Winterwicken als Vorfrucht zu Mais und als Silage für Schweine

Projekt

 (c) Thünen-Institut/OL

Winterwicken als Ganzpflanzen: Potenzial als Vorfrucht zu Mais und in der Fütterung von Mastschweinen

Die Winterwicke ist ein Allrounder: Als Winterzwischenfrucht kann sie Erosion verhindern und Stickstoff im Boden anreichern und als Futtermittel kann sie wertvolle Nährstoffe für Nutztiere liefern. In diesem Projekt prüfen wir die Vorfruchtwirkung auf Mais und den Einsatz von Winterwickensilage in der Mastschweinefütterung.

Gegenstand des Vorhabens ist es, verschiedene Sorten der Zottelwicke (Vicia villosa), der Pannonischen Wicke (Vicia pannonica) und der Narbonner Wicke (Vicia narbonensis) auf ihre Eignung für den Winterzwischenfruchtanbau in Norddeutschland, ihre Vorfruchtwirkung zu Mais und ihre Eignung als proteinreiches, Riboflavin lieferndes Futtermittel für Mastschweine zu prüfen.

Hintergrund und Zielsetzung

Ziel des geplanten Vorhabens ist die Bewertung verschiedener Winterwickenarten für den Ackerbau und die Fütterung als Ganzpflanze in Norddeutschland.

Es existiert eine große Bandbreite an verschiedenen Wickenarten, die als Kultur- und Wildpflanzen weltweit unter unterschiedlichen Bedingungen wachsen und sowohl als wertvolles Fruchtfolgeglied in Reinsaat und im Gemenge als auch als Bestandteil von Grünland zu finden sind. Sie werden als Gründünger, zur Gewinnung der Samen als Futter- oder Nahrungsmittel sowie als Heu, Silage oder Weide auch als Ganzpflanze in der Fütterung verschiedener Nutztierarten eingesetzt. Wicken haben unter anderem durch die Möglichkeit der Stickstofffixierung und die gute Durchwurzelungsfähigkeit einen hohen ackerbaulichen Wert. Sie sind gute Vorfrüchte und Zwischenfrüchte und vermögen die Biodiversität zu steigern. Dadurch sind sie nicht nur im Ökologischen Landbau von Interesse. Der Einsatz von Winterwicken als Winterzwischenfrucht mit Nutzung als Gründüngung oder Futter ist aus pflanzenbaulicher Sicht attraktiv, weil die Standortansprüche der Wicke gering sind, durch die Bodenbedeckung über Winter der Acker vor Erosion geschützt ist und die N2-Fixierung der Winterwicken den Vorfruchtwert deutlich verbessern kann. Mit der Integration von legumen Winterzwischenfrüchten in die Fruchtfolge kann eine Optimierung der Fruchtfolge erfolgen. Der von legumen Winterzwischenfrüchten fixierte Stickstoff kann zu einem hohen Anteil bereits von der Folgekultur wiederverwertet werden. Gleichzeitig wird die Gefahr der Verlagerung von Stickstoff in das Grundwasser vermieden, da die Folgekulturen den freiwerdenden Stickstoff sehr gut aufnehmen können. Zudem gelingt die Etablierung von Winterzwischenfrüchten meist sehr gut. Nach der Ernte der Hauptkultur verbleibt eine ausreichende Spanne für die Bodenbearbeitung und der dadurch mögliche spätere Bestelltermin gewährleistet eine gute Wasserversorgung, sodass Winterzwischenfrüchte deutlich besser etabliert werden können als die als Stoppelsaaten angebauten Sommerzwischenfrüchte. Da die legumen Winterzwischenfrüchte zusätzliche Futterfläche liefern, könnte andererseits die Anbaudauer von einem mehrjährigen auf einen überjährigen Kleegrasanbau verringert werden. Damit kann von der Fruchtfolgegestaltung mehrmals in der Fruchtfolge eine legume Vorfrucht angebaut werden, wovon die Folgefrucht profitiert. Insgesamt kann in einem solchen Anbausystem die N-Verwertung in der gesamten Fruchtfolge gesteigert werden.

Wicken sind aufgrund ihres hohen Proteingehaltes nicht nur als Samen interessant für die Fütterung von Nutztieren, auch als Ganzpflanze liefern sie viel Rohprotein. Die negativen Effekte bei Verfütterung der Samen an Monogastrier, die aus den antinutritiven Inhaltsstoffen (ANF) resultieren, könnten bei Nutzung der Ganzpflanze in den Hintergrund treten, da diese vorrangig in den Samen lokalisiert sind. Durch Silierung von Winterwickenganzpflanzen könnten zudem eventuell vorhandene ANF reduziert werden. Die Nutzung von Ganzpflanzenprodukten aus Wicken kann daher einen Beitrag zur Verbesserung der Proteinversorgung monogastrischer Nutztiere leisten. Allerdings müssen sowohl die Proteinqualitäten (Aminosäurenzusammensetzung und Verdaulichkeit) als auch die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe Beachtung finden, um den Wert dieser Futtermittel in der Fütterung einschätzen zu können. Ein weiterer Vorteil der Nutzung von Wicken als Ganzpflanze liegt in den zu erwartenden erhöhten Riboflavingehalten. Da Riboflavin in den meisten getreidebasierten Rationen für Monogastrier im Mangel vorliegt und Grünaufwüchse von Leguminosen für hohe Riboflavingehalte bekannt sind, ist zu prüfen, ob Grünschnitte oder Silagen von verschiedenen Wickenarten zur Riboflavinversorgung monogastrischer Nutztiere beitragen können.

In dem geplanten Projekt sollen Sorten verschiedener Winterwickenarten auf ihre Eignung für den Anbau in Norddeutschland, ihre Vorfruchtwirkung im Mais und ihre Eignung als proteinreiches, Riboflavin lieferndes Futtermittel geprüft werden. Zu diesem Zweck werden Anbauversuche durchgeführt, aus denen Empfehlungen zu Sorten und Schnittzeitpunkten im Hinblick auf die Nutzung der Ganzpflanze als Futtermittel für Monogastrier resultieren. Analysen zum Futterwert (wertgebende und antinutritive Inhaltsstoffe, Energie und Verdaulichkeit) der Ganzpflanze als Grünschnitt und Silage tragen ebenso zu diesen Empfehlungen bei. Mit Hilfe von Fütterungsversuchen mit Mastschweinen werden zudem die Akzeptanz und die erzielbaren tierischen Leistungen geprüft.

Vorgehensweise

In einem dreijährigen Feldversuch wird das Thünen-Institut untersuchen, welche Vorfruchtwirkung verschiedene Winterwickenarten und -sorten in Reinsaat und im Gemenge mit Getreide auf die Ertragsleistung von Silomais haben. In einem weiteren Versuch wird ermittelt, wie sich die Gehalte wertgebender und antinutritiver Inhaltsstoffe in Winterwicken in Reinsaat im Wachstumsverlauf verändern. Gleichzeitig werden diese Aufwüchse für Untersuchungen zur Prüfung der Silierfähigkeit der Ganzpflanze im Labormaßstab genutzt. In einem Akzeptanzversuch im ersten Jahr und einem Leistungsversuch im zweiten und dritten Jahr wird die Eignung der Silagen in der Mastschweinefütterung am Thünen-Institut geprüft. Ergänzend wird an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die praecaecale Verdaulichkeit der Nährstoffe aus den Winterwickensilagen an Mastschweinen bestimmt. Analysen zum Futterwert (wertgebende und antinutritive Inhaltsstoffe, Energie und Verdaulichkeit) der Ganzpflanze als Grünschnitt und Silage sollen dazu beitragen, Empfehlungen für die Nutzung als Futtermittel für Monogastrier abzuleiten.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    (Halle (Saale), Deutschland)

Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

9.2020 - 3.2024

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2818EPS019
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 0