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Institut für

MA Marktanalyse

Projekt

Effiziente Reduzierung der Lebensmittelverschwendung im Groß- und Einzelhandel


Federführendes Institut MA Institut für Marktanalyse

Einkaufswagen im Supermarkt
© khwaneigq - stock.adobe.com

Nationales Dialogforum des Groß- und Einzelhandels zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (Handelsforum)  

Lebensmittelabfälle und -weitergabe im organisierten Lebensmitteleinzelhandel wurden von 1,76 % (in 2019) auf 1,54 % (im Jahr 2020) verringert, was mit Blick auf den Umsatz der Unternehmen etwa 246 Tausend Tonnen im Jahr 2020 entspricht. Wir unterstützen den Handel, die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren.

 

Hintergrund und Zielsetzung

Gemäß der Nationalen Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung der Bundesregierung sollen die gesamten Lebensmittelabfälle bis 2030 halbiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind alle Akteure der Lieferkette und die Verbraucher gefordert.

Mit den bestehenden Datengrundlagen im Handelssektor können die Abfallmengen nicht verlässlich quantifiziert werden, dies erschwert die Festlegung von Reduktionszielen. Ziel dieses Projektes ist es daher, die Lebensmittelabfälle im Handel zu quantifizieren und zu analysieren, um Trends ab 2015 abbilden zu können. Darauf aufbauend werden konkrete Maßnahmen erarbeitet, mit denen Lebensmittelabfälle reduziert werden können.

Vorgehensweise

Um den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und den Handelsunternehmen zu fördern, werden Projektergebnisse im Rahmen regelmäßiger Dialogforen des Groß- und Einzelhandels kommuniziert. Dieses Handelsforum soll mit den anderen sektorspezifischen Dialogforen und dem nationalen Dialogforum eng verknüpft werden. Außerdem werden Möglichkeiten des Monitorings und der Bilanzierung entwickelt, um Benchmarks zu schaffen und so den Fortschritt der Unternehmen kenntlich zu machen. Zwischen dem BMEL und Handelsunternehmen bzw. Verbänden werden freiwillige Vereinbarungen getroffen, um die in der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung formulierten Ziele zu erreichen.

Daten und Methoden

Als Informationsgrundlage dienen zunächst positive Beispiele aus Deutschland und den Nachbarländern, Dokumentationen von Forschungsprojekten, Experteninterviews und die Fachliteratur. Zusätzlich werden Akteure des Groß- und Einzelhandels eingebunden, die eine neue Datenbasis liefern könnten.

Für 2019 basieren die Berechnungen auf freiwillig bereitgestellten Daten zu Umsatzverlusten (Abschreibungen) aus 13 Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sowie Cash und Carry-Unternehmen, die durch etwa 13.000 Verkaufsstellen repräsentiert werden. Die beteiligten Unternehmen decken 35 % des gesamten LEH-Marktanteils in Deutschland ab. Als Datengrundlage dienen für den LEH 2020 die Abschreibungen von 16 Unternehmen. Die Unternehmen werden durch mehr als 16.000 Verkaufsstellen repräsentiert, haben einen Lebensmittelumsatz von etwa 97 Mrd. Euro und einen Marktanteil am organisierten LEH von etwa 88 %. Für den LGH stehen für das Jahr 2020 Datensätze von insgesamt sechs Unternehmen und für das Jahr 2019 von fünf Unternehmen zur Verfügung. Ein Marktanteil kann hier nicht berechnet werden, da derzeit keine Umsatzdaten zum gesamten LGH vorliegen.

Vorläufige Ergebnisse

Unsere Analysen des Gesamtsystems zielen nicht nur auf wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und eine fundierte, wissenschaftlich basierte Politikberatung, sie sollen auch die Gesellschaft für das Thema sensibilisieren.

Obwohl ein direkter Vergleich der beiden Jahre aufgrund der unterschiedlichen Anzahl von abgebildeten Unternehmen nur eingeschränkt möglich ist, konnte grundsätzlich gezeigt werden, dass sich die Abschreibungsraten der Mitglieder des Dialogforums aus dem Lebensmitteleinzelhandel sowie Cash und Carry-Unternehmen von 1,76 % (in 2019) auf 1,54 % (im Jahr 2020) verringert haben, was mit Blick auf den Umsatz der Unternehmen etwa 246 Tausend Tonnen Lebensmittelabfälle sowie -weitergabe im Jahr 2020 entspricht. Insgesamt liegen die Abschreibungsraten bei einem Großteil der Unternehmen unter 3 %. Diese Zahlen sprechen dafür, dass Lebensmittelverschwendung schon im eigenen, internen Verantwortungsbereich durch die Durchführung von verschiedensten Optimierungsmaßnahmen reduziert wird.

Bei den beteiligten Unternehmen des Lebensmittelgroßhandels konnten die Abschreibungsraten in einzelnen Warengruppen reduziert werden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen liegt mit den Abschreibungsraten in den verschiedenen Warengruppen unter 1 %. Allerdings stiegen über alle Warengruppen die umsatzgemittelten Abschreibungen von 0,23 % (2019) auf 0,35 % (2020) an. Der Anstieg resultiert maßgeblich aus wenigen Ausreißern in den Warengruppen Obst und Gemüse, Brot und Backwaren und Fleisch, Fisch und Geflügel mit Abschreibungsraten größer 5 %.

Eine Abgrenzung der Lebensmittelabfälle zu Lebensmittelspenden und anderen Verwertungen (z.B. zu Tierfutter) ist wegen Datenlücken derzeit nur mithilfe von Schätzungen möglich. Expertenschätzung für diesen Bericht: 30 % der Verluste werden gespendet.

Erkenntnisse über nachhaltige Maßnahmen sollen durch den Austausch im Dialogforum optimiert und verbreitet werden. Daraus folgend und unterstützt durch freiwillige Vereinbarungen der Handelsunternehmen mit politischen Gremien sollen Lebensmittelabfälle in den kommenden drei Jahren reduziert werden.

Links und Downloads

Lebensmittelwertschätzen - Dialogforum Groß- und Einzelhandel

CSCP - Dialogfoum Groß- und Einzelhandel

Beteiligungserklärung der Teilnehmenden

Pressemitteilung - Handel unterzeichnet Erklärung: Lebensmittelverschwendung reduzieren

Zwischenbericht 2021

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖLN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

8.2019 - 8.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2819NA019
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Orr L, Schmidt TG (2021) Lebensmittelabfälle im Handel reduzieren. Braunschweig: Thünen-Institut für Marktanalyse, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2021/08, DOI:10.3220/PB1615472542000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063422.pdf

  2. 1

    Schmidt TG, Orr L (2021) Monitoring der Lebensmittelabfälle im Groß- und Einzelhandel in Deutschland 2019: Daten des Lebensmitteleinzelhandels. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 31 p, Thünen Working Paper 168, DOI:10.3220/WP1613554682000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063357.pdf

  3. 2

    Schmidt TG, Orr L (2021) Monitoring food waste in the wholesale and retail sector in Germany 2019: Food retail data. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 29 p, Thünen Working Paper 168a, DOI:10.3220/WP1613555002000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063358.pdf

  4. 3

    Orr L, Schmidt TG (2021) Reducing food waste in retail. Braunschweig: Thünen Institute of Market Analysis, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2021/08a, DOI:10.3220/PB1615797125000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063434.pdf

  5. 4

    Schmidt TG, Orr L (2020) Lebensmittelabfälle - Messen ist der erste Schritt zu wirksamen Reduzierungsmaßnahmen [online]. Recht Z Eur Lebensmittelrecht(1):34-37, zu finden in <https://baeckerwelt.de/2020/?uid_issue=1361&uid_title=4> [zitiert am 01.04.2020], DOI:10.23789/1868-0763-2020-1-30

  6. 5

    Orr L, Schmidt TG (2020) Monitoring der Lebensmittelverluste im Lebensmittelhandel. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 68 p, Thünen Working Paper 154, DOI:10.3220/WP1598947100000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062613.pdf

  7. 6

    Schmidt TG, Orr L (2020) Wo geht wie viel verloren? DLG Mitt(12):66-68

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