderte in den Böden festzulegen. Damit verbunden sind weitere positive Umwelteffekte etwa auf die Biodiversität, den Wasserhaushalt in der Landschaft und das Mikroklima. Werden nachwachsende Rohstoffe wie Schilf, Torfmoose und Gehölze auf wiedervernässten Flächen angebaut, entsteht zusätzliches Potenzial zur Minderung von Treibhausgasen. Die Materialien können beispielsweise Dämm- oder Brennmaterialien ersetzen, die relevantere Treibhausgasemissionen aufweisen.
- Der Anbau von Gehölzen in der Agrarlandschaft, beispielsweise in Agroforst-Systemen, Kurzumtriebsplantagen oder als Hecken, führt zu einer Kohlenstoffspeicherung in der verholzenden Biomasse sowie im häufig verstärkt gebildeten Humus. Die Gehölze haben zudem positive Effekte etwa auf die Biodiversität, schützen vor übermäßiger Erosion und können fossile Brennstoffe ersetzen.
- Neue Wälder und eine nachhaltige Waldnutzung können zur Vergrößerung des Kohlenstoffvorrates in der Biomasse der Wälder führen. Die nachhaltige Nutzung der Wälder und die damit verbundene Nutzung der Ernteprodukte tragen ebenfalls zum Klimaschutz bei, beispielsweise, wenn mehr Kohlenstoff in Holzprodukten gespeichert wird.
- In landwirtschaftlich genutzten Mineralböden sorgen der Anbau von Zwischenfrüchten und Blühstreifen, humusmehrende Fruchtfolgen oder eine optimierte organische Düngung für eine zusätzliche Kohlenstoffspeicherung. Die Maßnahmen sind allerdings kurzfristig umkehrbar und eignen sich deshalb nur bedingt für den langfristigen Aufbau von Kohlenstoffspeichern. Technische Lösungen wie die Ausbringung von Pflanzenkohle müssen erst noch weiter erforscht werden.





