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Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Institut für

LV Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Projekt

Strukturwandel von der Industrie- zur postindustriellen Wissensgesellschaft: Treiber gesellschaftlicher Polarisierung?

Strukturwandel von der Industrie- zur postindustriellen Wissensgesellschaft: Treiber gesellschaftlicher Polarisierung? (SIPPO)

Wir untersuchen, ob – und wenn ja, wie - der Wandel zur Wissensgesellschaft einen Einfluss auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland hat. Im Fokus steht die Frage, ob sich sozioökonomische Differenzierungen zwischen ländlichen und urbanen Räumen auch kulturell-räumlich manifestieren und politische Einstellungen sowie die Unterstützung populistischer Parteien beeinflussen. Auf Basis quantitativer Längsschnittanalysen werden internationale Thesen erstmals systematisch für den deutschen Kontext geprüft.

Hintergrund und Zielsetzung

In vielen westlichen Gesellschaften wird seit einigen Jahren eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung beobachtet, die sich nicht nur in politischen Einstellungen und Wahlverhalten, sondern auch in kulturellen Orientierungen, Wertvorstellungen und gesellschaftlichen Zugehörigkeitsgefühlen manifestiert. Internationale Forschung verweist zunehmend darauf, dass diese Polarisierung eng mit tiefgreifenden sozioökonomischen Transformationsprozessen verknüpft ist, insbesondere mit dem Strukturwandel von der Industrie- zur postindustriellen Wissensgesellschaft. Dieser Wandel geht mit Veränderungen in der Erwerbsstruktur, der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung von Regionen sowie der Bedeutung formaler Bildung und wissensbasierter Tätigkeiten einher. Zahlreiche Studien argumentieren, dass sich dadurch neue gesellschaftliche Trennlinien herausgebildet haben, die sich häufig räumlich überlagern: Während urbane Zentren zunehmend von hochqualifizierten, wissensbasiert tätigen Gruppen mit kosmopolitischen Wertorientierungen geprägt seien, konzentrierten sich in ländlichen und kleinstädtischen Räumen häufiger manuell tätige Bevölkerungsgruppen mit geringerer formaler Bildung und eher konservativen Wertvorstellungen.

Diese räumliche und soziale Differenzierung wird in der internationalen Literatur zunehmend mit politischen Spannungen und der Unterstützung populistischer Parteien in Verbindung gebracht. Für Deutschland ist das Bild bislang unklar. Die empirische Evidenz zur Rolle des Strukturwandels für gesellschaftliche Polarisierung ist begrenzt und teils widersprüchlich, und systematische Untersuchungen, die sozioökonomische, kulturelle und politische Dimensionen gemeinsam analysieren, fehlen weitgehend. 

Ziel des Projekts ist es daher, den Zusammenhang zwischen strukturellem Wandel, regionaler Erwerbsstruktur und gesellschaftlicher Polarisierung in Deutschland empirisch zu untersuchen. Mithilfe quantitativer Längsschnittdaten soll analysiert werden, ob und in welcher Form sich Deindustrialisierungsprozesse und der Übergang zur Wissensgesellschaft räumlich manifestieren und mit Unterschieden in Wertorientierungen, politischen Einstellungen und der Unterstützung populistischer Parteien einhergehen. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur empirischen Prüfung internationaler Thesen im deutschen Kontext und schafft eine fundierte Grundlage für wissenschaftliche Debatten sowie evidenzbasierte Politikgestaltung im Bereich ländlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Kohäsion.

Vorgehensweise

Das Projekt verfolgt ein quantitatives Forschungsdesign zur empirischen Untersuchung des Zusammenhangs zwischen strukturellem Wandel, regionaler sozioökonomischer Differenzierung und gesellschaftlicher Polarisierung in Deutschland. Grundlage bilden Längsschnittdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) sowie Daten der German Longitudinal Election Study (GLES). Anhand etablierter Klassenschemata werden regionale Erwerbsstrukturen analysiert und ihre Entwicklung über die Zeit nachgezeichnet. Diese strukturellen Indikatoren werden mit kulturellen Wertorientierungen, politischen Einstellungen und der Unterstützung populistischer Parteien verknüpft. Multivariate und longitudinale statistische Verfahren ermöglichen die Identifikation räumlicher und zeitlicher Polarisierungsmuster.

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