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Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Landwirtschaftliche geprägte Landschaft, im Vordergrund eine Bank, im Hintergrund ein Ort
Institut für

LV Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Projekt

NatApp - Smartphone gestützte Dokumentation von Naturschutzmaßnahmen



Eine Maßnahme zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften ist die Anlage mehrjähriger Blühstreifen
© ZALF/Holger Pfeffer
Eine Maßnahme zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften ist die Anlage mehrjähriger Blühstreifen

Länderübergreifende Umsetzungsstudie zur Anwendung der Naturschutz-App (NatApp) in der landwirtschaftlichen und Verwaltungspraxis

Die zu entwickelnde NatApp ist ein Tool für die Beratung, Planung, Beantragung und Dokumentation von Naturschutzmaßnahmen auf Agrarflächen. Das Tool soll Landwirte und Agrarverwaltungen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität unterstützen.

Hintergrund und Zielsetzung

Für den Schutz der Biodiversität in der Agrarlandschaft sind kleinteilige Naturschutzmaßnahmen im Rahmen von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) besonders wirksam.  Solche Maßnahmen werden von den Ländern allerdings nur im geringen Maße in ihre Förderprogramme aufgenommen. Ein Grund dafür ist der hohe Verwaltungsaufwand. Wegen komplizierter Antragsverfahren und Sanktionsrisiken nehmen die Landwirte diese zudem nur selten in Anspruch. Die NatApp soll Agrarbetrieben als auch der Verwaltung die Umsetzung insbesondere von kleinteiligen AUKM erleichtern.

Eine eingebundene Infothek mit einer Beschreibung der Fördermaßnahmen, die in den jeweiligen Ländern angeboten werden, soll die Landwirte bei der Planung von Maßnahmen unterstützen. Ein Terminplan sowie Erinnerungen und Warnmeldungen erleichtern die

korrekte Durchführung der Maßnahmen und verringern das Sanktionsrisiko.

Mit der NatApp dokumentieren die Landwirte selbstständig, u. a. mittels GPS und geotagged Fotos, die vorgegebenen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Durch Rückgriff der Verwaltungen auf diese Dokumentation sollen Vor-Ort-Kontrollen reduziert werden. 

Zielgruppe

Agrar- und Umweltverwaltungen, Landwirte

Vorgehensweise

Im Vorgängerprojekt „Konzept Pilot NatApp“ wurden die Anforderungen an die NatApp seitens der Agrarverwaltung, die erforderlichen Schnittstellen für den Datenaustausch, mit der App zu erprobende AUKM und deren Dokumentationsmöglichkeiten spezifiziert. Basierend auf diesen Ergebnissen wird im aktuellen Vorhaben das Konzept der NatApp erprobt und validiert sowie eine NatApp-Pilotversion programmiert und in vier Bundesländern getestet.

Für die Konzeption der Infothek wird durch Befragungen geklärt, welche Informationen die jeweiligen Länderverwaltungen den Landwirten zu den AUKM bereitstellen und welchen Informationsbedarf die Landwirte haben. Basierend auf den Befragungsergebnissen soll erarbeitet werden, wie die Bundesländer die Informationen mit wenig Aufwand aufbereiten, in die Infothek einspeisen und aktuell halten können.

Für das Dokumentationstool werden die Anforderungen an Fotos mit GPS-Daten sowie weitere GPS- und GIS-Funktionen (z.B. Track) erarbeitet und sowohl hinsichtlich ihrer inhaltlichen als auch terminlichen Eignung und Rechtssicherheit unter Praxisbedingungen evaluiert und anschließend in die App implementiert. Durch Schulungen werden ausgewählte Testbetriebe in die verschiedenen Dokumentationsmöglichkeiten eingewiesen und der Prototyp der NatApp hinsichtlich Handhabung und Bedienung auf Praxistauglichkeit getestet. Gleichzeitig erfolgt eine Analyse, mit welchem Bearbeitungsaufwand die mit dem Dokumentationsmodul erfassten Daten und Informationen für die Agrarverwaltung nutzbar sind und ob der Verwaltungsaufwand reduziert werden kann.

Daten und Methoden

Voraussetzung für die Entwicklung der Infothek ist die Klärung des Informationsbedarfs der Landwirte und der Verwaltung. Dies erfolgt auf der Basis von Recherchen, Experten- und Stakeholder-Befragungen.

Für eine rechtssichere Dokumentation werden u.a. Betriebsdaten, Agrarantragsdaten, Schlaggeometrien sowie weitere GIS- und GPS-Daten in die App eingebunden. Zur Einschätzung der Sicherheit des Datenaustauschs zwischen dem Betrieb und den Verwaltungen wird eine Risikoanalyse durchgeführt. In Akzeptanzstudien werden Landwirte und Verwaltungsvertreter zur Anwendung der NatApp in der Praxis befragt. Durch die Analyse und Bewertung von Akzeptanz, Operabilität und Qualität der NatApp können etwaige Anpassungsbedarfe ermittelt werden.

Unsere Forschungsfragen

  • Steigert der Einsatz der NatApp die Bereitschaft der Landwirte, kleinteilige AUKM umzusetzen?
  • Verringert die NatApp den Administrationsaufwand kleinteiliger AUKM und fördert deren Implementierung in die Förderprogramme der Länder?
  • Welche Mindestanforderungen müssen geotagged Fotos für eine verordnungskonforme Dokumentation der Umsetzung von AUKM erfüllen?
  • Wie lassen sich Sentinel-Daten effizient in die NatApp einbinden?
  • Sind AUKM mit Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz ebenfalls mit der NatApp dokumentierbar?

Ergebnisse

Mit der Naturschutz-App „NatApp“ geben wir den Landwirt*innen ein Werkzeug an die Hand, das die Planung, Umsetzung und Dokumentation von Naturschutzmaßnahmen vereinfacht. Für die Betriebe vereinfacht die NatApp die Dokumentation und verringert den Verwaltungsaufwand, da Naturschutzflächen bereits während der Bearbeitung erfasst werden. Durch die lückenlose und transparente Erfassung sinkt das mögliche Sanktionsrisiko für beantragte Maßnahmen.

Während der Projektlaufzeit haben die Länderverwaltungen zunehmend eigene FotoApps zur Erbringung von Nachweisen entwickelt. Geotag-Fotos werden in der Agrarförderung zukünftig das Flächenüberwachungssystem verpflichtend ergänzen. Der Bedarf der NatApp als Gesamtsystem für die Agrarverwaltungen ist daher nicht mehr gegeben. Eine Einbindung der Infothek in die Anwendungen der Länder ist jedoch denkbar. Darüber hinaus gibt es verschiedene Einsatz- und Erweiterungsmöglichkeiten für die NatApp. Zum Beispiel für private Naturschutzmaßnahmen und -projekte oder andere Programme, die ein geeignetes Monitoring-Tool benötigen. Die Entwicklung unter einer Open-Source-Lizenz ermöglicht die Nutzung und Weiterentwicklung der NatApp durch interessierte Dritte.

Links und Downloads

www.dbu.de

www.naturschutz-app.de

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Landwirtschaftliche Rentenbank
    (national, privat)

Zeitraum

7.2020 - 12.2022

Weitere Projektdaten

Projektfördernummer: 880755
Förderprogramm: Zweckvermögen des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Tönshoff C, Bellingrath-Kimura SD, Dettmann H, Geppert F, Nostiz-Wallwitz I von, Pfeffer H, Röder N, Schwierz F (2023) NatApp - Smartphone-gestützte Dokumentation von Naturschutzmaßnahmen. Braunschweig: Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2023/13, DOI:10.3220/PB1673259863000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065889.pdf

  2. 1

    Tönshoff C, Bellingrath-Kimura SD, Dettmann H, Geppert F, Nostiz-Wallwitz I von, Pfeffer H, Röder N, Schwierz F (2023) NatApp - Smartphone-supported documentation of nature conservation measures. Braunschweig: Thünen Institute of Rural Studies, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2023/13a, DOI:10.3220/PB1659619093000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065892.pdf

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