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Institut für

OF Ostseefischerei

Projekt

Verbesserung der Selektion von Schleppnetzen


Federführendes Institut OF Institut für Ostseefischerei

Steert mit BACOMA-Fluchtfenster
© Thuenen-Institut

Fischerei- & Surveytechnik: Untersuchungen zur Verbesserung der Selektionseigenschaften von Netzen zur Verringerung von Fängen von Nicht-Zielarten, T90, BACOMA

Entwicklung bestandsschonende Fischereimethoden durch Erhöhung der Selektivität von Netzen.

Hintergrund und Zielsetzung

Schleppnetze fangen im Prinzip alle auf die gleiche Weise: sie treiben die im Wasser schwimmenden und vor dem herannahendem Netz fliehenden Fische so lange zusammen, bis sie sich erschöpft in das trichterförmige Netz fallen lassen. Am Ende sammeln sich die Fische im hintersten Netzteil, dem Steert oder Netzbeutel.

Wir untersuchen die Selektionseigenschaften aktueller Schleppnetze und Steerte und arbeiten an  innovativen Konzepten zur weiteren Verbesserung der Selektionseigenschaften von Schleppnetzen.

Schwerpunkte der Arbeit sind:

1. Steertselektion

Spätestens im Steert versuchen die Tiere nicht mehr, den Kontakt mit dem Netz zu vermeiden. Kleine Fische schlüpfen durch die Maschen, wenn diese groß genug sind.

Die Maschengröße wird häufig (aber keineswegs immer) an die gewünschte Größe der Zielart angepasst. In den letzten Jahren wurde zusätzlich die Form der Maschenöffnung berücksichtigt: Weit verbreitet sind z.B. Quadratmaschen, die die Selektionseigenschaften für Fische mit rundlich-ovalem Querschnitt (Rundfische wie Kabeljau oder Dorsch) verbessern.

Durch weitere Anpassung der Maschengröße und - form, sowie zum Beispiel Verwendung anderen Netzmaterials kann die Selektion den Bedürfnissen des Fischereimanagements und der Fischerei angepasst werden.

2. Mehrartenselektion

In aller Regel leben in einem Fanggebiet nicht nur Tiere einer Art. Die verschiedenen Arten unterscheiden sich in Wachstum, Verhalten und Körperbau – und hier besonders im Körperquerschnitt. Ein auf einen Rundfisch optimierter Steert fängt dann fast unweigerlich Plattfische mit, weil diese bei gleicher Länge viel breiter sind. Manche der Beifänge sind erwünscht (z.B. Steinbutt), die meisten aber unerwünscht; der Fischer kann oder will sie nicht vermarkten. Bisher wird dieser unerwünschte Beifang in Gewässern der Europäischen Union einfach wieder über Bord gegeben und nicht auf die Fangquote angerechnet – man spricht dann von Rückwurf. Viele Fische überleben die Fang- und Rückwurfprozedur nicht, sie gehen damit dem zukünftigen Fang verloren. Das ist in erster Linie ein wirtschaftliches Problem, oft ein ökologisches, und auch ein ethisches. Und da bisher die Discardmengen nur lückenhaft berichtet werden, machen Rückwürfe die wissenschaftlichen Bestandberechnungen unsicherer.

Wir arbeiten an Lösungen, die Sortierung von unerwünschten und erwünschten Arten unter Wasser vorzunehmen – wir nennen das „Mehrarten-Selektion“. Hierzu sind zusätzlich zur Steertselektion weitere Sortiereinrichtungen zu entwickeln und im Netz zu integrieren.

3. Alternative Selektionskonzepte

Üblicherweise werden in Schleppnetzen vor allem die großen Tiere einer Art gefangen, während kleinere durch die Maschen im Steert entkommen können. Das führt zu einer Änderung der Alterszusammensetzung der Bestände, wobei unter anderem das Reproduktionspotential der alten Tiere dadurch nicht optimal ausgenutzt werden kann.

Wir arbeiten an alternativen Konzepten der Schleppnetzselektion, bei denen zum Beispiel alte Tiere auch die Möglichkeit haben aus dem Schleppnetz zu entkommen.

Verbesserung der Selektion von Schleppnetzen

Vorgehensweise

Grundlage der Untersuchungen und Entwicklungen ist das Verständnis des Verhaltens und der Morphologie der verschiedenen Arten. Hierzu werden u.a. intensive Unterwasserbeobachtungen durchgeführt um die Kenntnisse vom Verhalten der Tiere nutzen zu können spezielle Selektionseinrichtungen zu entwerfen und diese dann so im Netz zu integrieren, dass sie auch von im Fang unerwünschten Arten zur Flucht genutzt werden.

Diese Arbeiten und die Erprobung der neuen Netzkonstruktionen erfolgt auf den verschiedenen Forschungsschiffen (vor allem FFS"Clupea" und FFS"Solea"), sowie auf kommerziellen Fischereifahrzeugen.

Zeitraum

Daueraufgabe 1.2001 - 12.2018

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

  1. 0

    Santos J, Stepputtis D, Oesterwind D, Herrmann B, Lichtenstein U, Hammerl C, Krumme U (2022) Reducing cod bycatch in flatfish fisheries. Ocean Coastal Manag 220:106058, DOI:10.1016/j.ocecoaman.2022.106058

  2. 1

    Stepputtis D, Santos J, Mieske B, Lichtenstein U, Schütz A, Stechert R (2020) Abschlussbericht an das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern für das Projekt CODEX (CodExcluder) - Netzmodifikation zur Reduktion des Dorschbeifanges. Rostock: Thünen Institute of Baltic Sea Fisheries, 99 p

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063252.pdf

  3. 2

    Santos J, Herrmann B, Stepputtis D, Kraak SBM, Gökce G, Mieske B (2020) Quantifying the performance of selective devices by combining analysis of catch data and fish behaviour observations: methodology and case study on a flatfish excluder. ICES J Mar Sci 77(7-8):2840-2856, DOI:10.1093/icesjms/fsaa155

  4. 3

    Stepputtis D, Santos J, Zimmermann C (2020) Technical approaches to avoid cod catches in Baltic Sea trawl fisheries : A report for the BALTFISH high level group. Rostock: Thünen Institute of Baltic Sea Fisheries, 37 p

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063253.pdf

  5. 4

    Herrmann B, Wienbeck H, Stepputtis D, Ahm Krag L, Feekings JP, Moderhak W (2015) Size selection in codends made of thin-twined Dyneema netting compared to standard codends: a case study with cod, plaice and flounder. Fish Res 167:82-91, DOI:10.1016/j.fishres.2015.01.014

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