Weiter zum Inhalt

Wasser auf Umwegen

Grundwasser ist die wichtigste Trinkwasserressource Deutschlands. Thünen-Forschende zeigen, dass unter Buchenwald deutlich mehr Grundwasser gebildet wird als unter Kiefernwald. Ein Grund dafür ist, dass Buchen im Herbst ihre Blätter verlieren.    

Rund 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland werden aus Grundwasser gewonnen. Grundwasser entsteht, wenn Niederschlag durch den Boden in den Untergrund sickert. Doch nicht aller Niederschlag kommt in der Tiefe an. Ein Großteil des Wassers wird im Boden gespeichert oder wird, etwa im Wald, von Baumkronen abgefangen und verdunstet. Wie sich die Waldzusammensetzung auf die Grundwasserbildung auswirkt, untersuchen Forschende des Thünen-Instituts für Waldökosysteme auf der forstlichen Intensivmonitoring-Station in Britz

Mit sogenannten Großlysimetern messen die Thünen-Forschenden, wie viel Sickerwasser in fünf Metern Tiefe ankommt und somit zur Grundwasserbildung beiträgt. Dabei fanden sie deutliche Unterschiede zwischen Laub- und Nadelwald: Von den durchschnittlich 660 Millimetern Regen, die von 2010 bis 2024 jährlich auf die Untersuchungsflächen fielen, sickerten unter dem rund 50-jährigen Buchenwald elf Prozent bis in den Untergrund. Unter einem gleichaltrigen Kiefernwald waren es nur knapp zwei Prozent. In neun von fünfzehn Untersuchungsjahren erreichte im Kiefernwald gar kein Wasser die Fünf-Meter-Marke. 

Ein Grund für die Unterschiede ist, dass Kiefern ganzjährig Nadeln tragen, die Regen und Schnee abfangen. Der dichte Bodenbewuchs im Kiefernwald sorgt zusätzlich dafür, dass weniger Wasser die Bodenoberfläche erreicht. Im Buchenwald hingegen sorgt der Laubfall im Herbst für kahle, durchlässige Kronen. Zudem leiten die glatten Stämme der Buchen Regenwasser gesammelt zum Boden, wo es rasch versickert. Daher könnte in Kiefernwäldern mit sinkenden Grundwasserständen ein Waldumbau zu Buchen-Laubmischwäldern dem Wasserhaushalt zugutekommen. 

Die tiefgründigen, sandigen Böden in Britz sind typisch für das norddeutsche Flachland. Sie speichern vergleichsweise wenig Wasser, sodass mehr davon in die Tiefe sickern kann. Stärker lehm- und tonhaltige Böden, wie sie etwa auf eiszeitlich gebildeten Grundmoränen vorkommen, können mehr Wasser halten. Entsprechend bildet sich dort weniger Grundwasser.

Kontakt

Institut für Waldökosysteme
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Nach oben