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Institut für

OF Ostseefischerei

Projekt

MiniSeine – eine kleine Snurrewade für die deutsche Küstenfischerei


Federführendes Institut OF Institut für Ostseefischerei

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Ein dänischer Kutter fischt mit einer Snurrewade.

Hintergrund und Zielsetzung

Wir versuchen, die Umweltauswirkungen von Fanggeräten zu reduzieren - auch den Einfluss geschleppter Geräte auf den Meeresboden. Dafür bietet sich die Snurrewade (Danish Seine) an, die zudem Treibstoff spart und den Fang für Kegelrobben unzugänglich macht. Für die Verwendung auf kleinen Küstenfischereifahrzeugen muss dieses Gerät jedoch miniaturisiert werden – so eine MiniSeine entwickeln und testen wir in diesem Projekt gemeinsam mit der Fischerei
Die gesellschaftlich erwünschte Rückkehr der Kegelrobben an die deutsche Ostseeküste ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Kegelrobben fressen jedoch in Stellnetzen gefangene Fische an und/oder beschädigen diese Netze. Selbst der derzeit noch immer geringe Kegelrobbenbestand hierzulande führt in einigen Regionen dazu, dass sich die Stellnetzfischerei nicht mehr lohnt. Dies ist jedoch mit Abstand die wichtigste Fangmethode der Ostsee-Küstenfischerei. Um auf diese Entwicklung vorbereitet zu sein, sollten rechtzeitig Möglichkeiten erarbeitet werden, wie die deutsche Küstenfischerei auch in Zukunft ökologisch und ökonomisch nachhaltig ausgeübt werden kann.
Fangtechnische Lösungen können eine wichtige Rolle spielen, um dem Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung entgegenzuwirken. Aktuelle Fanggeräte können dabei modifiziert oder aber alternative „robbensichere“ Fanggeräte entwickelt, getestet und eingesetzt werden. Eine Strategie ist hierbei, den Fang vor Robben zu schützen, indem die Robben nicht an die gefangenen Fische gelangen (z.B. in Fischfallen). Eine weitere Option ist, den Robben nicht genügend Zeit zu geben, die gefangenen Fische zu erreichen. Ein erfolgversprechendes alternatives Fanggerät ist hierbei die Miniseine (dt.: kleine Snurrewade). Bis in die 1950er Jahre gehörte sie auch in der deutschen Ostseefischerei zu den gebräuchlichen Fanggeräten. Mit fortschreitender Industrialisierung und Einführung der Schleppnetzfischerei nahm das Interesse an dieser Fangmethode allerdings rasch ab.


Die MiniSeine leitet sich von der traditionellen, 1848 in Dänemark entwickelten Snurrewade (dänisch: snurrevod) ab. Beim Fischen mit der Snurrewade wird am Fangplatz zunächst ein Anker gesetzt, an dem mindestens eine Markierungsboje sowie ein Ende der ersten Wadenleine angebracht sind. Diese Wadenleine wird anschließend bogenförmig ausgelegt (Abb. 1A). Nach dem Setzen der Wade (kleines Netz), welche am anderen Ende der ersten Wadenleine befestigt ist (Abb. 1B), wird die zweite Wadenleine ebenfalls bogenförmig ausgelegt (Abb. 1C). Sobald die Wade selbst und die zweite Leine ausgelegt sind, kehrt das Schiff zum Anker zurück (Abb. 1D), nimmt den Anfang der ersten Leine auf und beginnt, beide Leinen einzuholen. Das Hieven selbst erfolgt relativ langsam über Winden. Während die Größe der von den Leinen umschlossene Fläche somit allmählich abnimmt, werden die Fische vor die sich annähernde Wade getrieben (Abb. 1E). 
Die Snurrewade hat großes Potential für eine Lösung aktueller Probleme der Küstenfischerei. Sie entzieht die gefangenen Fische dem Zugriff der Kegelrobben, gleichzeit ist die Wahrscheinlichkeit für desn Beifang von Meeresvögeln und Seesäugern sehr gering. Die Auswirkungen dieser Fischerei auf den Meeresboden sind viel geringer als in der Scherbrett-Grundschleppnetzfischerei, und im Vergleich zu dieser hat die Snurrewadenfischerei einen viel geringeren Treibstoffverbrauch.  Schliesslich ist die Qualität des Fangs im Vergleich zum Stellnetz und Schleppnetz deutlich höher. 
Studien zur Selektivität und zu den Auswirkungen auf den Meeresboden laufen derzeit in der dänischen Plattfischfischerei. Das nächste Ziel ist die Miniaturisierung: Da kommerzielle Snurrewadenkutter aufgrund der Dimensionen der benötigten Ausrüstung an Bord (Netztrommel, Leinentrommeln, etc.) die Größe eines herkömmlichen Stellnetzkutters bei Weitem übersteigen, galt es, ein System zu entwickeln, welches von diesen kleineren Fahrzeugen genutzt werden kann. Somit entstand die Idee der „MiniSeine“. Versuche dazu wurden in Dänemark seit 2018 durchgeführt. Die topographischen Bedingungen (v.a. ebener Sandgrund ohne Steine) sind in deutschen Gewässern jedoch noch besser. Gemeinsam mit der Fischerei entwickeln wir diese Methode daher nun weiter.

Zielgruppe

Naturschutz, Fischerei

Vorgehensweise

Da bei der Erprobung eines neuen Fanggerätes gute Kenntnisse über die lokalen Gegebenheiten essentiell sind, findet die Erprobung in Kooperation mit der Fischerei statt. Die Wissenschaft stellt den im Vorfeld in Dänemark getesteten Prototyp des MiniSeine-Systems inklusive Leinen und Wade zur Verfügung und begleitet die ersten Versuche. Versuchsplanung und -durchführung finden in enger Abstimmung mit DTU Aqua statt, das die vorher stattgefundenen Versuche koordinierte. Sobald die Fischerei zufriedenstellend funktioniert, ist eine Fortsetzung der Versuche ohne wissenschaftliches Personal an Bord denkbar. In diesem Fall wäre der Fischer selbst für die Datenaufnahme zuständig (Selbstbeprobung). Die vom Fischer erfassten Daten werden täglich an die Wissenschaft weitergegeben, wo diese zügig ausgewertet werden, um auf potentielle Probleme schnell reagieren zu können –zum Beispiel durch technische Anpassungen oder weitere Mitfahrten.

Daten und Methoden

Neben der Erfassung aller Fänge werden Sensoren eingesetzt, die die Position des Kutters und die Fischereiaktivitäten erfassen. Außerdem kommt Unterwasser-Videotechnik zum Einsatz, um das Verhalten der Fische und die Performance des Fischereigeräts während des Fangprozesses begutachten zu können.

Unsere Forschungsfragen

  • Lässt sich das MiniSeine-System von einem für die deutsche Ostsee-Küstenfischerei typischen Fahrzeug aus nutzen?
  • Gibt es vor der deutschen Ostseeküste geeignete Gebiete, um diese Fischerei auszuüben?
  • Welche Arten lassen sich vor der deutschen Ostseeküste in welchen Mengen mit dem System fischen?

Zeitraum

1.2022 - 12.2023

Weitere Projektdaten

Projektstatus: läuft

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