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Institut für

MA Marktanalyse

Projekt

Entwicklung der LGR - Rolle der Importe auf die landwirtschaftliche Wertschöpfung


Federführendes Institut MA Institut für Marktanalyse

© pixabay

Entwicklung der LGR - Rolle der Importe auf die landwirtschaftliche Wertschöpfung

Importe haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem wichtigen Standbein der deutschen Landwirtschaft entwickelt. Die Frage nach der Bedeutung von Importen für die Wertschöpfung auf landwirtschaftlichen Betrieben ist allerdings noch kaum erforscht. In diesem Projekt soll gezeigt werden, wie sich die Rolle der Importe auf die Wertschöpfung der deutschen Landwirtschaft mithilfe vorhandener und gegebenfalls zusätzlich zu erhebener statistischer Daten schätzen lässt.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Thema der Bedeutung der Importe spielt aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle in der heutigen Landwirtschaft. Dies können umweltbezogene Aspekte sein oder auch Überlegungen in Bezug auf die Resilienz der landwirtschaftlichen Betriebe. Je höher die Importabhängigkeit für ein bestimmtes Produkt, desto größer ist in der Regel auch die Anfälligkeit für den Fall einer europäischen oder sogar globalen Krise. Auf der anderen Seite erfüllen Importe aber auch wichtige Funktionen und können die Produktivität in vielen Bereichen erheblich steigern. Wenn für bestimmte Vorleistungsgüter beispielsweise gar keine heimische Produktion stattfindet, sind Importe möglicherweise der einzige Weg, um diese auch auf dem lokalen Markt verfügbar zu machen. Oder sie könnten einheimischen Vorleistungsgütern in bestimmten Eigenschaften überlegen sein, wodurch sich die Produktivität der Betriebe bei deren Einsatz erhöht. An diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt an. Das Ziel des Projektes besteht darin, aufzuzeigen, wie sich mithilfe vorhandener und gegenbenfalls zusätzlich zu erhebender statistischer Daten die Bedeutung der Importe für die Wertschöpfung der deutschen Landwirtschaft abschätzen lässt. Dabei beschränkt sich das Projekt auf den Abdeckungsbereich der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (kurz: LGR; engl. EAA), welche auf jährlicher Basis von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn kalkuliert wird. Die Frage nach der Relevanz der Importe ist zudem von Bedeutung, da der Europäische Rechnungshof (EuRH) diese in einem Sonderbericht aus dem Januar 2016 explizit aufgeworfen und eine genauere Betrachtung diesbezüglich empfohlen hat.

Zielgruppe

  • Europäischer Rechnungshof (EuRH)
  • Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat)
  • EAA ‚Working Group‘
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
  • Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
  • Interessierte Landwirte und Verbände

Vorgehensweise

Um dieses Themengebiet weiter auszuleuchten und die genannten Forschungsfragen zu adressieren, wurde ein vierstufiger Ansatz gewählt:

Schritt 1: Beschreibung der Importe und ihrer Verwendung in der deutschen Landwirtschaft. Auf diese Weise lassen sich Güter identifizieren, welche zur Versorgung importiert werden und Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte haben. Zudem werden solche Importgüter identifiziert, welche keine Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Einkommen haben. Zu diesem Zweck werden die Kategorien „konkurrierend“, „neutral“ und „intermediär“ eingeführt. Anschließend werden die Güter, die Auswirkungen auf landwirtschaftliche Einkommen haben, hinsichtlich ihrer Verwendung näher betrachtet. Dabei werden folgende Fragen gestellt: Welche importierten Vorleistungsgüter im Rahmen der LGR sind ein- oder mehrzweckfähig? Welche Mengen und Werte haben diese Güter? Im nächsten Schritt werden die Güter im Außenhandel den CRONOS-Codes auf der Ebene des achtstelligen HS-Codes zugeordnet. Die Klassifizierung wird unterteilt in Produkte mit einer Verwendung auf der Ebene der Landwirtschaft und Güter mit einer Verwendung in der übrigen Wirtschaft oder im Handel. In die Untersuchungen fließen nur Güter ein, die auf landwirtschaftlicher Ebene direkt vergleichbar sind (z.B. Getreide) oder als Vorleistungen verwendet werden. Andere Produkte, die direkt aus der verarbeiteten Industrie importiert werden, bleiben unberücksichtigt. Ebenso sind Güter, die für den Handel mit Lebensmitteln bestimmt sind, ausgeschlossen. Das Ergebnis ist eine Güterliste, welche mit der CRONOS-Liste vergleichbar ist. Diese Liste wird anschließend durch Außenhandelsdaten zu Mengen und Werten ergänzt.

Schritt 2: Es wird untersucht, wie sich die Importe von Waren der Kategorie „konkurrierend“ auf das inländische Preisniveau auswirken. Zu diesem Zweck werden zunächst die verfügbaren Daten aus dem Außenhandel und den inländischen Erzeugerpreisen verglichen. Ziel der Analyse ist es, die Auswirkungen bzw. den Zusammenhang von Importen auf das Niveau der Erzeugerpreise in einem bestimmten Jahr zu beschreiben. Zu diesem Zweck werden Einheitspreise in der LGR und im Außenhandel berechnet. Mit Hilfe des Pearson-Koeffizienten wird ermittelt, ob das gleiche Verhalten von Erzeugerpreisen und Import- und Exportpreisen zu beobachten ist.

Schritt 3: Suche nach Informationen und Daten zur Abschätzung der Auswirkungen importierter Vorleistungsgüter auf den Wert der landwirtschaftlichen Produktion. Aufbau von Modellierungen und Berechnungsmethoden, welche sich auch zur weiteren Verwendung in den kommenden Jahren eignen. Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere auf den vier Bereichen „tierische Lebendimporte“,„Futtermittelimporte“,„Düngemittelimporte“ sowie „Saatgutimporte“. Die Auswirkungen der jeweiligen Vorleistungsgüter werden separat betrachtet und die Analysen ex Post durchgeführt.

Schritt 4: Prüfung der Übertragbarkeit der Berechnungsmodelle auf andere EU-Mitgliedstaaten (einschließlich der Schweiz). Integration der verschiedenen Ansätze zu einem Gesamtmodell. Um die Frage nach der Datenverfügbarkeit in anderen EU-Mitgliedstaaten zu beantworten, wird eine Umfrage an die EAA „Working Group“ verschickt.

Daten und Methoden

Wichtigste methodische Ansätze

  • Preisanalysen (via Pearson-Koeffizient)
  • Ex-Post-Kalkulationsmodelle
  • Trade-to-Use Verhältnis
  • Erhebung zur Datenverfügbarkeit in andere EU-Mitgliedstaaten

Wichtigste Daten

  • Außenhandelsdaten
  • Produktionswerte
  • Landwirtschaftliche Daten (u.a. Flächenstatistiken, Tierbestände, Leistungskennzahlen)

Unsere Forschungsfragen

Wichtigste Forschungsfragen

  • Wie stark ist der Zusammenhang zwischen den Außenhandelspreisen und den heimischen LGR-Preisen für ausgewählte Produktgruppen?
  • Welche Rolle spielen Lebendtierimporte / Futtermittelimporte / Düngemittelimporte / Saatgutimporte für die landwirtschaftliche Wertschöpfung in Deutschland?
  • Inwieweit lässt sich ein Gesamtmodell entwickeln, um den Einfluss von Importen auf die landwirtschaftliche Wertschöpfung in Deutschland und anderen europäischen Mitgliedstaaten abzuschätzen?

Vorläufige Ergebnisse

  • Erster Workshop mit Eurostat und EAA Working Group im Oktober 2024
  • Erster Zwischenbericht im Oktober 2024 (unveröffentlicht)
  • Zweiter Workshop im Oktober 2025 (veröffentlicht, Präsentation weiter unten verlinkt)
  • Zweiter Zwischenbericht im November 2025 (unveröffentlicht)
  • Abschlussbericht - Veröffentlichung geplant für April 2026

Links und Downloads

Link zur Projektwebseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung:

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Europäische Union (EU)
    (international, öffentlich)

Zeitraum

11.2023 - 4.2026

Weitere Projektdaten

Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

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