Die im Juni 2025 veröffentlichten Legislativvorschläge der Europäischen Kommission für die Förderperiode 2028–2034 bedeuten einen potenziellen Paradigmenwechsel für die EU-Förderpolitik. Die bislang eigenständigen Strukturfonds sollen zu einem „Nationalen und Regionalen Partnerschaftsfonds (NRPF)“ zusammengelegt werden. Um EU-Gelder zu erhalten, soll jeder Mitgliedstaat einen einzelnen „Partnerschaftsplan“ aufstellen, der unterschiedlichste Förderbereiche umfasst. Betroffen wären von dieser Reform auch die Gemeinsame Agrarpolitik und deren zweite Säule zur Entwicklung des ländlichen Raums.
Agrarbezogene Fördermaßnahmen sollen nach den Vorschlägen weiterhin eine hervorgehobene Rolle spielen, zum Beispiel durch ein Mindestbudget für einkommenswirksame Maßnahmen. Die Zukunft der ländlichen Entwicklung jenseits des Agrarsektors ist allerdings ungewiss. Die Ziele des vorgeschlagenen Partnerschaftsfonds weisen zwar Bezüge zur ländlichen Entwicklung auf. In den weiteren Vorschlägen schlägt sich dies jedoch kaum nieder. Selbst LEADER, als Bottom-Up-Instrument ein wichtiger Pfeiler der bisherigen EU-Förderung des ländlichen Raums, würde nach aktuellem Stand sein Mindestbudget verlieren und in seinen inhaltlichen Möglichkeiten beschränkt werden.
„Letztlich entscheiden die Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Partnerschaftspläne über den Stellenwert der ländlichen Entwicklung“, erklärt Stefan Becker, Wissenschaftler am Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen und Autor des Beitrags. „Auch eine Stärkung wäre möglich. Insgesamt dürfte die EU-finanzierte Förderung ländlicher Räume unter diesen Rahmenbedingungen aber wohl an Relevanz verlieren.“
Eine solche Entwicklung stünde im Widerspruch zu den EU-Zielen in diesem Politikfeld, wie sie die Europäische Kommission etwa in ihrer Langfristigen Vision für die ländlichen Gebiete der EU beschrieben hat.






